Grönland-Krise: Droht ein Handelskrieg zwischen USA und EU?
Die Drohungen von US-Präsident Donald Trump zur Übernahme Grönlands alarmieren Europa. Frankreichs Finanzminister warnt vor massiven Schäden für die transatlantischen Handelsbeziehungen.

Die jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump zur möglichen Annexion Grönlands haben eine diplomatische Krise ausgelöst. Frankreichs Finanzminister Roland Lescure warnte in einem Interview mit der Financial Times eindringlich vor den wirtschaftlichen Konsequenzen eines solchen Schritts. Die Handelsbeziehungen zwischen den USA und der Europäischen Union könnten schweren Schaden nehmen.
Trump hat in diesem Monat die Gespräche über eine Übernahme des autonomen dänischen Territoriums intensiviert und dabei sogar eine gewaltsame Einnahme nicht ausgeschlossen. Die Begründung: nationale Sicherheitsinteressen der USA. Analysten vermuten jedoch auch wirtschaftliche Motive hinter dem Vorstoß.
Strategische Bedeutung Grönlands
Experten erklärten gegenüber CNBC, dass Trump mit der Kontrolle über Grönland mehrere Ziele verfolge. Zum einen wolle er Rivalen wie China von entstehenden Handelsrouten in der Arktis fernhalten. Zum anderen gehe es um den Zugang zu wertvollen Mineralien, die für die Verteidigungsindustrie von entscheidender Bedeutung sind. Die größte Insel der Welt gewinnt durch den Klimawandel und das Abschmelzen des Eises zunehmend an strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung.
Europa zeigt Einigkeit
Auf die Frage nach möglichen Wirtschaftssanktionen gegen die USA im Falle eines Einmarschs in Grönland äußerte sich Finanzminister Lescure zurückhaltend: "Offensichtlich wären wir, wenn das passieren würde, in einer völlig neuen Welt, und wir müssten uns entsprechend anpassen." Die diplomatischen Gespräche zwischen den USA, Dänemark und Grönland am Mittwoch endeten ohne Durchbruch.
Europa demonstriert unterdessen Geschlossenheit. Am späten Donnerstag trafen europäische Truppen zu einer gemeinsamen Militärübung in Grönland ein. Maria Martisiute vom European Policy Centre betonte in der CNBC-Sendung "Squawk Box Europe", dies zeige den USA, "dass es sich in erster Linie um eine alliierte Anstrengung handelt". Die Stärkung der Verteidigung in der Arktis sei keine amerikanische Angelegenheit, sondern könne durch alliierte Bemühungen erfolgen.
Wirtschaftliche Konsequenzen
Analysten warnen vor einem möglichen Handelskrieg. Sollten die USA Zölle oder Wirtschaftssanktionen als Druckmittel einsetzen, könnte dies zu einer Eskalation führen. Die Europäische Kommission hat bereits reagiert und in ihrem jüngsten Haushaltsentwurf vorgeschlagen, die Ausgaben für Grönland zu verdoppeln. Dies unterstreicht die strategische Bedeutung, die Europa der Region beimisst.
Eine von Demokraten geführte US-Delegation wird am Freitag in Kopenhagen erwartet, um mit dänischen Abgeordneten zu sprechen. Die europäischen Staats- und Regierungschefs haben ihre roten Linien klar definiert. Die Kombination aus militärischer Präsenz und diplomatischer Geschlossenheit soll "eine starke Botschaft senden", so Martisiute. Wie die USA auf diese europäische Einheitsfront reagieren werden, bleibt abzuwarten.
