Handelsdeal mit USA belastet Europas Schlüsselbranchen
Zölle treffen Auto, Pharma und Rüstung unterschiedlich – Halbleiter profitieren teilweise

Der neue Handelsdeal zwischen den USA und der Europäischen Union setzt künftig einen Zollsatz von 15 Prozent auf die meisten EU-Exporte in die USA fest, während US-Waren zumeist zollfrei in die EU eingeführt werden können. Diese Regelung bringt für Europas wichtigste Branchen unterschiedliche Auswirkungen mit sich. Während einige Sektoren mit Unsicherheiten kämpfen, zeigen sich andere überraschend stabil.
Die Automobilindustrie, ein zentraler Exportzweig, steht vor Herausforderungen. Die USA sind ein bedeutender Absatzmarkt für europäische Hersteller wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz. Im vergangenen Jahr wurden rund 760.000 Fahrzeuge im Wert von fast 39 Milliarden Euro aus der EU in die USA exportiert, während umgekehrt lediglich 165.000 Autos aus den USA in die EU eingeführt wurden. Die eingeführten Zölle von 15 Prozent wurden von den Märkten sofort negativ aufgenommen, die Aktien der großen deutschen Autobauer verloren am ersten Handelstag zwischen drei und vier Prozent. Allerdings hatten einige Unternehmen, wie Volkswagen, bereits mit höheren Zöllen gerechnet und ihre Gewinnprognosen dementsprechend angepasst. Deshalb sind die festgelegten 15 Prozent Zoll teilweise als moderate Belastung einzuschätzen. Langfristig dürfte die Branche versuchen, durch eine verstärkte Produktion in den USA die Auswirkungen der Zölle abzumildern.
Im Pharmasektor sorgt das Abkommen zunächst für Klarheit, nachdem zunächst unterschiedliche Aussagen vonseiten der US-Administration und der EU-Kommission kursierten. Auch für pharmazeutische Produkte gelten künftig 15 Prozent Einfuhrzoll. Der europäische Pharmamarkt ist jedoch stark von Großbritannien und der Schweiz geprägt, die nicht Teil der EU sind und daher eigene Handelsregelungen benötigen. Die Aktien großer Konzerne wie Bayer und Sanofi reagierten zurückhaltend, während Novo Nordisk deutliche Kursverluste hinnehmen musste, auch aufgrund einer Prognosesenkung. Eine Ausnahme gibt es bei Generika, die von den Zöllen ausgenommen werden sollen. Dies könnte für Teile der Branche Entlastung bringen. Dennoch bleibt offen, ob die USA in Zukunft zusätzliche Zölle auf Medikamente erheben, um die hohen Preise für Verbraucher im Inland zu senken.
Die Rüstungsindustrie befindet sich weiterhin in einer Phase der Unsicherheit. Zwar gilt als wahrscheinlich, dass auch Rüstungsprodukte mit 15 Prozent Zoll belegt werden, doch gibt es widersprüchliche Aussagen zur Forderung der USA, die EU solle größere Mengen amerikanischer Militärausrüstung abnehmen. Dies würde die europäische Branche zusätzlich belasten. Die Aktien von Unternehmen wie Rheinmetall, Hensoldt und Renk reagierten mit deutlichen Kursverlusten und spiegeln die Verunsicherung der Investoren wider.
Die Halbleiterbranche hingegen zeigt sich im Zuge des neuen Handelsabkommens vergleichsweise unbeeindruckt. Die europäischen Chiphersteller Infineon, NXP Semiconductors und STMicroelectronics verzeichneten Kursgewinne von bis zu drei Prozent. Für die Branche gibt es eine differenzierte Regelung: Während Chips mit 15 Prozent Zoll belegt werden, sollen Ausrüstungen zur Chipproduktion zollfrei exportiert werden dürfen. Dies wirkt sich positiv auf Unternehmen wie ASML aus, deren Lithografiesysteme für die Chipfertigung weltweit unverzichtbar sind. Anleger zeigen sich daher vorsichtig optimistisch für die Zukunft dieser Branche.
