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LNG-Exporte vor starkem Anstieg: Shell oder Energy Transfer kaufen?

Shell investiert 23 Milliarden Dollar in kanadisches LNG – Energy Transfer lockt mit 6,7 Prozent Rendite.

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LNG-Exporte vor starkem Anstieg: Shell oder Energy Transfer kaufen?

Der globale Markt für Flüssiggas (LNG) steht vor einem deutlichen Wachstumsschub. Shell (SHEL) setzt weiterhin verstärkt auf LNG und hat kürzlich mit Partnern die Erweiterung der Kapazität einer kanadischen LNG-Exportanlage vereinbart. Dabei handelt es sich um eine Investition in Höhe von 23 Milliarden Dollar. Shell ist bereits ein bedeutender globaler Akteur im LNG-Sektor und geht mit diesem Schritt ein beträchtliches Risiko ein, da das Unternehmen auf weiteres Wachstum der LNG-Nachfrage setzt.

Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob Shell oder Energy Transfer (ET) die klügere Investitionsmöglichkeit ist. Der zentrale Unterschied liegt im Rohstoffrisiko. Während Shell als integriertes Energieunternehmen stark von den Preisschwankungen bei Öl und Erdgas abhängt, verfolgt Energy Transfer ein grundlegend anderes Geschäftsmodell.

Warum LNG an Bedeutung gewinnt

Erdgas gilt als Übergangsbrennstoff, während die Welt hin zu saubereren Energiequellen wechselt. Allerdings ist Erdgas außerhalb von Pipelines nur schwer zu transportieren. Es muss abgekühlt und verflüssigt werden – ein Prozess, der kostspielig ist. Durch den geopolitischen Konflikt im Nahen Osten ist der Energiemarkt jedoch durcheinandergeraten, was viele Länder dazu veranlasst hat, ihre Energiesicherheit neu zu bewerten. Flüssiggas aus wirtschaftlich und politisch stabilen Ländern wie Kanada dürfte daher an Nachfrage gewinnen.

Shell nutzt diese Nachfrageentwicklung, indem es eine LNG-Exportanlage in Kanada ausbaut. Das ist zwar positiv, ändert jedoch nichts am grundlegenden Geschäftsmodell des Unternehmens. Obwohl es sich um ein integriertes Energieunternehmen handelt, besteht weiterhin eine erhebliche Exposition gegenüber den Preisschwankungen von Öl und Erdgas. Wer denselben LNG-Trend nutzen möchte, ohne ein so hohes Rohstoffrisiko einzugehen, sollte Energy Transfer in Betracht ziehen.

Energy Transfer als „Mautnehmer“

Energy Transfer fördert weder Öl noch Erdgas; das Unternehmen transportiert diese Brennstoffe lediglich im Auftrag seiner Kunden. Für diesen Service erhebt es Gebühren, wodurch zuverlässige Cashflows generiert werden – unabhängig davon, wie sich die Preise der beförderten Rohstoffe entwickeln. Das Pipeline-Geschäft ist zwar nicht besonders spannend, und das Wachstum wird voraussichtlich über längere Zeit eher moderat ausfallen. Doch Anleger müssen sich keine Sorgen um die großen, oft dramatischen Schwankungen der Energiepreise machen, die den Aktienkurs eines Energieproduzenten wie Shell häufig antreiben.

Zudem bietet Energy Transfer derzeit eine sehr attraktive Ausschüttungsrendite von 6,7 Prozent. Die Rendite von Shell liegt deutlich niedriger bei 2,9 Prozent. Gleichzeitig strebt Energy Transfer ein jährliches Wachstum der Ausschüttungen von rund 3 bis 5 Prozent an. Addiert man die Rendite zum Ausschüttungswachstum, ergibt sich ein Gesamtertrag von etwa 10 Prozent, was ungefähr der langfristigen Rendite entspricht, die Anleger vom Markt erwarten. Man verzichtet bei Energy Transfer also im Wesentlichen nur auf das Rohstoffrisiko, ohne dabei große Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.

Langsames, aber stetiges Wachstum

Um fair zu sein: Energy Transfer ist nicht makellos. Im Jahr 2020 kürzte das Unternehmen seine Ausschüttungen, um sich auf die Reduzierung der Verschuldung zu konzentrieren. Dieser Prozess ist abgeschlossen, und nun steht das Ziel im Vordergrund, langsam und stetig zu wachsen.

Für deutsche Anleger, die Exposure zum LNG-Sektor wünschen, aber kein großes Risiko bezüglich der Rohstoffpreise eingehen möchten, könnte Energy Transfer mit seiner hohen Dividendenrendite eine gute Option sein – vorausgesetzt, sie betrachten die Kürzung der Ausschüttung im Jahr 2020 als die beabsichtigte Neuausrichtung des Geschäftsmodells. Wer hingegen auf steigende Energiepreise setzen will, bleibt bei Shell stärker dem Rohstoffrisiko ausgesetzt. Die Entscheidung hängt damit maßgeblich von der individuellen Risikobereitschaft ab.

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