Japans Handelsdefizit wächst trotz überraschend starkem Exportwachstum
Steigende Ölpreise treiben Importkosten in die Höhe, Exporte verlangsamen sich erstmals seit Februar.

Das japanische Handelsdefizit hat sich im August erstmals seit Januar wieder auf über eine Billion Yen ausgeweitet. Wie das Finanzministerium in Tokio mitteilte, belief sich das Defizit auf 1,1 Billionen Yen, umgerechnet rund 7,1 Milliarden US-Dollar. Haupttreiber waren die weiterhin hohen Ölpreise, die die Energieimportkosten Japans massiv in die Höhe trieben.
Die Ausfuhren stiegen im August um 19,3 Prozent im Jahresvergleich und übertrafen damit die von Reuters befragten Ökonomen erwarteten 18,2 Prozent. Dennoch markierte dies die erste Verlangsamung des Exportwachstums seit Februar. Die Einfuhren legten mit einem Plus von 28 Prozent ebenfalls stärker zu als prognostiziert – die Reuters-Umfrage hatte lediglich mit einem Anstieg von 26,3 Prozent gerechnet.
Energieimporte belasten die Handelsbilanz
Besonders deutlich wird die Abhängigkeit Japans von Energieimporten bei den Erdöleinfuhren: Wertmäßig stiegen diese um 58,7 Prozent. Japan deckt nach Angaben der Internationalen Energieagentur mehr als 87 Prozent seines Energiebedarfs durch Importe. Die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten und der Iran-Krieg treiben die Preise zusätzlich in die Höhe.
Auffällig ist die geografische Verschiebung der Ölimporte. Die Erdöleinfuhren aus den USA explodierten im Jahresvergleich um 1.026 Prozent. Marcel Theliant, Leiter Asia-Pacific bei Capital Economics, kommentierte in einem Bericht nach der Datenveröffentlichung: „Japan hat in den letzten Monaten die Rohöleinfuhren aus dem Nahen Osten durch Einfuhren aus den USA ersetzt, aber der Durchschnittspreis der letzteren lag im vergangenen Monat bei 110 Dollar pro Barrel.“
Der durchschnittliche Ölimportpreis Japans lag im August bei 103 Dollar pro Barrel und damit über dem Durchschnittspreis von 94 Dollar für die Referenzsorte Brent. Tokio zahlt somit weiterhin einen Aufpreis, um ausreichende Rohölversorgung aus Quellen außerhalb des Nahen Ostens zu sichern. Die Preisobergrenzen der Regierung für raffinierte Erdölprodukte führen laut Theliant jedoch dazu, dass diese Kosten größtenteils vom Staat und nicht von Haushalten und Unternehmen getragen werden.
Exporte nach China und USA legen zu
Die Ausfuhren von Halbleiterausrüstungen beschleunigten sich wertmäßig auf einen Anstieg von 52,3 Prozent, nach 49,2 Prozent im Vormonat. Mit Blick auf die Zielländer stiegen die Exporte nach Festlandchina – Japans größtem Handelspartner – um 20,6 Prozent. Die Ausfuhren in die USA legten sogar um 24,9 Prozent zu.
Die Bank of Japan (BoJ) trifft sich in dieser Woche zu ihrer turnusmäßigen Sitzung. Angesichts der steigenden Inflation im Land wird allgemein erwartet, dass die Notenbank die Leitzinsen anheben wird. Ein solcher Schritt könnte weitere Auswirkungen auf die japanische Konjunktur und die Wechselkurse haben.
