Airbus trotzt US-Zöllen mit starker Nachfrage
Effiziente Modelle und globale Bestellungen sichern dem Konzern Vorteile trotz Handelskonflikt

Airbus reagierte zurückhaltend auf die neuen Strafzölle der US-Regierung. Eine Sprecherin erklärte, man habe die Ankündigungen zur Kenntnis genommen und bewerte derzeit deren Auswirkungen, wolle sich jedoch nicht weiter äußern. Konzernchef Guillaume Faury hatte sich zuvor deutlich gelassener gezeigt und betont, dass Airbus über eine starke Nachfrage außerhalb der USA verfüge. Sollte es zu größeren Lieferschwierigkeiten in die Vereinigten Staaten kommen, könne man Bestellungen aus anderen Regionen vorziehen.
Interne Stimmen bei Airbus vermuten sogar, dass das Unternehmen letztlich von den Strafmaßnahmen profitieren könnte – vielleicht in einem Ausmaß, das dem Konzern selbst nicht ganz recht ist. Zwar erschweren die Zölle das Geschäft mit US-Kunden, von denen rund 900 Maschinen bestellt wurden, doch es gibt mehrere Gründe, weshalb der Konzern optimistisch bleibt. Einer davon ist die Erfahrung mit bisherigen Zöllen. Schon 2019 waren Airbus-Flugzeuge mit Abgaben belegt worden. Damals konnte Airbus die negativen Effekte durch die Produktion in der US-Fabrik in Alabama abfedern. Lieferungen fielen nicht aus, weil Airbus und die Fluggesellschaften die zusätzlichen Kosten gemeinsam trugen.
Ein weiterer Aspekt ist die hohe Nachfrage nach neuen Flugzeugen. Viele US-Fluglinien benötigen dringend moderne Modelle wie die A220-300 und die A321neo. Diese Maschinen gelten als deutlich effizienter im Betrieb als ältere Modelle und bleiben auch unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen attraktiv. Selbst bei höheren Anschaffungskosten rechnen sich die Flugzeuge über die Nutzungsdauer. Airbus geht deshalb davon aus, die Zusatzkosten durch Zölle an seine Kunden weiterreichen zu können.
Sollten US-Fluglinien dennoch auf Bestellungen verzichten, könnte Airbus die Flugzeuge problemlos anderen Kunden anbieten. Die weltweite Nachfrage ist so groß, dass nahezu jede Lieferposition neu vergeben werden kann. Vor allem in Schwellenländern wie Indien und Indonesien besteht großer Bedarf. Aufgrund anhaltender Produktionsprobleme bei beiden großen Herstellern sind Airbus und Boeing für Jahre ausgelastet. Wer jetzt bestellt, kann frühestens gegen Ende des Jahrzehnts mit einer Lieferung rechnen.
Langfristig könnten die Zölle Boeing härter treffen als Airbus. Deren Produktionskosten könnten deutlich steigen, was Kunden zusätzlich in Richtung des europäischen Konkurrenten treiben würde. Airbus könnte damit zu einem dominanten Anbieter auf dem Weltmarkt aufsteigen.
