Kanadas Wirtschaft schrumpft im Schlussquartal 2024 überraschend stark
Lagerabbau und schwacher Wohnungsbau belasten Kanadas BIP – Jahreswachstum landet bei mageren 1,7 Prozent.

Kanadas Wirtschaft hat im vierten Quartal 2024 einen deutlichen Rückschlag erlitten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte laut Statistics Canada auf annualisierter Basis um 0,6 Prozent – und verfehlte damit die Erwartungen der Analysten, die lediglich eine Stagnation prognostiziert hatten. Im Vorquartal hatte die kanadische Wirtschaft noch ein revidiertes Wachstum von 2,4 Prozent verzeichnet.
Hauptursache für den Rückgang war ein massiver Abbau der Unternehmensbestände. Die Firmen reduzierten ihre Lagerbestände mit einer annualisierten Rate von 23,46 Milliarden Kanadischen Dollar, anstatt neue Waren zu produzieren. Dieser Effekt erinnert stark an das vierte Quartal 2023, als Unternehmen ebenfalls Lager abbauten – damals in Erwartung drohender US-Zölle.
Für das Gesamtjahr 2024 ergibt sich damit ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent. Das ist das langsamste jährliche Wachstum seit dem pandemiebedingten Einbruch im Jahr 2020, wie Statistics Canada betonte.
Stützende Faktoren reichten nicht aus
Einige Bereiche der kanadischen Wirtschaft entwickelten sich durchaus positiv. Die Exporte legten im vierten Quartal um 1,5 Prozent zu – getrieben vor allem durch höhere Ausfuhren von Rohgold. Die Haushaltsausgaben stiegen um 0,4 Prozent, nachdem sie im dritten Quartal noch leicht gesunken waren. Auch die Gesamtinvestitionen wuchsen um 0,8 Prozent, gestützt durch erhöhte Staatsausgaben für Waffensysteme.
Diese positiven Impulse reichten jedoch nicht aus, um den Lagerabbau zu kompensieren. Zusätzlich belasteten rückläufige Investitionen im Wohnungsbau das BIP: Die Wohnbauinvestitionen fielen im Quartal um annualisierte 4,4 Prozent.
Bank of Canada trifft mit Prognose ins Schwarze
Die Bank of Canada hatte für das Gesamtjahr ein Wachstum von rund 1,7 Prozent vorhergesagt und für das vierte Quartal eine Stagnation erwartet. Damit lag die Zentralbank mit ihrer Jahresprognose exakt richtig, unterschätzte jedoch das Ausmaß des Quartalsrückgangs leicht.
Statistics Canada revidierte zudem frühere Quartalsdaten: Das dritte Quartal wurde von 2,6 auf 2,4 Prozent nach unten korrigiert, während das zweite Quartal von minus 1,8 auf minus 0,9 Prozent nach oben angepasst wurde.
Im Monatsvergleich wuchs das BIP im Dezember um 0,2 Prozent. Für Januar 2025 deutet eine erste Schätzung auf eine Stagnation hin – Statistics Canada wies jedoch darauf hin, dass diese Zahl noch revidiert werden könnte. Angesichts der anhaltenden Unsicherheiten durch US-Handelspolitik und schwacher Binnennachfrage bleibt die Konjunkturlage in Kanada angespannt.
