O’Leary stellt sich gegen Krise und Regulierung
Ryanair-Chef sieht Wachstumschancen, kritisiert EU-Politik und hofft auf Friedrich Merz

Ryanair-Chef Michael O’Leary nutzt das jährliche Treffen europäischer Airlinechefs in Brüssel für eine deutliche Positionierung in der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Lage. Während Vertreter anderer Fluggesellschaften sachlich ihre Anliegen präsentieren, fällt O’Leary durch provokante Aussagen und drastische Wortwahl auf. Er kritisiert unter anderem Umweltauflagen, Subventionsbeschränkungen und die europäische Regulierungspolitik scharf. Gleichzeitig betont er, dass Ryanair trotz weltweiter Krisen weiterhin wachse und gut auf wirtschaftliche Turbulenzen vorbereitet sei.
O’Leary zeigt sich zuversichtlich, dass die aktuelle weltwirtschaftliche Lage, insbesondere durch US-Zölle beeinflusst, Ryanair nicht wesentlich schaden werde. Stattdessen erwartet er, dass Boeing, als wichtiger Partner von Ryanair, von der US-Regierung gezielt unterstützt werde. Der Ryanair-Chef geht davon aus, dass sich die Lieferung von Boeing-Maschinen bald stabilisieren wird. Für die kommenden Jahre rechnet er mit einer schrittweisen Steigerung der Produktion auf bis zu 48 Flugzeuge pro Monat bis 2026. Den Wechsel zu Airbus schließt er weiterhin aus, da deren Kapazitäten langfristig ausgebucht seien.
Ein besonderes Augenmerk richtet O’Leary auf politische Entwicklungen in der EU. Aus seiner Sicht hat sich das Klima für Airlines verbessert, da der politische Einfluss grüner Parteien abgenommen habe. Er erwartet, dass die EU künftig weniger auf Umweltauflagen und mehr auf Wettbewerbsfähigkeit achten werde. Besonders kritisiert er die verpflichtenden Quoten für nachhaltige Kraftstoffe, die er für unerfüllbar hält, da die Ölkonzerne keine ausreichenden Mengen liefern könnten.
Mit Blick auf den deutschen Markt erklärt O’Leary, dass Ryanair wegen hoher Gebühren und Steuern derzeit kaum präsent sei. Die Luftverkehrsteuer und zusätzliche nationale Regelungen würden die Kosten pro Ticket auf ein Vielfaches gegenüber anderen Ländern erhöhen. Erst bei einer deutlichen Senkung dieser Kosten könne Ryanair in Deutschland wieder stärker aktiv werden. Hoffnung setzt O’Leary dabei auf die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz, dem er ein gutes Verständnis für die Luftfahrt attestiert.
Darüber hinaus kündigt O’Leary eine mögliche Rückkehr nach Kriegsende in die Ukraine an. Ryanair plane einen umfassenden Markteintritt mit Dutzenden Flugrouten innerhalb weniger Wochen. In Russland hingegen werde es auch nach einem Frieden keine Ryanair-Flüge geben. O’Leary begründet dies mit früheren Korruptionserfahrungen im Zuge geplanter Strecken nach Moskau und St. Petersburg.
