Insurance Australia einigt sich mit Credit Suisse auf $2-Milliarden-Vergleich
Die Insurance Australia Group hat einen Großteil der Greensill-Rechtsstreitigkeiten mit Credit Suisse beigelegt – der Nennwert der Forderungen lag bei rund 2,8 Milliarden Australischen Dollar.

Die Insurance Australia Group (ASX: IAG) hat am Freitag mitgeteilt, dass ihre Tochtergesellschaft Insurance Australia Ltd (IAL) eine Einigung mit Einheiten der Credit Suisse über Versicherungspolicen im Zusammenhang mit Greensill erzielt hat. Damit wird ein wesentlicher Teil der langjährigen Rechtsstreitigkeiten beigelegt. Der nominale Gesamtwert der Forderungen in den Klagen von Credit Suisse belief sich nach Angaben von IAG auf etwa 2,8 Milliarden Australische Dollar (rund 2,0 Milliarden US-Dollar) zuzüglich Zinsen.
Die Bedingungen der Einigung unterliegen der Vertraulichkeit. Konkrete Zahlen zum tatsächlichen Vergleichsbetrag nannte das Unternehmen daher nicht. Für Anleger ist das ein wichtiger Hinweis: Der genannte Betrag von 2,8 Milliarden Australischen Dollar bezeichnet den Nennwert der ursprünglichen Forderungen, nicht zwangsläufig die Summe, die IAG letztlich aufwenden muss.
Keine wesentlichen Auswirkungen auf das Ergebnis erwartet
IAG erklärte, die Einigung werde aufgrund erwarteter Rückflüsse aus Versicherungs- und Rückversicherungsvereinbarungen sowie anderen Haftungsübernahmen keine wesentliche Auswirkung auf die finanzielle Lage oder die Finanzergebnisse des Geschäftsjahres 2027 haben. Das Unternehmen rechnet also damit, einen großen Teil der Belastung über bestehende Rückversicherungsbeziehungen abfedern zu können. Diese Einschätzung dürfte für die Bewertung der Aktie entscheidend sein, da sie die befürchtete Bilanzbelastung deutlich relativiert.
An der Börse in Sydney reagierten die Anleger positiv: Die Aktien von IAG stiegen bis 02:50 Uhr GMT um 1 Prozent auf 7,87 Australische Dollar. Der vergleichsweise moderate Kursgewinn deutet darauf hin, dass der Markt die Nachricht zwar begrüßt, die Unsicherheiten aus den verbleibenden Verfahren aber weiterhin einpreist.
Hintergrund: Der Greensill-Zusammenbruch von 2021
Die mit Greensill verbundenen Rechtsstreitigkeiten resultieren aus dem Zusammenbruch des Supply-Chain-Finance-Unternehmens im Jahr 2021. Dieser hatte zu Verlusten für Investoren und Kreditgeber geführt. Die aktuellen Verfahren vor dem Federal Court of Australia beziehen sich auf Policen, die angeblich von BCC Trade Credit im Namen von IAL für Greensill-Einheiten ausgestellt wurden. Im Zentrum steht die Frage, in welchem Umfang die Versicherung für diese Policen haftet.
IAG hatte bereits zuvor die Beilegung der Verfahren angekündigt, die von der Greensill Bank und deren Insolvenzverwalter im Mai eingeleitet worden waren. Mit der nun verkündeten Einigung mit Credit Suisse wird ein weiterer großer Block dieser Auseinandersetzungen abgeräumt.
White-Oak-Verfahren laufen weiter
Nicht vollständig abgeschlossen sind dagegen die separaten Verfahren, die von White Oak angestrengt wurden. Dort werden Forderungen in Höhe von etwa 170 Millionen Australischen Dollar zuzüglich Zinsen geltend gemacht. IAL verteidige diese Verfahren weiterhin, so das Unternehmen. Für Anleger bleibt damit ein Restrisiko bestehen, auch wenn der finanzielle Umfang dieser Klagen deutlich unter dem der Credit-Suisse-Forderungen liegt.
Für deutsche Anleger ist der Fall vor allem als Beispiel für die langen Nachwirkungen des Greensill-Skandals von Interesse. Das einst hochgelobte Supply-Chain-Finance-Modell war auch in Deutschland eng mit der Greensill Bank in Bremen verbunden, die 2021 in die Insolvenz ging. Die juristische Aufarbeitung zieht sich seither über mehrere Jurisdiktionen hinweg und beschäftigt Versicherer, Banken und Insolvenzverwalter gleichermaßen.
Mit der Einigung mit Credit Suisse reduziert IAG die Zahl der offenen Baustellen erheblich. Ob die verbleibenden White-Oak-Verfahren ähnlich geräuschlos beigelegt werden können, bleibt abzuwarten. Der Markt wird die weitere Entwicklung an der ASX aufmerksam verfolgen.
