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Nobelpreisträger Michael Kremer wird neuer Chefökonom der Weltbank

Der 61-jährige Wirtschaftsnobelpreisträger übernimmt das Amt am 1. Oktober von Indermit Gill.

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Nobelpreisträger Michael Kremer wird neuer Chefökonom der Weltbank

Die Weltbank hat den Wirtschaftsnobelpreisträger Michael Kremer zum neuen Chefökonomen und Senior Vice President für Entwicklungswirtschaft ernannt. Der 61-jährige Professor der University of Chicago tritt sein Amt am 1. Oktober an und folgt damit auf Indermit Gill, der im vergangenen Monat in den Ruhestand verabschiedet wurde. Kremer ist der erste Ökonom, der bereits mit einem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, bevor er diese Position bei der Weltbank antritt.

Kremer, der zuvor an der Harvard University lehrte, erhielt 2019 gemeinsam mit Esther Duflo und Abhijit Banerjee den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für seinen experimentellen Ansatz zur Bekämpfung der globalen Armut. Seine Ernennung erfolgt in einer wirtschaftlich schwierigen Phase für Entwicklungsländer, die derzeit mit steigenden Zinsen und hohen Energiepreisen kämpfen.

Herausforderungen und Chancen für Entwicklungsländer

Weltbank-Präsident Ajay Banga begrüßte die Personalie mit den Worten, Kremer habe seine Karriere darauf verwendet, nicht nur effektive Entwicklungslösungen zu identifizieren, sondern deren Skalierbarkeit zu beweisen. Dies sei genau die Denkweise, die die Welt angesichts der Herausforderungen – etwa der Schaffung von Arbeitsplätzen für 1,2 Milliarden junge Menschen im kommenden Jahrzehnt – benötige.

Die offizielle Entwicklungshilfe verzeichnete im Jahr 2025 einen historischen Rückgang um 23 Prozent, wobei die USA den größten Anteil an diesem Minus tragen. Kremer selbst betonte, dass die Weltbank über eine enorme Forschungskapazität verfüge, um innovative Lösungen zu entwickeln und operativ zu skalieren. Trotz der massiven Herausforderungen sieht er in neuen Technologien Chancen für ein beschleunigtes Wachstum.

Experimentelle Ansätze und konkrete Erfolge

Kremers bisherige Arbeit zeichnet sich durch den Einsatz randomisierter kontrollierter Studien aus. Zu seinen bekanntesten Erfolgen zählt die Entwicklung von „Advance Market Commitments“ (AMCs): Gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Ökonomin Rachel Glennerster, initiierte er verbindliche Abnahmegarantien für Impfstoffe. Ein 1,5-Milliarden-Dollar-AMC für Pneumokokken-Impfstoffe erreichte 60 Entwicklungsländer.

Seine Forschung zur Entwurmung von Schulkindern führte dazu, dass Regierungen in Afrika und Südasien seit 2014 rund 2 Milliarden Behandlungen bereitstellten. Als Mitbegründer von „Precision Development“ nutzt Kremer digitale Technologien, um die Produktivität und das Einkommen von Kleinbauern zu steigern. Zudem war er Mitbegründer von „Development Innovation Ventures“ bei der USAID, einem Fonds, der über 300 Innovationen unterstützte.

Engagement für effektive Hilfe

Darüber hinaus engagiert sich Kremer seit 2009 bei „Giving What We Can“, einer Initiative, deren Mitglieder sich verpflichten, zehn Prozent ihres Einkommens für effektive Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden. In der Vergangenheit machte er zudem durch den Vorschlag eines Rahmens auf sich aufmerksam, der verhindern soll, dass Diktatoren ihre Länder ausplündern und künftige Generationen mit illegitimen Schulden belasten.

Kremer ist MacArthur-Stipendiat, Mitglied der National Academy of Sciences und Fellow der American Academy of Arts and Sciences. Seine Ernennung erfolgt kurz vor den Jahrestagungen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds in Bangkok. Für deutsche Anleger ist die Personalie auch deshalb interessant, weil die Weltbank als zentrale Institution für Entwicklungsfinanzierung gilt und Kremers innovative Ansätze langfristig die wirtschaftliche Stabilität in Schwellen- und Entwicklungsländern verbessern könnten.

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