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ifo-Index steigt im sechsten Monat in Folge auf 90,2 Punkte

Der ifo-Geschäftsklimaindex klettert im Oktober auf 90,2 Punkte und übertrifft die Prognosen der Analysten deutlich.

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ifo-Index steigt im sechsten Monat in Folge auf 90,2 Punkte

Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hellt sich weiter auf. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Oktober auf 90,2 Punkte und legte damit um 0,3 Punkte zu. Es ist bereits die sechste Aufhellung in Folge, und der Wert markiert den höchsten Stand des wichtigsten deutschen Konjunkturbarometers seit dem Frühjahr 2023.

Für die aktuelle Erhebung des Münchner ifo-Instituts wurden rund 9.000 Unternehmen befragt. Die Analysten hatten im Schnitt mit einer Stagnation auf 89,9 Punkten gerechnet – der Anstieg fiel also besser aus als erwartet. ifo-Präsident Clemens Fuest kommentierte die Zahlen knapp: "Die Konjunkturbelebung setzt sich fort."

Im Detail verlief die Entwicklung allerdings unterschiedlich. Die Unternehmen blicken optimistischer auf die kommenden Monate, ihre Erwartungen legten zu. Die Einschätzung der aktuellen Lage fiel dagegen schwächer aus als zuvor. Getragen wird das Barometer damit vor allem von der Zuversicht für das kommende Halbjahr, nicht von der bereits erzielten Geschäftslage.

Industrie treibt, Dienstleister bremsen

Das Verarbeitende Gewerbe meldete eine deutliche Verbesserung der Stimmung. Dank gestiegener Neuaufträge schätzten die Industriebetriebe sowohl ihre Lage als auch ihre Erwartungen substanziell besser ein. Die Auftragsbücher hellen sich also auf – ein Signal, das über den Tag hinaus wirkt, weil Aufträge in der Regel erst mit Verzögerung in Umsatz und Gewinn übersetzt werden.

Ganz anders der Dienstleistungssektor: Dort trübte sich die Stimmung ein, die Unternehmen zeigten sich unzufrieden mit ihren laufenden Geschäften. Ein Lichtblick innerhalb dieser Branche sind die IT-Dienstleister, die vom Boom rund um Künstliche Intelligenz profitieren. Zahlreiche Rechenzentren wurden gebaut oder sind geplant – eine Nachfrage, die der Branche Rückenwind gibt.

Prognosen angehoben, aber kein Investitionsaufschwung

Die Aufhellung schlägt sich inzwischen auch in den Prognosen nieder. Mehrere Forschungsinstitute, darunter das ifo-Institut selbst, hoben ihre Erwartungen für die deutsche Wirtschaft an. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erhöhte Mitte Oktober seine Wachstumserwartungen für Deutschland. Die Bundesregierung geht von einem Wachstum in gleicher Höhe aus: 1,3 Prozent in diesem Jahr. Das ist fast doppelt so stark, wie noch im Juli erwartet worden war.

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, verwies auf die widrigen Umstände. Angesichts hoher Energiepreise und Unruhen in den europäischen Nachbarländern hätte auch ein Rückgang des Konjunkturbarometers nicht weiter verwundert. Der Anstieg macht für ihn nun Hoffnung auf eine Fortsetzung der Erholung im kommenden Jahr.

Weniger euphorisch fällt die Einschätzung von Klaus Bauknecht von der IKB Deutsche Industriebank aus. Er rechnet mit einer moderaten und volatilen Erholung und sieht keinen Hinweis auf einen tragfähigen Investitionsaufschwung: "Solange Unternehmen weder von einer robusten Konjunktur noch von einer verlässlichen Verbesserung der Standortbedingungen überzeugt sind, ist mit einer Aufbruchstimmung, die private Investitionen zu einem entscheidenden Wachstumstreiber werden lassen, nicht zu rechnen."

Was das für Anleger bedeutet

Für Privatanleger liefert der ifo-Index vor allem eine Orientierung über die Richtung der Konjunktur – und damit über die Erwartungen an Umsätze und Gewinne der Unternehmen. Ein steigender Index ist grundsätzlich ein positives Signal, gerade für zyklische Branchen wie die Industrie, die auf Auftragseingänge angewiesen sind. Bemerkenswert ist, dass die Aufhellung trotz gestiegener Energiepreise gelingt, was Ökonomen als Zeichen für die Widerstandskraft der Unternehmen werten.

Zugleich mahnen die Teilindizes zur Vorsicht. Die Zuversicht speist sich bislang stärker aus den Erwartungen als aus der aktuellen Lage. Der Dienstleistungssektor, hierzulande ein zentraler Arbeitgeber, bleibt zurückhaltend, und aus Sicht der IKB fehlt es weiter an einer Aufbruchstimmung bei privaten Investitionen. Die Erholung ist damit intakt, aber noch nicht breit abgesichert. Wer sein Depot stärker auf die Konjunktur ausrichten will, sollte genau diese Unterscheidung im Blick behalten – und die nächsten ifo-Zahlen als Prüfstein dafür nehmen, ob sich der Auftragsschub in der Industrie auch in der aktuellen Lage der Unternehmen niederschlägt.

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