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Brasiliens Zentralbank sieht Verlangsamung 2027 als entscheidend für Inflationsziel

Notenbank in Brasília hält eine schwächere Wirtschaftsaktivität für nötig, damit die Inflation auf das 3-Prozent-Ziel konvergiert.

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Brasiliens Zentralbank sieht Verlangsamung 2027 als entscheidend für Inflationsziel

Die brasilianische Zentralbank hält eine Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit im kommenden Jahr für unerlässlich, damit die Inflation auf ihr Ziel von 3 Prozent konvergiert. Das erklärte ein hochrangiger Beamter am Donnerstag in Brasília. Die Aussagen fielen im Anschluss an die am selben Tag veröffentlichte Prognose der Notenbank, wonach das Bruttoinlandsprodukt 2027 lediglich um 1,4 Prozent wachsen dürfte.

Negative Output-Lücke als Kern der Prognose

„Die in unserer Prognose für 2027 eingebaute negative Output-Lücke ist für die Konvergenz der Preise in unseren Modellen essenziell", sagte Paulo Picchetti, geschäftsführender Direktor für Wirtschaftspolitik, während einer Pressekonferenz. Damit macht die Notenbank deutlich, dass sie eine Dämpfung der Konjunktur als Voraussetzung dafür ansieht, den Preisauftrieb wieder in Richtung Zielwert zu bringen.

Die Wachstumsprognose von 1,4 Prozent liegt deutlich unter der Erwartung des Regierungskabinetts, das von einer Expansion von 2,3 Prozent ausgeht. Zwischen Notenbank und Regierung besteht damit eine spürbare Differenz bei der Einschätzung der künftigen wirtschaftlichen Dynamik Brasiliens.

Zentralbankgouverneur Gabriel Galipolo erklärte bei derselben Veranstaltung, die politischen Entscheidungsträger gingen angesichts der ungewöhnlich hohen Unsicherheit bezüglich der wirtschaftlichen Aussichten mit „Demut" an die Daten heran. Diese Haltung sei wichtig, um Fehlschlüsse aus einzelnen Indikatoren zu vermeiden.

Galipolo warnt vor „falschem Präzisionsgefühl"

Galipolo betonte, die Zentralbank müsse vermeiden, sich auf ein „falsches Präzisionsgefühl" zu verlassen. Das gelte insbesondere für die Beurteilung, ob ihre Prognose einer jährlichen Inflation von 3,1 Prozent ab dem zweiten Quartal 2028 tatsächlich eine Konvergenz zum Zielwert von 3 Prozent darstellt. „Dies ist eine Zentralbank, die nicht überreagiert auf einzelne Datenpunkte, um unnötige Volatilität zu vermeiden", sagte Galipolo.

Zugleich verwies der Gouverneur darauf, dass Anzeichen für eine Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit zunehmend evident würden. Die Notenbank beobachtet die Konjunktur also aufmerksam, ohne sich von einzelnen Datenpunkten zu schnellen Schlüssen verleiten zu lassen.

Makroprudenzielle Maßnahmen gegen räuberische Kreditvergabe

Ein weiteres Thema der Pressekonferenz waren die geplanten makroprudenziellen Maßnahmen der Zentralbank. Galipolo zufolge zielen die politischen Entscheidungsträger darauf ab, aggressive Kreditvergabepraktiken einzudämmen und Fälle von räuberischer Kreditvergabe zu bekämpfen. „Die Ausfallquote bei Kreditkarten liegt bei 65 Prozent. Ein Produkt mit einer so hohen Ausfallquote weist einen Konstruktionsfehler auf", sagte er.

Weitere Einzelheiten zu den neuen Vorschriften nannte Galipolo nicht. Die hohe Ausfallquote im Kreditkartengeschäft deutet aus Sicht der Notenbank auf strukturelle Probleme in der Kreditvergabe hin, die regulatorisch angegangen werden sollen.

Für deutsche Anleger ist die Entwicklung in Brasilien von Bedeutung, da der brasilianische Markt zu den größten Schwellenländern zählt und die Geldpolitik der Notenbank erheblichen Einfluss auf Währung, Anleihen und Aktienkurse in der Region hat. Eine restriktive Ausrichtung mit dem Ziel der Inflationskonvergenz kann den brasilianischen Real stützen, belastet aber zugleich das Wachstum und damit die Unternehmensgewinne. Die von der Notenbank erwartete Verlangsamung im Jahr 2027 ist damit ein zentraler Faktor für die künftige Entwicklung der brasilianischen Finanzmärkte.

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