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Steigende US-Anleiherenditen: Droht Aktien Anlegern ein neuer Crash?

Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries klettert auf den höchsten Stand seit 24 Jahren – doch ein Crashsignal ist das nicht automatisch.

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Steigende US-Anleiherenditen: Droht Aktien Anlegern ein neuer Crash?

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen und hat am Donnerstag mit gut 5,3 Prozent den höchsten Stand seit 24 Jahren erreicht. Auch die 30-jährigen Treasuries notierten auf einem Niveau, das sie wenige Tage zuvor erreicht hatten. Für Anleger an den Aktienmärkten stellt sich damit die drängende Frage, ob der Zinsanstieg am Anleihemarkt ein Vorbote für einen Kursrutsch ist.

Die Dynamik ist beachtlich. Zwischen Juli und September legten die Renditen zehnjähriger Treasuries um 0,87 Prozentpunkte zu – der stärkste Anstieg seit 1994. Allein im September betrug das Plus mehr als 0,5 Prozentpunkte. Solche Zahlen zeigen, wie schnell sich das Zinsumfeld verändern kann.

Höhere Renditen wirken auf zwei Wegen auf Aktien. Zum einen werden Anleihen attraktiver, weil sie wieder wettbewerbsfähige Erträge bei geringerem Risiko bieten – Geld, das sonst in Aktien fließen könnte, wird umgelenkt. Zum anderen müssen künftige Unternehmensgewinne stärker abgezinst werden, was die Bewertung von Aktien rechnerisch drückt. Hinzu kommen steigende Kreditkosten, die vor allem Unternehmen mit hohem Fremdfinanzierungsbedarf belasten.

Warum hohe Renditen allein noch kein Crashsignal sind

So plausibel diese Mechanismen klingen – ein zwingendes Warnsignal für einen Börsencrash sind hohe Anleiherenditen nicht. Der Blick in die Geschichte zeigt ein differenziertes Bild. Zwar folgten mehrere Börsenkrisen auf kräftige Renditeanstiege. Doch die Ursachen lagen meist woanders, und der zeitliche Zusammenhang war keineswegs eindeutig.

Am Schwarzen Montag, dem 19. Oktober 1987, verlor der Dow Jones mehr als 20 Prozent. Im Jahr zuvor war die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen um mehr als einen Prozentpunkt gestiegen und hatte zeitweise rund 9,5 Prozent erreicht. Der Renditeanstieg war damals aber nicht der Auslöser des Crashs. Auslöser war eine Mischung aus Sorgen über das Handelsdefizit und den Dollar, die auf nervöse Märkte trafen; computergestützte Verkaufsprogramme verstärkten den Kursrutsch zusätzlich. Der Zinsanstieg war eher Begleitfaktor als Ursache.

Die Parallelen zur Dotcom-Blase und zur Finanzkrise

Auch bei der Dotcom-Blase spielte der Renditeanstieg mit hinein, war aber nicht ausschlaggebend. Die Fed hob ab Juni 1999 sukzessive die Leitzinsen an. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte von 4,69 Prozent Anfang 1999 auf knapp 6,8 Prozent Anfang 2000. Der S&P 500 erreichte im März 2000 seinen Höchststand und fiel bis Oktober 2002 um knapp 50 Prozent.

Vor der Finanzkrise 2008 lag sogar ein großer zeitlicher Abstand zwischen dem Renditeanstieg und dem eigentlichen Einbruch. Mitte 2005 rentierten zehnjährige US-Staatsanleihen bei etwa 3,9 Prozent, Mitte 2006 bei gut 5,0 Prozent. Das Vorkrisenhoch des S&P 500 wurde jedoch erst im Oktober 2007 markiert. Unmittelbar vor diesem Börsenhoch gab es keinen vergleichbaren Renditesprung.

Noch deutlicher wird es in der Coronakrise. Im Februar 2020 lag die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bei 1,56 Prozent, im März 2020 fiel sie auf 0,54 Prozent. Die Renditen sanken also, bevor der Markt einbrach. Der S&P 500 verlor vom 19. Februar bis zum 23. März 2020 mehr als 33 Prozent. Der starke Renditeanstieg kam erst nach dem Crash.

Worauf Anleger jetzt achten sollten

Für Privatanleger bedeutet das: Ein hoher Zins am Anleihemarkt ist ein Risikofaktor, aber kein automatisches Verkaufssignal. Entscheidend ist das Zusammenspiel mehrerer Belastungen. Aktuell treffen mehrere Faktoren aufeinander: die Inflation, die hohe Staatsverschuldung, die Frage der Unternehmensfinanzierung und die hohen Leitzinsen. Seit 2022 haben große Notenbanken die Zinsen angehoben. Steigende Ölpreise könnten den Inflationsdruck zusätzlich erhöhen – und damit den Spielraum der Notenbanken weiter einengen.

Als besonders kritisch gelten verschärfte Finanzierungsbedingungen und der daraus resultierende Bewertungsdruck. Solange die Wirtschaft robust bleibt, können steigende Anleiherenditen allerdings auch schlicht eine starke Konjunktur anzeigen – ein Signal, das die Aktienmärkte durchaus stützen kann. Genau diese Doppeldeutigkeit macht die aktuelle Lage so schwer einzuschätzen.

Der WirtschaftsWoche-Newsletter BörsenTag, aus dem diese Analyse stammt, ordnet die Entwicklung entsprechend ein: Der Renditeanstieg ist ein wichtiger Baustein, aber kein Automatismus für einen Absturz. Anleger sollten daher nicht allein auf die Renditekurve starren. Wer sein Depot breit aufstellt, auf die Schuldentragfähigkeit seiner Unternehmen achtet und die Entwicklung bei Inflation und Zinsen verfolgt, ist besser gewappnet als jemand, der aus einer einzelnen Kennzahl einen Crash ableitet.

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