Gundlach warnt: Aktienmarkt ist ein hohler Baum vor dem Bruch
Der Anleihenkönig Jeffrey Gundlach sieht den Aktienmarkt als hohlen Baum, der kurz vor dem Brechen stehen könnte.

Der als „Bond-King" bekannte Investor Jeffrey Gundlach warnt mit drastischen Worten vor der Verfassung der Aktienmärkte. Der Markt sei „ein hohler Baum", der kurz davor sein könnte zu brechen, so die Einschätzung des erfahrenen Fondsmanagers. Der Oktober und das vierte Quartal des Jahres beginnen damit unter erhöhtem Druck am Anleihenmarkt.
Konkret erreichen die Renditen für US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 und 30 Jahren erneut Höchststände aus dem Jahr 2002. Infolgedessen sind die Aktienmärkte auf ein gemischtes Eröffnungsszenario eingestellt. Für viele Marktbeobachter ist dabei vor allem eines auffällig: Trotz der zunehmenden Spannungen im Anleihensektor im vergangenen Monat haben die Aktienkurse nicht die tiefen Einbußen verzeichnet, die in ähnlichen früheren Phasen zu beobachten waren.
Genau diese Diskrepanz zwischen der Schwäche unter der Oberfläche und der relativen Ruhe an der Oberfläche ist es, die Gundlach zu seiner Warnung veranlasst. Der Vergleich mit einem hohlen Baum zielt auf einen Markt, der nach außen hin stabil wirkt, dessen Fundament aber von innen heraus erodiert. Die Quelle der aktuellen Belastung liegt eindeutig am Anleihenmarkt, dessen Renditen auf Niveaus steigen, die seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr erreicht wurden.
Die Details
Die entscheidenden Zahlen kommen vom US-Anleihenmarkt. Die Renditen von US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren und von 30 Jahren haben erneut Höchststände aus dem Jahr 2002 erreicht. Damit setzt sich ein Trend fort, der den Anleihenmarkt bereits seit geraumer Zeit unter Spannung setzt.
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert: Der Oktober und damit das vierte Quartal des Jahres beginnen mit diesem erhöhten Druck. Die Aktienmärkte reagieren darauf mit einem gemischten Eröffnungsszenario, also ohne einheitliche Richtung. Was Anleger seit der Zunahme der Spannungen im Anleihensektor im vergangenen Monat besonders beschäftigt, ist die Frage, warum die Aktienkurse bislang nicht die tiefen Einbußen verzeichnet haben, die in vergleichbaren früheren Phasen üblich waren.
Diese Beobachtung ist der Kern der aktuellen Debatte. Steigende Anleiherenditen gelten traditionell als Belastung für Aktien, weil sie die Attraktivität von festverzinslichen Anlagen erhöhen und die Bewertung von Aktien unter Druck setzen. Dass dieser Mechanismus zuletzt nicht in vollem Umfang griff, macht die Lage für viele Marktteilnehmer schwer einschätzbar.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Warnung Gundlachs fällt nicht vom Himmel. Bereits am 17.09.2026 berichtete aktien.news, dass der „Bond-King" vor dem KI-Hype warnt und seine Aktienquote senkt. Der CEO und Chief Investment Officer von DoubleLine Capital reduzierte seine Aktienallokation von 40 auf 30 Prozent. Grund dafür war seine wachsende Skepsis gegenüber dem Hype um Künstliche Intelligenz (KI). In einem Interview mit dem Podcast „The Julia La Roche Podcast" erklärte Gundlach, er wolle das „Epizentrum" der heißesten Investmentthemen seit Jahrzehnten verlassen. „Ich will einfach nur raus", sagte er mit Blick auf den KI-Handel. Anleger befänden sich nun auf der „schlechten Seite der Straße", warnte der erfahrene Fondsmanager.
