Starbucks-Aktionäre fordern Trennung von Chairman und CEO
SOC Investment Group will getrennte Rollen für Brian Niccol – Kritik an Governance und Arbeitsbeziehungen.

Die SOC Investment Group hat einen Aktionärsantrag bei Starbucks (Nasdaq: SBUX) eingereicht, der eine Trennung der Positionen des Vorstandsvorsitzenden und des Chief Executive Officers (CEO) fordert. Derzeit werden beide Ämter von Brian Niccol ausgeübt. Die Investorengruppe begründet ihren Vorstoß mit einem „deutlichen Rückschritt bei der Unternehmensführung und den Arbeitsbeziehungen“.
„Die Governance-Praktiken und die Reaktionsfähigkeit gegenüber Aktionären haben sich seit der Zusammenlegung der CEO- und Board-Vorsitzenden-Rollen bei Einstellung von Brian Niccol verschlechtert“, erklärte Emma Bayes, stellvertretende Direktorin der SOC Investment Group. Sie betonte: „Die Trennung der Rollen des Board-Vorsitzenden und des CEOs wäre eine Win-Win-Situation, die sowohl die Rechenschaftspflicht als auch die Aufsicht durch den Verwaltungsrat verbessern würde.“
Kontroll- und Ausgleichsfunktionen im Fokus
In dem Antrag argumentieren die Investoren, dass ein unabhängiger Vorsitzender entscheidende Kontroll- und Ausgleichsfunktionen biete. Eine solche Struktur würde es ermöglichen, sich stärker auf die Interessen der Aktionäre zu konzentrieren. Die Antragsteller sind zudem der Ansicht, dass diese Änderung Starbucks in Einklang mit der Mehrheit der großen US-Unternehmen bringen würde. Sie verweisen auf Daten, wonach 60 Prozent der Vorstände im S&P 500 über getrennte Vorsitzende und Chief Executives verfügen.
Die Einreichung hebt zudem die Auflösung des Ausschusses für Umwelt-, Partner- und Gemeinschaftsauswirkungen hervor. Dieser ständige Ausschuss war unter dem früheren unabhängigen Vorsitzenden eingerichtet worden, um die Verantwortung für Verpflichtungen in den Bereichen Umwelt, Mitarbeiter („Partner“) und Gemeinschaft sicherzustellen. Weniger als zwei Jahre später wurde er unter Niccol aufgelöst.
Unterstützung von institutioneller Seite
Matthew Illian, Direktor für verantwortungsbewusstes Investieren bei United Church Funds, äußerte sich unterstützend zu dem Antrag. Er sagte, die Trennung der Rollen allein löse nicht alle Bedenken der Gruppe, sei jedoch „ein sinnvoller Schutzmechanismus“. Illian fügte hinzu: „Die Person, die den Verwaltungsrat leitet, sollte nicht zugleich die Exekutive sein, deren Aufsicht dem Verwaltungsrat obliegt.“
Die Investoren verwiesen zudem auf konkrete Konflikte in der jüngeren Vergangenheit. Dazu zählen der Zusammenbruch der Tarifverhandlungen, der Barista-Streik im November 2025 sowie die Anschuldigung der Gewerkschaft vom April 2026, das Unternehmen habe in schlechtem Glauben verhandelt. Diese Vorfälle untermauern aus Sicht der Antragsteller die Notwendigkeit einer stärkeren unabhängigen Aufsicht.
Der Aktionärsantrag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Starbucks unter Niccol einen umfassenden Transformationsprozess durchläuft. Die Frage der Corporate Governance gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung für institutionelle Anleger, die auf langfristige Wertschöpfung und Risikominimierung achten.
