Goldpreis nahe Rekordhoch trotz Zinssorgen
Geopolitische Spannungen und Fed-Debatte stützen Nachfrage nach Edelmetallen

Der Goldpreis bewegt sich weiterhin nahe an seinem Rekordhoch, gestützt von der Erwartung weiterer Zinssenkungen in den USA und anhaltender geopolitischer Unsicherheit. Zur Wochenmitte legte der Spotpreis für Gold um 0,3 Prozent auf 3.776,29 Dollar je Unze zu. Zuvor war er kurzzeitig auf ein Tagestief von 3.750,49 Dollar gefallen, nachdem er am Dienstag mit 3.790,82 Dollar ein neues Rekordniveau erreicht hatte. Die Dezember-Futures in den Vereinigten Staaten gaben gleichzeitig um 0,2 Prozent auf 3.808 Dollar nach.
Analysten sehen den jüngsten Anstieg vor allem durch die Erwartung einer lockeren Geldpolitik getrieben. Kyle Rodda von Capital.com erklärte, die Entwicklung werde maßgeblich von den geldpolitischen Aussichten in den USA bestimmt, wobei geopolitische Faktoren zusätzlich Einfluss nähmen. Aussagen von US-Präsident Donald Trump, der eine härtere Linie innerhalb der NATO betonte und davon sprach, dass die Ukraine ihr gesamtes besetztes Territorium zurückgewinnen könne, hätten die Unsicherheit verstärkt und die Nachfrage nach dem Edelmetall gestützt. Die NATO hatte Moskau zuletzt mit dem Einsatz „aller notwendigen militärischen und nicht-militärischen Mittel“ im Falle einer Bedrohung gedroht.
Fed-Chef Jerome Powell mahnte am Dienstag zu einer vorsichtigen Abwägung zwischen den Risiken einer anhaltend hohen Inflation und einer Abkühlung am Arbeitsmarkt. Innerhalb der Notenbank vertreten führende Mitglieder dabei teils unterschiedliche Positionen über den weiteren Kurs. Investoren warten nun auf den wöchentlichen Bericht zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe am Donnerstag sowie auf die Veröffentlichung des Preisindex für persönliche Konsumausgaben am Freitag, der als bevorzugter Inflationsindikator der Federal Reserve gilt.
Sollte sich aus den Daten eine stärkere Teuerung ablesen lassen, möglicherweise verstärkt durch Zölle, könnte dies nach Einschätzung von Analysten Druck auf den Goldpreis ausüben. Goldman Sachs geht in einer aktuellen Einschätzung von zwei Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte im Oktober und Dezember aus. Sollte sich der Arbeitsmarkt deutlicher als erwartet eintrüben, sei auch eine stärkere Senkung um 50 Basispunkte denkbar. Für 2026 erwarten die Experten zwei weitere Schritte, die den Leitzins in eine Spanne von 3 bis 3,25 Prozent bringen würden.
Neben Gold zeigten auch andere Edelmetalle Kursbewegungen. Der Preis für Silber stieg um 0,3 Prozent auf 44,16 Dollar je Unze. Platin verteuerte sich ebenfalls um 0,3 Prozent auf 1.482,78 Dollar, während Palladium um 1,3 Prozent auf 1.235,34 Dollar zulegte.