Auch die Anleihenseite war in den vergangenen Wochen bereits Thema. Am 16.09.2026 berichtete aktien.news, dass die weltweiten Anleiherenditen nur eine Richtung kennen: nach oben. Zehnjährige US-Treasuries rentierten damals inzwischen mit über fünf Prozent. Auch in Europa war die Entwicklung bemerkenswert: Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen stand am Dienstag zeitweise bei 3,56 Prozent.
Bereits am 15.09.2026 hatte aktien.news gemeldet, dass die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen erstmals seit Oktober 2023 die Marke von fünf Prozent erreicht hatte. Hintergrund war die wachsende Überzeugung der Investoren, dass die US-Notenbank Federal Reserve den Leitzins in dieser Woche anheben würde. Diese Erwartungshaltung hatte bereits im vergangenen Monat zu deutlichen Kursverlusten an den Aktienmärkten geführt.
Und auch die europäische Perspektive ist Teil der Vorgeschichte. Am 28.03.2026 berichtete aktien.news, dass die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen zum Tagesschluss die Marke von 3,0 Prozent überschritten hatte – ein Niveau, das zuletzt vor 15 Jahren erreicht wurde. Das bisherige mittelfristige Hoch stammte vom 2. Oktober 2023, als die Rendite intraday kurz auf 3,02 Prozent kletterte, jedoch ohne diesen Stand zum Handelsschluss zu halten. Der damalige Anstieg hatte eine besondere Qualität: Erstmals seit anderthalb Jahrzehnten schloss der Markt oberhalb dieser Marke.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Kombination aus steigenden Anleiherenditen und einem Aktienmarkt, der trotz dieser Belastung nicht nachgibt, eine ungewöhnliche Konstellation. Steigende Anleiherenditen bedeuten im Umkehrschluss fallende Anleihekurse – ein Mechanismus, der vielen Privatanlegern noch schmerzhaft in Erinnerung sein dürfte. Wer Anleihen im Depot hält, spürt den Druck also direkt.
Gleichzeitig zeigt die Warnung Gundlachs, dass erfahrene Marktteilnehmer die relative Stabilität der Aktienkurse nicht als Entwarnung werten. Der Vergleich mit einem hohlen Baum deutet darauf hin, dass die Stabilität an der Oberfläche aus seiner Sicht nicht durch eine tragfähige Substanz gestützt wird. Anleger sollten daher die Entwicklung am Anleihenmarkt genau im Blick behalten, da dieser nach Einschätzung der Quelle die treibende Kraft hinter der aktuellen Spannung ist.
Wichtig ist dabei die Einordnung: Die Beobachtung, dass Aktien in ähnlichen früheren Phasen tiefere Einbußen verzeichneten, stammt aus dem Quelltext und beschreibt einen historischen Vergleich. Daraus lässt sich keine Prognose ableiten, sondern lediglich festhalten, dass die aktuelle Entwicklung von diesem Muster abweicht. Dies ist eine der zentralen Unsicherheiten, mit denen Anleger derzeit umgehen müssen.
Ausblick
Der Quelltext benennt keine konkreten künftigen Termine oder Prognosen. Klar ist jedoch, dass der Oktober und das vierte Quartal mit erhöhtem Druck am Anleihenmarkt begonnen haben und die Renditen von US-Staatsanleihen mit 10- und 30-jähriger Laufzeit Höchststände aus dem Jahr 2002 erreichen. Die Aktienmärkte sind auf ein gemischtes Eröffnungsszenario eingestellt. Ob sich die Diskrepanz zwischen der Schwäche unter der Oberfläche und der relativen Ruhe an der Oberfläche auflöst, bleibt offen.
Kurz erklärt
- Anleiherendite: Die Rendite gibt an, welchen Ertrag ein Anleger mit einer Anleihe erzielt, wenn er sie bis zur Fälligkeit hält.
- US-Staatsanleihen: Von der US-Regierung ausgegebene Schuldverschreibungen, die als besonders sicher gelten und als Referenz für den globalen Anleihenmarkt dienen.
- Aktienallokation: Der Anteil des Vermögens, den ein Investor in Aktien investiert hat.
