Irans Präsident trotzt den USA im Streit um Hormuz
Masoud Pezeshkian verlangt ein Ende von Sanktionen und US-Blockade, bevor der Iran die Schifffahrt durch die Straße von Hormuz duldet.

Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian hat den Vereinigten Staaten eine trotzige Botschaft gesendet. Sein Land werde die Freiheit der Schifffahrt durch die Straße von Hormuz nicht dulden, solange Sanktionen und eine US-Blockade bestehen, erklärte er am Mittwoch. Die Äußerung fiel in einer Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York.
Mit dieser Haltung unterstreicht Teheran die Schwierigkeiten bei der Erzielung eines Friedensabkommens mit Washington. Dennoch gab es offenbar Bemühungen, die Gespräche in dieser Woche wieder aufzunehmen. Der Zeitpunkt der Rede ist daher bemerkenswert: Sie fällt in eine Phase, in der beide Seiten eigentlich wieder miteinander sprechen wollen.
Pezeshkian begründete seine Position mit einem historischen Anspruch. Die Islamische Republik „kann nicht akzeptieren, dass alle von der Wasserstraße profitieren, während gleichzeitig der historische Hüter dieser Wasserstraße aufgrund der unterdrückerischen Sanktionen benachteiligt wird“, sagte er. Damit verknüpft der Präsident die Frage der Schifffahrtsfreiheit direkt mit dem Sanktionsregime der USA.
Warum die Straße von Hormuz so wichtig ist
Die Straße von Hormuz zählt zu den strategisch bedeutendsten Wasserstraßen der Welt. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem offenen Meer. Für die globale Energieversorgung hat sie eine zentrale Rolle, weil ein erheblicher Teil des weltweit gehandelten Rohöls und Flüssiggases diese Enge passieren muss.
Für deutsche Anleger und Unternehmen ist die Region deshalb von Bedeutung. Störungen oder auch nur Drohungen in dieser Wasserstraße wirken sich unmittelbar auf die Ölpreise und damit auf die Inflation und die Energiekosten in Europa aus. Die Aussagen aus New York sind daher nicht nur ein diplomatisches, sondern auch ein ökonomisches Signal.
Ein diplomatisches Dilemma
Die jüngsten Aussagen machen deutlich, wie schmal der Grat zwischen Eskalation und Annäherung ist. Einerseits signalisiert Teheran Gesprächsbereitschaft, andererseits hält es an einer klaren Bedingung fest. Pezeshkian verlangt faktisch eine Gegenleistung: Ohne ein Ende der Sanktionen und der Blockade will der Iran die freie Durchfahrt nicht garantieren.
Damit stellt er die Schifffahrtsfreiheit als Druckmittel in den Mittelpunkt der Verhandlungen. Ob diese Strategie die Gespräche voranbringt oder blockiert, bleibt offen. Klar ist jedoch, dass die Führung in Teheran die Wasserstraße als Verhandlungsmasse begreift und nicht als reine völkerrechtliche Selbstverständlichkeit.
Die Reaktion aus Washington steht bislang aus. Beobachter dürften nun genau darauf achten, ob die angekündigten Gespräche in dieser Woche tatsächlich zustande kommen. Sollte die Annäherung scheitern, droht eine erneute Zuspitzung im Verhältnis zwischen beiden Ländern.
Für die Märkte bleibt die Straße von Hormuz damit ein geopolitischer Brennpunkt. Jede Verschärfung der Rhetorik erhöht das Risiko für die ohnehin angespannten Energiemärkte. Anleger sollten die weitere Entwicklung daher aufmerksam verfolgen.
