Goldman Sachs stuft Schindler auf „Sell“ herab – Kursziel gesenkt
Goldman Sachs senkt Rating und Kursziel für Schindler – Aktie gibt nach.

Goldman Sachs hat die Aktien des Schweizer Aufzug- und Rolltreppenherstellers Schindler Holding von „Neutral“ auf „Sell“ herabgestuft und das 12-Monats-Kursziel deutlich von 286 auf 233 Schweizer Franken gesenkt. Ausgehend vom Schlusskurs des 4. Septembers bei 260,60 CHF ergibt sich daraus ein Abwärtspotenzial von rund 10,6 Prozent. Die Aktie gab infolge der Nachricht im Handelsverlauf um fast zwei Prozent nach und näherte sich damit ihrem 52-Wochen-Tief von 238 CHF.
Die pessimistischere Einschätzung der US-Investmentbank stützt sich auf drei Kernfaktoren. Erstens sieht sich Schindler mit einem schwächeren Wachstums- und Ertragsprofil im Vergleich zum restlichen Sektor konfrontiert. Dies sei auf die verzögerten Zinssenkungserwartungen in den Industrieländern sowie die seit zwei Jahren anhaltende Schwäche bei den Baubeginnen in China zurückzuführen.
Zweitens verliert Schindler laut den Analysten im Branchenvergleich an Boden. Wettbewerber gewinnen Marktanteile, während bei Schindler die Preisgestaltung gedämpft bleibt und die Rohstoffkosten zunehmend belasten. Infolgedessen weist das Unternehmen eine der niedrigsten Wachstumsraten beim Gewinn pro Aktie (EPS) im Sektor auf.
Düstere Prognosen und operative Belastungen
Drittens bewertet Goldman Sachs die aktuelle Bewertung kritisch. Während das Unternehmen auf Basis von EV/investiertem Kapital zu ROIC/WACC im Branchenvergleich nicht überteuert erscheint, liegt es bei Kennzahlen wie EV/Umsatz zu Marge sowie dem Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis (PEG) über dem Sektordurchschnitt. Die Bank senkte ihre Umsatzprognosen für 2026 um zwei Prozent und für 2027 um ein Prozent, was zu einer Reduzierung der bereinigten EBIT-Schätzungen um drei bzw. fünf Prozent führte.
Zusätzlich zum operativen Druck belastet die strategische Unsicherheit die Anlegerstimmung. Die Verschiebung des ursprünglich für den 3. Juni geplanten „Capital Markets Day“ auf den 19. November hat laut Marktbeobachtern für mangelnde strategische Klarheit gesorgt. Zudem verschärft sich der Wettbewerbsdruck durch die angekündigte Fusion der Konkurrenten KONE und TK Elevator. Berichten zufolge prüft Schindler bereits rechtliche Schritte gegen diesen Zusammenschluss, was die angespannte Lage im Marktumfeld unterstreicht.
Enttäuschte Hoffnungen auf China und Kapitalrückführungen
Goldman Sachs betonte, dass die Erwartungen an eine Stabilisierung des chinesischen Marktes sowie Hoffnungen auf zusätzliche Kapitalrückführungen an die Aktionäre – die im April noch zu einer Hochstufung geführt hatten – sich bisher nicht erfüllt haben. Die Aktie hat seit Jahresbeginn bereits 14 Prozent an Wert verloren.
Dennoch verwies die Bank auf potenzielle Aufwärtsrisiken, darunter eine unerwartet starke Nachfrage, eine höhere Preissetzungsmacht oder beschleunigte Kosteneinsparungen durch interne Programme. Goldman Sachs wies zudem darauf hin, dass die Bank in den vergangenen zwölf Monaten Investmentbanking-Beziehungen zu Schindler unterhielt und auch in den kommenden drei Monaten Vergütungen für entsprechende Dienstleistungen anstrebt.
Für Anleger bleibt die Lage angespannt: Die Kombination aus schwacher Baukonjunktur in China, verzögerten Zinssenkungen in den Industrieländern und wachsendem Wettbewerbsdruck durch die Fusion der Konkurrenten KONE und TK Elevator belastet die Aussichten des Traditionsunternehmens. Der verschobene Capital Markets Day im November könnte nun für die dringend benötigte strategische Klarheit sorgen – oder weitere Enttäuschungen bringen.
