KI-Revolution erschüttert Datenanbieter: S&P Global und LSEG verlieren zweistellig
Anthropics neue KI-Tools lösen Kurseinbrüche bei führenden Finanzdienstleistern aus – Datenbusiness unter Druck

Die Einführung neuer KI-gestützter Rechts-Tools durch das Start-up Anthropic hat an der Wall Street eine Schockwelle ausgelöst. Aktien führender Datenanbieter wie S&P Global, MSCI, Intercontinental Exchange, London Stock Exchange Group und FactSet Research Systems brachen diese Woche massiv ein. Anleger befürchten, dass künstliche Intelligenz das lukrative Geschäft mit Finanz- und Rechtsdaten fundamental bedroht.
Die London Stock Exchange Group (LSEG) traf es besonders hart: Die Aktie stürzte am Dienstag um 13 Prozent ab und setzte ihre Talfahrt am Mittwoch fort. Das Unternehmen hatte jahrelang strategisch daran gearbeitet, sich vom traditionellen Börsengeschäft weg und hin zum Verkauf von Daten und Analysen zu entwickeln. Auch S&P Global und FactSet mussten zweistellige Verluste verkraften, während ICE und MSCI jeweils mehr als 5 Prozent einbüßten.
Der Auslöser war Anthropics Präsentation eines neuen juristischen Plug-ins für den Cowork Assistant, der auf dem KI-Modell Claude basiert. Obwohl die Tools primär für juristische Aufgaben konzipiert sind, sahen Investoren darin ein Warnsignal für die gesamte Branche der professionellen Informationsdienstleister. Die Technologie demonstriert, wie KI-Systeme komplexe Recherche- und Analyseaufgaben automatisieren können – genau jene Leistungen, für die Unternehmen bisher Premiumpreise zahlen.
Bedrohung für etablierte Geschäftsmodelle
Das Geschäftsmodell der betroffenen Unternehmen galt lange als bombensicher: Riesige Mengen an Finanzdaten sammeln, aufbereiten und zu hohen Preisen an Banken, Fondsgesellschaften und andere Marktteilnehmer verkaufen. Doch die rasante Entwicklung generativer KI stellt diese Logik fundamental in Frage. Wenn KI-Systeme Daten eigenständig beschaffen, analysieren und aufbereiten können, schrumpft der Mehrwert traditioneller Datenanbieter dramatisch.
Die Kurseinbrüche unterstreichen die wachsende Nervosität vor KI-getriebener Disruption im Finanzdienstleistungssektor. In den vergangenen Monaten hatte bereits die Komplexität eines neuen Claude-basierten Code-Schreibtools Softwareentwickler verunsichert und Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die gesamte Technologiebranche ausgelöst. Mit den juristischen Tools von Anthropic erreichen diese Befürchtungen nun auch Anwälte und Betreiber juristischer Forschungsdatenbanken wie Thomson Reuters.
Deutsche Anleger sollten aufmerksam bleiben
Für deutsche Investoren ist die Entwicklung von besonderer Bedeutung. Viele institutionelle Anleger und Vermögensverwalter sind auf die Dienste der betroffenen Unternehmen angewiesen. S&P Global ist beispielsweise für seine Kreditratings und Indexprodukte bekannt, MSCI für seine weltweiten Aktienindizes. Ein Margendruck bei diesen Anbietern könnte sich mittelfristig auf deren Bewertungen auswirken.
Die Branche steht vor der Herausforderung, ihre Geschäftsmodelle anzupassen und selbst KI-Technologien zu integrieren, bevor neue Wettbewerber ihre Position untergraben. Anleger sollten beobachten, wie die etablierten Datenanbieter auf die KI-Bedrohung reagieren und ob sie ihre Innovationskraft unter Beweis stellen können.
