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KI-Infrastruktur-Boom: Fondsmanager setzt auf Versorger und Pipelines

BNY-Mellon-Manager Brock Campbell sieht Telekommunikation und Daten als neue Grundbedürfnisse.

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KI-Infrastruktur-Boom: Fondsmanager setzt auf Versorger und Pipelines

Der Run auf KI-Infrastruktur ist nach Einschätzung eines erfahrenen Fondsmanager noch lange nicht vorbei – doch er setzt nicht auf Rechenzentren oder Chipkonzerne, sondern auf klassische Versorger und Energiepipelines. Brock Campbell, Manager des BNY Mellon Global Infrastructure Income ETF (BKGI), sieht in der digitalen Infrastruktur ein neues essenzielles Grundbedürfnis, das Anlegern stabile Erträge bescheren kann.

Mit einem Augenzwinkern bemerkt Campbell, seine Kinder würden „sowohl Strom als auch Wasser opfern, um Zugang zu Roblox zu haben." Dahinter steckt eine ernste Investmentthese: Telekommunikation und Daten sind für ihn zu lebensnotwendigen Gütern geworden. „Dies sind Dinge, die man nicht einfach abschaltet, wenn die Wirtschaft schwächelt, und das ist eine fantastische Gelegenheit, Ballast in ein Portfolio einzubringen", sagte Campbell kürzlich im Interview mit MarketWatch.

Während viele Anleger auf die großen Technologiekonzerne oder spezialisierte Chip-Hersteller setzen, wählt Campbell einen defensiveren Pfad. Er investiert gezielt in Unternehmen, die die physische Basis für die digitale Wirtschaft bereitstellen – Stromversorger, die Rechenzentren mit Energie beliefern, und Pipeline-Betreiber, die für die notwendige Infrastruktur sorgen.

Die Details

Der BNY Mellon Global Infrastructure Income ETF (BKGI) ist ein börsengehandelter Fonds, der auf globale Infrastrukturunternehmen ausgerichtet ist. Campbell, der den Fonds managt, setzt dabei auf eine Mischung aus Versorgern und Energieinfrastruktur. Sein Ansatz unterscheidet sich bewusst von vielen Konkurrenzprodukten, die verstärkt auf Rechenzentren und Telekommunikationstürme setzen.

Campbell argumentiert, dass die Nachfrage nach Daten und digitaler Konnektivität unabhängig von der Konjunktur bestehe. Selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten würden Verbraucher und Unternehmen nicht auf Internetzugang oder Cloud-Dienste verzichten. Diese strukturelle Nachfrage mache die zugrunde liegende Infrastruktur zu einer verlässlichen Einnahmequelle.

Der Fondsmanager sieht dabei Parallelen zu traditionellen Versorgern: So wie Haushalte Strom- und Wasserrechnungen priorisierten, würden sie auch für Datenverbindungen und digitale Dienste zahlen – notfalls zulasten anderer Ausgaben.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 11.08.2026 berichtete aktien.news, dass der Lazard-Fondsmanager Bertrand Cliquet konsequent auf klassische Infrastrukturanlagen wie Straßen, Brücken und Mobilfunktürme setzt und den KI-Hype bewusst ausblendet. Sein Lazard Global Listed Infrastructure Portfolio (GLIFX) verwaltet ein Vermögen von 12,3 Milliarden US-Dollar.

Am 17.07.2026 zeigte ein Bericht über den Wellington-Infrastrukturfonds, dass die Anlageklasse im Wandel ist. Gestiegene Zinsen und die Rechenzentrum-Welle haben das Segment verändert. Tom Levering, Fondsmanager bei Wellington, verfolgt mit dem Wellington Enduring Infrastructure Assets Fund einen bewusst traditionellen Ansatz.

Am 07.06.2026 berichtete aktien.news über sechs KI-Infrastruktur-Aktien für die nächsten fünf Jahre. Laut McKinsey & Company gaben Unternehmen weltweit im vergangenen Jahr fast eine Billion US-Dollar für Rechenzentren aus – bis 2030 soll dieser Wert auf vier Billionen US-Dollar steigen.

Am 20.07.2026 zeigten Daten des Analysehauses Vanda Research, dass Privatanleger die Magnificent Seven meiden und stattdessen auf KI-Infrastruktur setzen. Exemplarisch dafür steht der 50-jährige Software-Direktor Alex Cardona, der in Equinix und Marvell Technology investiert hat.

Was das für Anleger bedeutet

Campbells Ansatz bietet deutschen Privatanlegern eine Alternative zum reinen KI-Hype. Statt auf volatile Technologieaktien zu setzen, können sie über Infrastruktur-ETFs wie den BNY Mellon Global Infrastructure Income ETF an der digitalen Transformation teilhaben – mit einem defensiveren Risikoprofil.

Die These des Fondsmanagers ist klar: Die Nachfrage nach digitaler Infrastruktur ist strukturell und konjunkturunabhängig. Das macht Investments in Versorger und Pipelines zu einer potenziell stabilen Ertragsquelle, ähnlich wie klassische Infrastrukturanlagen. Allerdings sollten Anleger beachten, dass auch diese Unternehmen regulatorischen Risiken und Zinsänderungen ausgesetzt sind.

Der Trend zu KI-Infrastruktur ist nach Einschätzung mehrerer Fondsmanager kein kurzfristiger Hype, sondern ein langfristiger Megatrend. Die massiven Investitionen der Hyperscaler in Rechenzentren und die steigende Nachfrage nach Rechenleistung dürften die Branche noch Jahre prägen.

Ausblick

Campbell selbst gibt keine konkreten Kursziele oder Prognosen ab. Sein Fokus liegt auf der langfristigen Ertragskraft der Infrastrukturunternehmen im Portfolio. Der BNY Mellon Global Infrastructure Income ETF positioniert sich damit als defensives Vehikel für Anleger, die vom KI-Boom profitieren wollen, ohne die Volatilität reiner Technologieaktien in Kauf nehmen zu müssen.

Die Entwicklung der Zinsen und der Regulierung wird maßgeblich beeinflussen, wie sich die Infrastrukturwerte entwickeln. Sollten die Zinsen weiter fallen, könnten die dividendenstarken Versorger und Pipeline-Betreiber zusätzlich profitieren.

Kurz erklärt

  • Infrastruktur-ETF: Ein börsengehandelter Fonds, der in Unternehmen investiert, die grundlegende Einrichtungen wie Stromnetze, Pipelines oder Telekommunikationsnetze betreiben.
  • Hyperscaler: Große Cloud- und Technologiekonzerne wie Amazon, <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft oder Google, die massiv in Rechenzentren und Netzwerkinfrastruktur investieren.
  • Rechenzentrum: Eine spezialisierte Einrichtung, in der Server und Computersysteme für die Verarbeitung und Speicherung großer Datenmengen betrieben werden.
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