Lufthansa zwischen Sommerhoffnung und Unsicherheit
US-Geschäft schwächelt, Zölle und Lieferprobleme belasten die Planung

Die Lufthansa bereitet sich auf einen verkehrs- und passagierstarken Sommer vor, sieht sich jedoch mit zahlreichen Unsicherheiten konfrontiert. Vorstandschef Carsten Spohr betonte, man sei wachsam angesichts des geopolitischen und makroökonomischen Umfelds. Besonders der Blick in Richtung USA bereitet dem Konzern Sorgen, da das Nordatlantik-Geschäft eine zentrale Rolle im Passagierverkehr der Gruppe spielt. Etwa ein Viertel des Umsatzes und der Kapazität entfällt auf diesen Markt. Zwar lagen die Ticketverkäufe zuletzt über dem Vorjahresniveau, jedoch gebe es erste Anzeichen einer Abschwächung bei den Buchungseingängen – vor allem in den günstigeren Preiskategorien.
Trotz dieser Entwicklungen hält die Lufthansa an ihrer Prognose vom März fest. Allerdings räumte Finanzvorstand Till Streichert ein, dass die Unsicherheit seitdem zugenommen habe. Besonders für das dritte Quartal sei die Prognosegenauigkeit aktuell eingeschränkt. Um flexibel auf mögliche Nachfragerückgänge reagieren zu können, wurde eine Taskforce eingerichtet. Diese soll unter anderem mögliche Kapazitätsanpassungen prüfen. Bereits beschlossen ist, das Wachstum auf dem US-Markt im vierten Quartal von sechs auf drei Prozent zu reduzieren. Falls sich die Lage weiter zuspitzt, könnte diese Maßnahme auch vorgezogen werden.
Der Konzern ist mit einem Verlust ins Jahr gestartet, obwohl die Einnahmen gestiegen sind. Der Umsatz wuchs im ersten Quartal um zehn Prozent auf 8,1 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis lag bei minus 722 Millionen Euro. Im Passagiergeschäft fiel das Minus mit 934 Millionen Euro sogar noch höher aus. Unter dem Strich vergrößerte sich der Verlust des Konzerns auf 885 Millionen Euro. Für eine gewisse Stabilisierung sorgten die Tochterunternehmen: Lufthansa Cargo erwirtschaftete einen bereinigten operativen Gewinn von 62 Millionen Euro, Lufthansa Technik erreichte mit 161 Millionen Euro den höchsten Quartalsgewinn ihrer Geschichte.
Spohr wies darauf hin, dass der Luftverkehr trotz globaler Unsicherheiten ein stabiler Anker sei. Gründe dafür seien unter anderem Kapazitätsengpässe bei Flugzeugherstellern, die alle Airlines zur Disziplin zwängen. Sorgen bereitet dem Konzern auch der drohende Zollkonflikt. Derzeit fehlen Lufthansa 41 Boeing-Maschinen, deren Auslieferung aussteht. Für den Sommer wird mit ersten Dreamlinern gerechnet, auf die Zölle drohen. Als mögliche Ausweichstrategie wird ein Import über die Schweiz geprüft. Eine endgültige Entscheidung hierzu steht jedoch noch aus.
