Trump will 5.000-Dollar-Schecks an alle US-Bürger zahlen
Umstrittener Plan der US-Regierung: 5.000 Dollar pro Erwachsenem – Finanzierung völlig unklar.

Die Trump-Administration sieht sich intensiver Kritik und internen Debatten ausgesetzt, während sie einen Vorschlag vorantreibt, jedem erwachsenen US-Bürger Schecks in Höhe von 5.000 Dollar auszustellen. Präsident Trump stellte den Plan zu Beginn dieser Woche vor – und machte ihn ausdrücklich davon abhängig, dass die Republikaner bei den anstehenden Zwischenwahlen ihre Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat behaupten.
Während der Vorschlag im politischen Diskurs an Fahrt gewinnt, liefern Regierungsvertreter unterschiedliche und mitunter widersprüchliche Erklärungen zur Finanzierung dieser geschätzt über eine Billion Dollar schweren Ausgabe. Die Uneinigkeit innerhalb der Administration wirft grundlegende Fragen zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Vorhabens auf.
Widersprüchliche Finanzierungsstrategien
Kevin Hassett, Direktor des National Economic Council im Weißen Haus, ist als einer der Hauptverteidiger der Initiative hervorgetreten. In einem Interview mit Bloomberg Television argumentierte Hassett, dass der in der US-Wirtschaft erzeugte Wohlstand eine Rückführung von Geldern an die amerikanischen Bürger rechtfertige. Um eine mögliche legislative Blockade zu umgehen, schlug Hassett vor, die Regierung könne den sogenannten „Congressional Reconciliation Process“ nutzen. Dieses Verfahren erlaubt es der Mehrheitspartei, fiskalische Gesetze ohne Unterstützung der Opposition zu verabschieden.
Die Darstellung der Administration bezüglich der Geldquelle bleibt jedoch inkonsistent. Handelsminister Howard Lutnick betonte in einem separaten Interview, dass die Zahlungen nicht aus Steuergeldern finanziert würden. Stattdessen verwies Lutnick auf alternative Einnahmequellen, darunter ein vorgeschlagenes „Trump Platinum Card“-Programm. Dieses Programm würde wohlhabenden ausländischen Staatsbürgern erlauben, für fünf Millionen Dollar ihre US-Visa um 270 Tage zu verlängern. Laut Lutnick könnte dieses Programm bei der aktuellen Warteliste von über 100.000 Antragstellern bis zu 500 Milliarden Dollar einbringen.
Lutnick hob zudem die Investition der Regierung in Intel-Aktien hervor. Die Regierung investierte 8,9 Milliarden Dollar aus CHIPS-Act-Mitteln und erwarb dafür rund 500 Millionen Aktien zu etwa 20 Dollar pro Stück. Die Aktie ist seitdem auf über 100 Dollar gestiegen. Lutnick bezeichnete dies als einen Gewinn von 50 Milliarden Dollar. Wirtschaftsanalysten weisen jedoch darauf hin, dass es sich um Buchgewinne handelt, da die Aktien nicht verkauft wurden und die Mittel derzeit nicht liquide sind.
Tarifeinnahmen und nationale Schulden
Andere Regierungsvertreter, darunter Vizepräsident JD Vance, haben vorgeschlagen, die Schecks durch Zolleinnahmen zu finanzieren. Kritiker, darunter die überparteiliche Tax Foundation, stellen fest, dass selbst ohne Berücksichtigung gerichtlich angeordneter Rückerstattungen früherer Zollerhebungen diese Einnahmen weit unter den benötigten über einer Billion Dollar für das Dividendenprogramm lägen.
Der Vorschlag kommt zu einem äußerst prekären Zeitpunkt für die US-Wirtschaft. Die Staatsverschuldung hat kürzlich die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten, und das jährliche Haushaltsdefizit nähert sich 1,8 Billionen Dollar – dem höchsten Stand seit März 2021. Ökonomen und Haushaltsexperten äußern erhebliche Bedenken, dass jede groß angelegte Konjunkturspritze, unabhängig von der angegebenen Finanzierungsquelle, den Inflationsdruck verstärken könnte.
Wirtschaftliche Bewertung und Energiepolitik
Lutnick, der einen optimistischen Ausblick auf die Wirtschaft vertritt, bewertete die Leistung der derzeitigen Regierung mit der Note „A-minus“. Er argumentierte, dass die wirtschaftliche Hauptstrategie der Administration aggressive Energiepolitik umfasse, mit dem konkreten Ziel, die Benzinpreise auf zwei Dollar pro Gallone zu senken. Lutnick schlug vor, dass die Regierung durch Druck auf Länder wie Venezuela und Iran, die globale Ölproduktion zu steigern, einen „generationellen Wandel“ bei den Energiekosten erreichen könne. Derzeit liegt der nationale Durchschnittspreis für Normalbenzin mit rund 4,29 Dollar pro Gallone deutlich höher, wobei die Preise in einigen Regionen wie Kalifornien bis zu zehn Dollar pro Gallone erreichen.
Politische und öffentliche Resonanz
Die öffentliche Meinung scheint im Widerspruch zur optimistischen Einschätzung der Administration zu stehen. Aktuelle Umfragen, darunter eine Erhebung der Associated Press, zeigen die Zustimmungsrate des Präsidenten in der Wirtschaftspolitik bei lediglich 32 Prozent. Eine NBC-News-Umfrage vom April ergab zudem, dass 52 Prozent der Amerikaner die Handhabung von Inflation und Lebenshaltungskosten durch die Administration stark ablehnen.
Auch im Kongress stößt der Vorschlag auf verhaltene Resonanz. Analysten bleiben skeptisch hinsichtlich der Umsetzbarkeit der 5.000-Dollar-Dividende und stellen fest, dass selbst innerhalb der Republikanischen Partei nur begrenzte öffentliche Unterstützung von führenden Abgeordneten zu verzeichnen ist. Die Abhängigkeit vom Reconciliation-Prozess deutet darauf hin, dass die Administration mit erheblichem Widerstand rechnet. Die Bedingung, dass der Plan an den Ausgang der Zwischenwahlen gekoppelt ist, unterstreicht den politischen Charakter des Vorschlags.
Während die Debatte weitergeht, bleibt die grundlegende wirtschaftliche Frage bestehen: ob die Regierung durch diese Mechanismen effektiv Vermögen umverteilen kann, ohne die Staatsverschuldung weiter zu erhöhen oder eine erneute Inflation auszulösen. Angesichts der zuletzt stärker als erwartet gestiegenen Kerninflation stehen die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Administration vor einem schwierigen Weg, während sie versuchen, ehrgeizige Konjunkturversprechen mit den Realitäten eines angespannten Bundeshaushalts in Einklang zu bringen.
