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Addinol-Chef warnt: AfD-Regierung wäre Katastrophe für Wirtschaft

Georg Wildegger, Chef des Schmierstoff-Herstellers Addinol, bezieht erstmals öffentlich politisch Stellung – und warnt vor den Folgen einer AfD-Regierung.

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Addinol-Chef warnt: AfD-Regierung wäre Katastrophe für Wirtschaft

Der Chef des einzigen Weltmarktführers aus Sachsen-Anhalt hat ein klares politisches Statement abgegeben. Georg Wildegger, geschäftsführender Gesellschafter des Schmierstoff-Herstellers Addinol, warnte in einer Rede vor der Landtagswahl am 6. September eindringlich vor einer Regierungsbeteiligung der AfD. Gegenüber der WirtschaftsWoche erklärte der Unternehmer, der sich sonst mit politischen Äußerungen zurückhält, seine Beweggründe.

„Ich habe mich gegenüber unserer Belegschaft politisch klar positioniert“, sagte Wildegger. Bei der Feier zum 90-jährigen Firmenjubiläum in Leuna habe er seine Mitarbeiter gebeten, „eine Partei der demokratischen Mitte zu wählen“. Der Unternehmer sprach von einem „Kipppunkt“: „Wenn die AfD an die Macht kommt, wäre das eine Katastrophe für Sachsen-Anhalt.“

Sorge um Fachkräfte und internationale Abschlüsse

Besonders besorgt zeigt sich Wildegger mit Blick auf die wirtschaftlichen Folgen. Das Wahlprogramm der AfD bezeichnete er als „Gift für unsere Wirtschaft“. Konkret nannte er die Forderung, die Bologna-Reform rückgängig zu machen und Bachelor- und Master-Abschlüsse abzuschaffen. „Das wäre aus meiner Sicht der komplette Wahnsinn“, so Wildegger. Sachsen-Anhalt sei auf internationale Studierende angewiesen, um das größte Demografieproblem Deutschlands zu bewältigen. „Wenn wir nicht zum Altersheim der Republik werden wollen, brauchen wir junge Menschen.“

Auch bei der Gewinnung von Fachkräften sieht der Addinol-Chef Risiken. Er habe erst kürzlich eine junge Ingenieurin aus Nordrhein-Westfalen eingestellt. „Würde so jemand noch zu uns kommen, wenn hier die AfD regiert? Ich bezweifle es.“

Belegschaft reagiert mit großem Beifall

Die Reaktionen auf seine Rede seien überwältigend gewesen, berichtete Wildegger. Fünf oder sechs Mitarbeiter seien direkt nach der Ansprache auf ihn zugekommen und hätten ihm für die klare Positionierung gedankt. „Einer sagte mir, er habe Gänsehaut bekommen – nicht nur wegen meiner Rede, sondern auch beim Gedanken daran, was nach der Wahl passieren könnte.“

Exportgeschäft und internationale Wahrnehmung

Addinol ist in rund 120 Ländern aktiv. Zwar glaubt Wildegger nicht an direkte negative Folgen für das Exportgeschäft im Falle einer AfD-Regierung, doch berichtete er von besorgten Nachfragen aus dem Ausland. Nach der letzten Bundestagswahl hätten zwei größere Kunden aus der EU und außerhalb angerufen und gefragt, ob man sich Gedanken um die Lieferfähigkeit machen müsse. „Unser Exporterfolg basiert auch auf Weltoffenheit, auf Respekt vor anderen Kulturen und Religionen.“

Frust über Bürokratie – aber keine Nähe zur AfD

Wildegger zeigte Verständnis für den Frust vieler Mittelständler über die Bürokratie in Deutschland. „All diese Auflagen und Dokumentationspflichten, die kein Mensch mehr versteht“, kritisierte er. Als Beispiel nannte er die Chemikalien-Verbotsverordnung, die absurd hohe Schulungsaufwände verursache. „Alles wird dadurch teurer, nichts wird besser.“

Trotz dieser Kritik warnte der Unternehmer davor, die Schuld allein bei der Politik zu suchen. „Die Hauptverantwortung tragen die Unternehmen selbst“, so Wildegger. Viele Manager seien gesellschaftlichen Trends hinterhergelaufen und hätten die Wertschöpfung vernachlässigt. Er verwies auf die Automobilindustrie: „Wie überheblich haben da viele Manager lange über chinesische Autos gesprochen? Jetzt müssen wir mit den Konsequenzen leben.“

Keine Rückkehr zu russischem Gas

Anders als AfD und BSW spricht sich Wildegger gegen eine Wiederaufnahme russischer Gasimporte aus. „Wir dürfen uns nie mehr von Russland abhängig machen“, betonte er. Zwar habe Addinol ab 1996 Geschäfte mit Russland gemacht und 2002 eine Tochtergesellschaft gegründet. Das Ende 2022 eingefrorene Engagement habe deutliche Absatzrückgänge gebracht. Doch die jüngsten Ereignisse hätten ihn in seiner Haltung bestärkt: „Vor kurzem wurde unser Lager in Kiew von russischen Raketen zerstört. 450.000 Euro Schaden – wobei die wirtschaftlichen Schäden nichts im Vergleich zum Leid der Menschen sind.“

Vom DDR-Betrieb zum Weltmarktführer

Addinol versorgte zu DDR-Zeiten die gesamte Industrie und Automobilwirtschaft mit Schmierstoffen. Nach der Wende gelang eine bemerkenswerte Transformation: Obwohl der Bedarf an Schmierstoffen in Deutschland seit den 1990er Jahren um zwei Drittel gesunken ist, hat sich der Umsatz seit dem Umzug nach Leuna im Jahr 2000 versiebenfacht. Grund dafür sind gezielte Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie die Spezialisierung auf Hightech-Produkte.

Wildegger hofft, dass eine demokratische Landesregierung gemeinsam mit dem Bund Rahmenbedingungen schafft, damit künftig mehr Hidden Champions aus Sachsen-Anhalt kommen. „Das zeigt, wie man als ostdeutscher Industriebetrieb eine hohe Wertschöpfung und dadurch nachhaltige Arbeitsplätze schaffen kann.“

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