ANZEIGE

Führungswechsel bei Galeria Karstadt Kaufhof

Van den Bossche geht – Eigentümer setzen auf neue Doppelspitze und gestraffte Struktur

2 Min
Führungswechsel bei Galeria Karstadt Kaufhof

Olivier Van den Bossche, Vorstandsvorsitzender des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof, verlässt das Unternehmen mit sofortiger Wirkung. Die Entscheidung über seinen Abgang erfolgte offenbar nicht ganz freiwillig, wie es aus Unternehmenskreisen heißt. Dabei hatte Van den Bossche zuletzt mehrfach öffentlich betont, neue Projekte anstoßen zu wollen. Geplant war unter anderem eine Kooperation mit dem Bonusprogramm Payback sowie eine intensivere Zusammenarbeit mit Handelsketten wie Lidl und Decathlon. Diese Vorhaben wird der Manager nun nicht mehr umsetzen.

Stattdessen übernimmt ab sofort Tilo Hellenbock als Chief Operating Officer gemeinsam mit Finanzchef Christian Sailer die Geschäftsführung von Galeria. Nach Angaben des Unternehmens soll die neue Doppelspitze eine gestraffte Führungsstruktur ermöglichen und den Fokus auf die Fortsetzung des eingeleiteten Turnarounds legen. Zu den Gründen für den abrupten Wechsel äußerte sich Galeria nicht konkret. In der Pressemitteilung dankte Miteigentümer Bernd Beetz Van den Bossche für dessen Einsatz, insbesondere während der Insolvenz- und Restrukturierungsphase. Weitere lobende Worte fielen jedoch spärlich aus.

Innerhalb des Unternehmens kursieren unterschiedliche Vermutungen über den Hintergrund des Führungswechsels. Insidern zufolge stieß Van den Bossches Strategie, stärker mit externen Partnern zu kooperieren, auf Skepsis bei den Eigentümern. Vor allem die dafür nötigen Investitionen sollen auf Vorbehalte gestoßen sein. Auch interne Personalentscheidungen des bisherigen Chefs sollen bei den Gesellschaftern Irritationen ausgelöst haben.

Der erneute Wechsel an der Spitze wirft erneut ein Schlaglicht auf die anhaltenden Herausforderungen bei Galeria. In den vergangenen vier Jahren musste das Unternehmen dreimal Insolvenz anmelden, und die Zahl der Warenhäuser wurde in diesem Zeitraum halbiert. Seit dem Sommer 2024 ist Galeria im Besitz der US-Investmentgesellschaft NRDC des Investors Richard Baker sowie einer Beteiligungsfirma von Unternehmer Bernd Beetz. Letzterer hatte vor Kurzem eine zuvor genannte Umsatzprognose von 2,5 Milliarden Euro zurückgezogen und lediglich als mittelfristiges Ziel in Aussicht gestellt.

Zusätzliche Unsicherheit entstand durch den Gläubigerschutzantrag der kanadischen Kaufhauskette Hudson’s Bay Company, die ebenfalls mit Baker in Verbindung steht. Galeria betonte in einer Stellungnahme, dass es keine gesellschaftsrechtlichen Verbindungen zwischen beiden Unternehmen gebe und die Finanzierung von Galeria eigenständig gesichert sei. Ob diese Botschaft ausreicht, um das Vertrauen von Geschäftspartnern und Lieferanten aufrechtzuerhalten, bleibt offen.

GaleriaManagement Handel & Konsum

Meistgelesene News

  1. Chevron und Halliburton: Öldeal mit Venezuela treibt Aktienkurse an
  2. Tesla am Scheideweg: Rekordumsatz trifft auf milliardenschwere KI-Ambitionen
  3. Teslas 25-Milliarden-Wette: Vom Autobauer zum KI-Roboter-Konzern
  4. Tesla-Robotaxi-Strategie und BYD-Expansion prägen das globale EV-Duell
  5. Führungswechsel bei Volksbank Brawo und L3Harris erschüttern Märkte

Disclaimer