KI-Revolution bedroht Software-Branche: 300 Milliarden Dollar Marktwert vernichtet
Anthropics neues KI-Tool löst Kurssturz bei Software-Aktien aus. Analysten warnen vor weiteren Bewertungsabschlägen.

Die Software-Branche erlebt einen dramatischen Einbruch: Aktien von Software-Unternehmen verloren am Dienstag massiv an Wert, nachdem das KI-Unternehmen Anthropic ein neues Tool für juristische Analysen vorgestellt hatte. Zwei S&P-Indizes, die Software-, Finanzdaten- und Börsenunternehmen abbilden, büßten zusammen rund 300 Milliarden Dollar an Marktwert ein, wie das Wall Street Journal berichtete.
Besonders hart traf es Daten- und Informationsanbieter wie Thomson Reuters und Legalzoom.com. Aber auch Zahlungsdienstleister PayPal und das Online-Reisebüro Expedia Group mussten deutliche Kursverluste hinnehmen. Der Grund: Die rasante Entwicklung von KI-Tools schürt die Befürchtung, dass Unternehmen künftig ihre eigene maßgeschneiderte Software erstellen können – ohne auf spezialisierte Anbieter angewiesen zu sein.
"KI-Modelle und agentische Frameworks verbessern sich weiterhin in einem Tempo, das weitaus schneller ist, als wir erwartet hatten", erklären die Jefferies-Analysten Surinder Thind und Colton Feldmann. Dies werfe berechtigte Fragen über die Wettbewerbsvorteile von Software-Unternehmen auf. Die Analysten warnen: "Angesichts der wachsenden Unsicherheit wird immer unklarer, wann Investoren bereit sein werden, wieder einzusteigen."
Bewertungen unter massivem Druck
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In den vergangenen sechs Monaten sind die Bewertungskennzahlen im Software-Sektor weltweit um rund 30 Prozent gefallen. US-Software-Unternehmen traf es noch härter – hier schrumpften die Bewertungen um 35 Prozent. Strategen von BofA Securities beobachten, dass sich die Erzählung "Generative KI wird Software töten" zunehmend durchsetzt.
Jefferies geht davon aus, dass die Bewertungskennzahlen weiter nach unten korrigiert werden könnten. Die Unsicherheit über die tatsächlichen Auswirkungen der KI-Revolution macht es Investoren schwer, den richtigen Zeitpunkt für einen Wiedereinstieg zu finden.
Nicht alle Software-Unternehmen gleichermaßen bedroht
Trotz der düsteren Aussichten sehen Analysten auch Chancen. "Softwareunternehmen sind angesichts der KI-Risiken nicht gleich", betonen die BofA-Analysten um Frederic Boulan. Unternehmen mit tiefem Domänenwissen und starker Geschäftsintegration seien weniger anfällig.
Als positives Beispiel nennen sie das deutsche Software-Unternehmen SAP. Komplexe, geschäftskritische Plattformen wie SAP seien für neue Marktteilnehmer schwer zu replizieren, da sie generative KI unter Verwendung proprietärer Kundendaten einbetten könnten. BofA Securities sieht die aktuellen Bewertungsniveaus als attraktiv für Aktien mit starken Wettbewerbsvorteilen und potenziellem KI-Aufwärtspotenzial.
Für Anleger bedeutet dies: Eine differenzierte Betrachtung ist entscheidend. Während einige Segmente der Software-Branche tiefgreifend von KI betroffen sein werden, könnten etablierte Anbieter mit einzigartigen Wettbewerbsvorteilen gestärkt aus der Transformation hervorgehen.
