Kentucky Derby: Warum Prognoseplattformen keine Pferdewetten anbieten
Kalshi und Polymarket bieten trotz breitem Angebot keine Ereigniskontrakte zum größten US-Pferderennen an – die Gründe sind rechtlicher Natur.

Das Kentucky Derby, das größte Pferderennen der USA, findet am Samstag in Louisville statt. Wer jedoch hofft, bei modernen Prognoseplattformen wie Kalshi oder Polymarket eine Wette auf das Rennen zu platzieren, wird vergeblich suchen. Auf keiner der großen Plattformen dieser Art sind Ereigniskontrakte zum Pferderennsport verfügbar.
Das ist bemerkenswert, denn diese Plattformen bieten Kontrakte zu nahezu allem an – von Sportergebnissen über geopolitische Ereignisse bis hin zu Momenten in Reality-TV-Shows. Beim Pferderennsport ziehen sie jedoch eine klare Grenze. Der Grund dafür liegt nicht allein im Willen der Plattformen, sondern in einem komplexen rechtlichen Geflecht.
Rennstrecken haben das letzte Wort
Bill Carstanjen, CEO von Churchill Downs – dem Eigentümer des Kentucky Derby und der gleichnamigen Rennbahn – erklärte gegenüber CNBC, es sei unwahrscheinlich, dass der Pferderennsport jemals auf Prognosemärkten auftauchen werde. Der Grund: Die Rennstreckenbetreiber wünschten dies schlicht nicht.
Der rechtliche Rahmen gibt ihnen diese Macht. Gemäß dem Interstate Horseracing Act von 1978 ist für das Anbieten von Pferdewetten die ausdrückliche Genehmigung der gastgebenden Rennstrecke, der Interessenvertretung der Pferdesportler sowie der staatlichen Rennkommission des Austragungsortes erforderlich. Ohne dieses Dreifach-Einverständnis ist ein legales Angebot nicht möglich – und Churchill Downs erteilt es den Prognoseplattformen nicht.
Pferderennen gelten in den USA als Amerikas ursprüngliche Form der Sportwette und reichen bis in die Kolonialzeit zurück. Der Sektor genoss bereits einen Sonderstatus, bevor der Supreme Court im Jahr 2018 ein Gesetz kippte, das es anderen Bundesstaaten als Nevada untersagte, Sportwetten anzubieten. Damit ist der Pferderennsport gewissermaßen ein eigenes kleines Hoheitsgebiet innerhalb der US-Glücksspiellandschaft.
Grundsatzstreit zwischen Plattformen und Bundesstaaten
Die Situation beleuchtet einen tiefergehenden Konflikt: US-Bundesstaaten argumentieren, dass Unternehmen wie Kalshi und Polymarket eine staatliche Lizenz benötigen, um Sportwetten anzubieten. Die Prognoseplattformen sehen das anders. Sie vertreten den Standpunkt, dass ihre Angebote Investment- und Handelsaktivitäten darstellen – kein Glücksspiel – und ohnehin der Regulierung durch die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) unterliegen.
Die CFTC hat in diesem Zusammenhang bereits mehrere Klagen gegen Bundesstaaten eingereicht, um zu verhindern, dass diese Maßnahmen gegen Prognoseplattformen ergreifen. Die Frage, wann und in welchem Kontext Prognoseplattformen eine Genehmigung benötigen, ist damit noch längst nicht abschließend geklärt.
Kentucky selbst nimmt in diesem Streit eine besonders harte Haltung ein. Gesetzgeber des Bundesstaates haben Gesetzesentwürfe vorgelegt, die es jedem Inhaber einer Glücksspiellizenz untersagen würden, Prognosen anzubieten. Zusätzlich wurde eine Steuer von 17,5 Prozent auf Gebühren von Prognosemärkten vorgeschlagen – ein klares Signal gegen die aufstrebende Branche.
Traditionelles Wettgeschäft boomt weiterhin
Während die Prognoseplattformen außen vor bleiben, läuft das klassische Wettgeschäft rund um das Derby auf Hochtouren. Churchill Downs meldete während der Derby-Woche im Vorfeld des großen Rennens einen deutlichen Anstieg der Wetteinsätze. Auch Caesars erklärte, dass die auf das Kentucky Derby gesetzten Beträge die Erwartungen überträfen.
Kalshi lehnte eine Stellungnahme zum Fehlen von Pferderennen auf seiner Plattform ab. Polymarket reagierte nicht auf eine entsprechende Anfrage. Auch Vertreter der CFTC antworteten nicht auf Anfragen zu dem Thema. Der Konflikt zwischen traditioneller Glücksspielregulierung und dem neuen Markt der Ereigniskontrakte bleibt damit vorerst ungelöst – mit dem Pferderennsport als besonders deutlichem Beispiel für die bestehenden Grenzen.
