Girokonto wechseln: So sparen Anleger hohe Kontoführungsgebühren
Viele Filialbanken verlangen bis zu 238 Euro jährlich – Neobanken locken mit kostenlosen Konten.

Miete, Strom, Handyrechnung und Streaming-Dienste: Ohne ein Girokonto ist der Alltag kaum noch zu bewältigen. Doch was lange selbstverständlich war, wird für viele Deutsche zunehmend zur Kostenfalle. Immer mehr Filialbanken verlangen saftige Kontoführungsgebühren – und die können sich im Jahr auf mehrere hundert Euro summieren.
Ein Blick in die Preisverzeichnisse zeigt die Bandbreite: Die Volksbank Köln Bonn berechnet für ihr Komfort-Konto inklusive Debitkarte 120 Euro pro Jahr. Wer zusätzlich Überweisungen in der Filiale aufgeben möchte, zahlt extra. Noch teurer wird es bei der Dortmunder Sparkasse: Deren Modell "Echt unser Bestes" kostet Kunden ab 27 Jahren stolze 238,80 Euro jährlich.
Doch nicht nur Sparkassen und Volksbanken langen zu. Auch die Commerzbank verlangt zwischen 58,80 Euro und 154,80 Euro pro Jahr, je nach Kontomodell. Der Grund dafür liegt in der Vergangenheit: "Wir hatten eine Phase der Niedrigzinsen, in der die Bank mit dem Geld auf dem Girokonto keine Erträge generieren konnte, oder beim Negativzins sogar Verluste generiert hat", erklärt Martin Faust, Experte für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance and Management. "Daraufhin haben die Banken vor einigen Jahren die Kontoführungsgebühr deutlich erhöht."
Neobanken als kostengünstige Alternative
Wer die Gebühren nicht zahlen möchte, hat längst Alternativen. Neobanken wie C24 und Neobroker mit Vollbanklizenz wie Trade Republic erheben keine Kontoführungsgebühren. Ihr Erfolgsrezept ist simpel: Sie arbeiten rein digital, ohne teure Filialnetze, und geben die geringeren Kosten an die Kunden weiter.
Dieses Angebot kommt an. Eine Bitkom-Studie aus dem Jahr 2024 zeigt, dass die Treue zur Hausbank seit Jahren bröckelt. Bereits 58 Prozent der Deutschen haben demnach schon einmal ihr Hauptgirokonto gewechselt. 2022 waren es erst 51 Prozent, 2018 sogar nur 35 Prozent. "Die Kunden achten immer mehr auf Preis und Leistung. Und sie sind nicht mehr bereit, für Dinge zu bezahlen, die sie nicht mehr brauchen", so Experte Faust.
Die Filiale spielt dabei eine immer geringere Rolle: Laut der Bitkom-Studie haben 2024 mehr als 40 Prozent der Bankkunden nie eine Filiale aufgesucht und ausschließlich Online-Banking genutzt. Entscheidend für die Wahl der Bank sind stattdessen digitale Angebote wie eine benutzerfreundliche App oder Mobile-Payment-Funktionen.
Worauf Verbraucher beim Wechsel achten sollten
Verbraucherschützer wie Finanztip raten, vor einem Wechsel genau auf versteckte Gebühren zu achten. Dazu zählen Kosten für Bankkarten, Überweisungen oder ein Mindestgeldeingang pro Monat. Auch die Frage, wo und ob kostenlos Bargeld abgehoben oder eingezahlt werden kann, ist entscheidend. Einen Überblick bietet etwa der Girokontovergleich von Finanztip.
Der Wechsel selbst ist gesetzlich geregelt. Das Zahlungskontengesetz verpflichtet Banken, ihren Kunden eine Kontowechselhilfe anzubieten. Der Ablauf: Der Kunde eröffnet ein Konto bei der neuen Bank und ermächtigt diese, die alten Daten anzufordern. Die alte Bank hat dann fünf Geschäftstage Zeit, um alle Zahlungen und Lastschriften der letzten 13 Monate zu übermitteln. Die neue Bank benötigt ebenfalls fünf Geschäftstage, um Daueraufträge einzurichten.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt, beide Konten für eine kurze Zeit parallel laufen zu lassen. Denn trotz gesetzlicher Fristen können Prozesse etwa über den Postweg länger dauern. Kommt es durch fehlerhafte Datenübertragungen zu einem finanziellen Schaden, etwa einer Mahnung, haften die Banken dafür.
Kostenlose Konten haben auch Schattenseiten
Doch selbst ein gebührenfreies Girokonto ist nicht ohne Tücken, warnt Martin Faust: "Die Bank erfährt natürlich auch sehr viel über den Kunden." Aus diesen Daten könne das Geldhaus Profit schlagen: "Hat er Guthaben, dann kann ich ihn vielleicht auf Wertpapiere ansprechen. Ist er oft im Minus, dann wäre vielleicht ein Konsumentendarlehen was."
Und auch der fehlende Filialservice ist nicht für jeden ein Segen. Zwar nutzt fast die Hälfte der Deutschen die Filialen nicht, doch viele schätzen die Option. "Viele wollen sich Optionen offenhalten. Es könnte ja mal der Fall sein, dass man vielleicht doch ein Problem hat, das man dann lieber persönlich in der Filiale klären möchte", erklärt Faust. "Diese Möglichkeit hat man noch im Hinterkopf und ist deswegen bereit, vielleicht doch bei der Bank zu bleiben, obwohl man diese Leistung gar nicht nutzt."
Für Privatanleger bleibt die Rechnung dennoch einfach: Wer bereit ist, komplett auf digitale Lösungen zu setzen, kann sich die teuren Kontoführungsgebühren sparen. Wer hingegen Wert auf persönliche Beratung und Filialservice legt, muss dafür weiterhin tief in die Tasche greifen.
