KI-Skeptiker von links bis rechts fordern Regulierung – Trump blockiert
Bernie Sanders und Steve Bannon vereint gegen ungebremste KI-Entwicklung – Washington bleibt gespalten.

Eine ungewöhnliche Allianz hat sich am Dienstag in Washington formiert: Der progressive Senator Bernie Sanders (I-Vt.) und der ehemalige Trump-Strategen Steve Bannon standen gemeinsam auf einer Bühne, um vor den existenziellen Gefahren der künstlichen Intelligenz (KI) zu warnen. Mit dabei waren der Abgeordnete Greg Casar (D-Texas) und der konservative Hardliner Chip Roy (R-Texas). Die Veranstaltung im Marriott-Hotel gewann durch aktuelle Enthüllungen zusätzliche Brisanz.
Jacob Coxon, ein ehemaliger Mitarbeiter des KI-Unternehmens Anthropic, hatte zuvor auf X seinen Job niedergelegt und alarmierende Aussagen veröffentlicht. Er erklärte, dass große Entwickler wie OpenAI und Anthropic „mit unserem Leben spielen“. Die Warnungen kommen zu einer Zeit, in der sich weite Teile Washingtons schwer damit tun, mit einer Technologie umzugehen, die sich rasant entwickelt und für die es kaum Regulierungen gibt.
Ungewöhnliche Allianz gegen KI-Risiken
Die Veranstaltung des Future of Life Institute brachte politische Gegner zusammen, die sonst in kaum einer Frage einer Meinung sind. Bannon rief Demokraten und Republikaner dazu auf, „über die Parteipolitik hinauszugehen“, um das KI-Risiko anzugehen und die großen Technologieunternehmen einzudämmen. Sanders und Casar hatten bereits Anfang des Monats Gesetzentwürfe angekündigt, die KI-Superintelligenz verbieten und die Entwicklung fortgeschrittener KI vorübergehend aussetzen sollen.
Chip Roy, der politische Vorsitzende des hard-right House Freedom Caucus, schien sich auf der Veranstaltung etwas von Präsident Donald Trump zu distanzieren. Er befürwortete einen ausgewogenen Ansatz zwischen Regierung und Wirtschaft. Der Freedom Caucus hat sich in der Vergangenheit mehrfach mit Trump über Bundesausgaben und andere Themen überworfen.
Industrie reagiert – Politik zögert
Die Warnungen aus der Branche selbst mehren sich. OpenAI-CEO Sam Altman kündigte an, die Pläne für einen Börsengang in diesem Jahr zu verschieben, und begründete dies mit wachsenden Bedenken hinsichtlich der KI-Sicherheit. Anthropic-CEO Dario Amodei veröffentlichte am vergangenen Wochenende einen Aufsatz, in dem er KI-Unternehmen aufforderte, die Entwicklung zu verlangsamen. Sein Vorschlag erhielt Online-Befürwortungen sowohl von Altman als auch vom xAI-Gründer Elon Musk.
Doch im politischen Washington bleiben diese Signale bislang weitgehend unbeachtet. Präsident Donald Trump hat die Bedenhen als „Finte“ bezeichnet und seine Unterstützung für die KI-Branche weiter verstärkt. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson (R-La.), erklärte, es sei die Verantwortung der Technologieunternehmen, sich selbst zu regulieren – nicht die des Kongresses.
Geopolitische Dimension spaltet die Lager
Senator Ted Cruz (R-Texas) verwies in einem Interview mit Politico auf die Bedrohung durch China. Seine Position ist bemerkenswert deutlich: Wenn die Technologie tatsächlich tödlich werde, bevorzuge er „amerikanische Killerroboter“ gegenüber „chinesischen Killerrobotern“. Diese Haltung spiegelt die Befürchtung vieler Republikaner wider, dass jede Verlangsamung durch US-KI-Unternehmen China oder anderen Gegnern einen Vorsprung verschaffen könnte.
Lori Trahan (D-Mass.), eine der lautstärksten Stimmen auf dem Capitol Hill zur KI-Regulierung, lehnte diese geopolitische Einordnung auf der Future-of-Life-Veranstaltung ab. Sie hatte im Juni gemeinsam mit Kollegen beider Parteien ein Gesetzgebungsverfahren eingeleitet, das einen bundesweiten Rahmen für die Steuerung der Technologie schaffen soll.
Wahljahr bremst Regulierungsbemühungen
Jede Forderung nach schneller gesetzgeberischer Aktion zur KI-Sicherheit wird voraussichtlich unbeantwortet bleiben – zumindest bis nach der Wahl. Das Repräsentantenhaus verlässt Washington am Donnerstag und wird erst nach der Wahl am 3. November zurückkehren. Vizepräsident JD Vance traf sich am Dienstagvormittag etwa eine Meile vom Future-of-Life-Event entfernt mit Republikanern. Nach Aussage der Anwesenden kam dabei keine Rede von KI.
Selbst unter denen, die erkennen, dass KI eine wachsende Bedrohung darstellt, gibt es bisher wenig Konsens darüber, wie damit umgegangen werden soll. Sanders äußerte die Hoffnung, dass Trump und der chinesische Präsident Xi Jinping auf einem geplanten Gipfeltreffen in der kommenden Woche einen Vertrag zur KI-Sicherheit abschließen könnten. Ob diese Hoffnung realistisch ist, bleibt angesichts der tiefen politischen Gräben in Washington fraglich.
