ANZEIGE

Kakaopreis unter 4.000 Dollar: Schokolade wird deutlich günstiger

Rohstoffmärkte drehen: Erstmals seit Monaten senken deutsche Einzelhändler die Schokoladenpreise merklich.

2 Min
Kakaopreis unter 4.000 Dollar: Schokolade wird deutlich günstiger

Für Schokoladenliebhaber gibt es endlich eine Verschnaufpause: Die Preise für Süßwaren gehen spürbar zurück. Große deutsche Lebensmittelketten haben die Verkaufspreise ihrer Eigenmarken reduziert. Eine Tafel Vollmilchschokolade kostet nun 89 Cent, Nussschokolade 1,29 Euro – jeweils 10 Cent weniger als zuvor.

Verantwortlich für diese Entwicklung ist der dramatische Preisverfall bei Rohkakao an den internationalen Rohstoffbörsen. Der Kakaopreis ist unter die Marke von 4.000 Dollar je Tonne gefallen – der niedrigste Stand seit November 2023. Zum Vergleich: 2024 hatte die Tonne zeitweise über 10.000 Dollar gekostet. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus über 30 Prozent, im Jahresvergleich sogar mehr als 60 Prozent.

Angebotsschock aus Westafrika

Die Hauptursache liegt in deutlich besseren Ernten der wichtigsten Anbauländer. Elfenbeinküste und Ghana, die zusammen etwa zwei Drittel der weltweiten Kakaoproduktion stellen, melden überdurchschnittliche Erträge. "Die Exportmengen sind höher und die Einkaufspreise entsprechend gesunken", erklärt Finn Ole Semrau vom Kiel Institut für Weltwirtschaft. Zusätzlich erhöhen Produzenten wie Ecuador ihre Marktanteile.

Doch nicht nur das Angebot steigt – gleichzeitig bricht die Nachfrage ein. Der weltgrößte Schokoladen- und Kakaoverarbeiter Barry Callebaut verzeichnete im Quartal bis Ende November einen Volumensrückgang von 22 Prozent in der Kakaosparte. "Während sich die Ernteaussichten verbessern, schwächelt die Nachfrage", bestätigt Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest.

Konsumenten kaufen weniger Schokolade

Auch deutsche Verbraucher greifen seltener zu Schokolade. Laut Marktforschungsunternehmen NIQ sank die Zahl verkaufter Packungen 2025 um knapp sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die monatelang hohen Preise haben offenbar zu dauerhaften Verhaltensänderungen geführt.

Der Rohstoffbroker StoneX prognostiziert für das laufende Erntejahr 2025/26 einen globalen Überschuss von 287.000 Tonnen Kakao. Für 2026/27 werden weitere 267.000 Tonnen erwartet. Das Verhältnis von Lagerbeständen zur Verarbeitung soll bis Ende 2026/27 auf fast 40 Prozent steigen – historischer Durchschnitt. "Die Zeiten der akuten Angebotsknappheit wären damit vorbei", so Commerzbank-Rohstoffexperte Carsten Fritsch.

Preise bleiben trotz Rückgang hoch

Trotz der jüngsten Preissenkungen bleibt Schokolade deutlich teurer als vor wenigen Jahren. Das Statistische Bundesamt beziffert den Preisanstieg seit 2020 auf 69 Prozent bei Tafeln und fast 72 Prozent bei Riegeln. Die aktuellen Reduktionen sind daher erst ein kleiner Schritt zurück zur Normalität. Weitere Preissenkungen dürften folgen, wenn die Überschüsse am Kakaomarkt weiter zunehmen und die Lagerbestände sich normalisieren.

KakaopreisSchokoladeRohstoffeLebensmittelpreiseBarry Callebaut

Meistgelesene News

  1. Frankfurter Erbpacht-Schock: 1.900 Prozent mehr für Hausbesitzer
  2. BlackRock-Strategin warnt: Fed-Zinsentscheidung ist nicht die entscheidende Frage
  3. Warsteiner verliert Motel One und Sauerland-Stern als Kunden
  4. Warsteiner Brauerei kämpft mit Krise und Absatzproblemen
  5. Fed-Zinsentscheidung: Märkte zwischen Inflationsdruck und Stabilisierung

Disclaimer