K-förmige Wirtschaft: Neue Daten belegen wachsende Ungleichheit in den USA
Neue Forschungsergebnisse von TransUnion und der New Yorker Fed zeigen: Die wirtschaftliche Spaltung zwischen Arm und Reich vertieft sich weiter.

Die sogenannte K-förmige Wirtschaft in den USA ist laut neuen Forschungsergebnissen „lebendiger denn je". Während Haushalte mit hohem Einkommen finanziell immer besser dastehen, geraten einkommensschwache Verbraucher zunehmend unter Druck. Zwei aktuelle Berichte – einer der Wirtschaftsauskunftei TransUnion und einer der Federal Reserve Bank of New York – liefern alarmierende Belege für diese wachsende Spaltung.
Das Konzept der K-förmigen Wirtschaft entstand in der Nachfolge der Covid-Pandemie. Es beschreibt, wie sich die wirtschaftlichen Erfahrungen der Bevölkerung in zwei entgegengesetzte Richtungen entwickeln: Der obere Ast des „K" symbolisiert jene, denen es immer besser geht, während der untere Ast jene repräsentiert, die weiter zurückfallen. Michele Raneri, Vizepräsidentin und Leiterin der US-Forschung und -Beratung bei TransUnion, bringt es auf den Punkt: Die K-förmige Wirtschaft sei „lebendiger denn je".
Kreditscores driften auseinander
Laut TransUnion verteilen sich immer mehr Kreditnehmer auf die Extreme des Bonitätsspektrums. Einerseits wächst die Gruppe der sogenannten „Superprime"-Kreditnehmer mit einem Kredit-Score von 780 oder höher. Andererseits nimmt auch der Anteil der „Subprime"-Kreditnehmer mit einem Score unter 600 zu. Diese Entwicklung schafft eine zunehmend zweigeteilte Konsumwirtschaft, in der die Mitte schrumpft.
Am unteren Ende des K haben einkommensschwache Haushalte „mehr zu kämpfen als früher", so Raneri. Diese Verbraucher tragen höhere Schuldenlasten mit steigenden Schulden-Einkommens-Verhältnissen – ein Warnsignal für potenzielle finanzielle Belastungen. Wer Schwierigkeiten hat, über die Runden zu kommen, greift häufig auf Kreditkarten zurück, um finanzielle Lücken zu schließen. Der durchschnittliche Kreditkartensaldo pro Verbraucher liegt inzwischen bei 6.519 US-Dollar – ein Anstieg von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Konsum hängt zunehmend an Spitzenverdienern
Ein neuer Blogbeitrag der Federal Reserve Bank of New York, der am Freitag veröffentlicht wurde, unterstreicht die Abhängigkeit der Gesamtwirtschaft von einer kleinen Gruppe: Derzeit werden die Konsumausgaben hauptsächlich von Haushalten mit einem Jahreseinkommen von mehr als 125.000 US-Dollar getragen. Diese Spitzenverdiener geben zudem einen unverhältnismäßig großen Teil ihres Budgets für Luxusgüter, gehobene Gastronomie und Unterhaltung aus – Bereiche, die für einkommensschwache Haushalte kaum erschwinglich sind.
Die Forscher der New Yorker Fed identifizierten das Jahr 2023 als Wendepunkt, „kurz nachdem viele der Subventionen aus der Pandemie-Ära für Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen ausgelaufen waren". Seitdem sind einkommensschwache Haushalte am stärksten von der anhaltenden Inflation betroffen, während das Vermögen bei denjenigen an der Spitze am schnellsten gewachsen ist.
Wirtschaftliche Fragilität als politisches Risiko
Obwohl die Konsumausgaben und Kreditkartensalden insgesamt relativ stabil bleiben, warnen die Forscher der New Yorker Fed vor den strukturellen Risiken dieser Entwicklung. Die „Abhängigkeit von einem einzelnen Segment der Wirtschaft" habe „wichtige Auswirkungen auf das Ausgabenwachstum und dessen Fragilität sowie auf die wirtschaftliche Anfälligkeit und die Politik", schreiben sie.
Für deutsche Beobachter ist diese Entwicklung in den USA auch deshalb relevant, weil die amerikanische Konsumnachfrage ein wichtiger Treiber der Weltwirtschaft ist. Eine zunehmende Konzentration des Konsums auf eine kleine, wohlhabende Schicht macht die gesamte Wirtschaft anfälliger für Schocks – etwa einen Rückgang der Vermögenspreise oder einen Einbruch an den Aktienmärkten, der vor allem Wohlhabende trifft. Die strukturelle Spaltung, die TransUnion und die New Yorker Fed beschreiben, ist damit nicht nur ein soziales, sondern auch ein gesamtwirtschaftliches Problem.
