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KI-Börsengänge: Droht eine vorzeitige Verkaufswelle bei schwachen Aktien?

KI-Börsengänge von OpenAI und Anthropic könnten Verkaufswelle bei schwachen Blue Chips auslösen

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KI-Börsengänge: Droht eine vorzeitige Verkaufswelle bei schwachen Aktien?

Die Aussicht auf die mit Spannung erwarteten Börsengänge der KI-Pioniere OpenAI und Anthropic könnte laut einer Analyse von Evercore ISI zu einer vorzeitigen Verkaufswelle bei unterdurchschnittlich performenden Blue-Chip-Aktien führen. Da institutionelle Anleger ihre Portfolios für diese potenziellen Mega-IPOs positionieren wollen, suchen sie nach Liquidität, ohne dabei den Hebel zu erhöhen.

Die Strategen von Evercore ISI unter der Leitung von Julian Emanuel gehen davon aus, dass Fondsmanager den üblichen Prozess des „Tax-Loss Harvesting“, der normalerweise im Oktober stattfindet, auf die Zeit nach dem Labor Day vorziehen könnten. Ziel ist es, Kapital durch den Verkauf von schwächelnden Titeln freizusetzen.

Gefährdete Blue-Chip-Aktien im Fokus

Um die am stärksten gefährdeten Unternehmen zu identifizieren, filterte Evercore den Russell 3000 nach Werten mit einer Marktkapitalisierung von über 5 Milliarden US-Dollar, die seit Jahresbeginn mehr als 10 Prozent verloren haben, nahe ihrem Jahrestief notieren und negative Gewinnrevisionen für die nächsten drei Monate aufweisen. Zu den betroffenen Unternehmen zählen unter anderem Tesla, IBM, American Express, McDonald's, Lowe's, Lululemon, DraftKings und Trade Desk.

Die geschätzten Bewertungen der anstehenden KI-Börsengänge sind gewaltig: Anthropic wird mit rund 100 Milliarden US-Dollar bewertet, OpenAI mit etwa 60 Milliarden US-Dollar. Für institutionelle Anleger bedeutet dies, dass sie erhebliche Liquidität bereitstellen müssen, um sich an diesen Mega-IPOs beteiligen zu können.

Historische Parallelen zur Dotcom-Ära

Die aktuelle Marktdynamik erinnert Experten an den historischen Börsengang von SpaceX am 12. Juni, der 75 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar einbrachte. Während einige Marktteilnehmer diesen Deal als potenziellen Höhepunkt des Zyklus betrachteten – vergleichbar mit der Fusion von AOL und Time Warner im Jahr 2000 –, widerspricht Evercore ISI dieser Einschätzung.

Die Analysten ziehen stattdessen Parallelen zum Netscape-Börsengang von 1995 und sehen darin den Auftakt eines langfristigen Produktivitätszyklus durch transformative Technologien. Netscape läutete damals den Aufstieg des Internets ein – ein Megatrend, der die Wirtschaft über Jahre prägte.

Keine Anzeichen für ein Ende des Bullenmarktes

Evercore ISI betont, dass trotz der Divergenz zwischen dem Nasdaq 100 und den Rekordhochs von S&P 500 und Dow Jones im August keine Anzeichen für ein Ende des Bullenmarktes vorliegen. Klassische Warnsignale wie ein aggressiver Zinsanhebungszyklus der Federal Reserve, Renditen 10-jähriger Staatsanleihen über 5 Prozent, eine drohende Rezession oder eine irrationale „FOMO“-Euphorie bei Privatanlegern fehlen derzeit.

Zudem bleiben die Gewinnüberraschungsraten im S&P 500 mit rund 23 Prozent robust. Die Experten von Evercore sind daher optimistisch: Sie erwarten ein Jahr mit „mehr KI, mehr Volatilität, mehr Erträgen und mehr Aufwärtspotenzial“ und halten es für durchaus möglich, dass die Rekordmarken von SpaceX bis Jahresende bereits wieder übertroffen werden.

Für deutsche Anleger ist diese Entwicklung besonders relevant, da die großen US-Technologiewerte auch in hiesigen Depots stark gewichtet sind. Sollte es tatsächlich zu einer vorzeitigen Verkaufswelle bei schwächelnden Blue Chips kommen, könnten auch europäische Indizes indirekt betroffen sein. Die KI-Branche bleibt damit der dominierende Treiber an den globalen Kapitalmärkten – mit weitreichenden Folgen für die Portfoliostruktur institutioneller und privater Anleger gleichermaßen.

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