Amazon unter Druck wegen geplanter Preistransparenz
Trump-Regierung spricht von feindlichem Akt und wirft Bezos Nähe zu China vor

Die US-Regierung hat die Handelsplattform Amazon scharf kritisiert. Grund dafür ist ein Bericht, demzufolge der Konzern erwogen haben soll, bei Produktpreisen künftig den Anteil der durch US-Zölle verursachten Kosten auszuweisen. Karoline Leavitt, Sprecherin des Weißen Hauses, bezeichnete dieses Vorhaben als "feindlichen und politischen Akt". Laut der Plattform "Punchbowl News" soll die Information von einer anonymen Quelle stammen. Das Weiße Haus sieht in dem mutmaßlichen Schritt einen Angriff auf die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump.
Amazon widersprach den Berichten umgehend. In einer ersten Erklärung hieß es, lediglich innerhalb der Discount-Abteilung "Amazon Haul" habe es Überlegungen gegeben, solche Angaben zu machen. Für die Hauptseite des Unternehmens habe es keine derartigen Pläne gegeben. In einer weiteren Stellungnahme betonte Amazon, dass die Idee nicht genehmigt worden sei und nicht zur Umsetzung gekommen wäre. Das Unternehmen bemühte sich damit, mögliche Spannungen mit der Regierung zu entschärfen.
Präsident Trump erklärte später, er habe ein gutes Telefonat mit Amazon-Gründer Jeff Bezos geführt. Ob das Verhältnis der beiden tatsächlich unbelastet ist, blieb unklar. Karoline Leavitt äußerte sich auf Nachfrage nicht dazu, ob Bezos weiterhin als Unterstützer Trumps gelte. Stattdessen warf sie dem Unternehmer vor, chinesische Propaganda zu fördern. Zur Untermauerung dieses Vorwurfs zeigte sie einen Artikel, dem zufolge Amazon auf Wunsch der chinesischen Behörden die Kommentarfunktion zu einem Buch von Staatschef Xi Jinping deaktiviert habe.
Das Verhältnis zwischen Trump und Bezos war in der Vergangenheit von Spannungen geprägt. Insbesondere die "Washington Post", die sich im Besitz von Bezos befindet, hatte während Trumps erster Amtszeit mit kritischer Berichterstattung für Unmut im Weißen Haus gesorgt. Kurz vor der Präsidentschaftswahl 2024 stoppte Bezos eine bereits vorbereitete Wahlempfehlung für die demokratische Kandidatin Kamala Harris. Dieser Schritt löste sowohl in der Redaktion als auch bei den Lesern der Zeitung Proteste aus.
Ende Februar dieses Jahres sorgte Bezos erneut für Diskussionen, als er neue Regeln für das Meinungsressort und die Kommentarspalte der "Washington Post" einführte. Zudem arbeitet Amazon Prime Video an einer Dokumentation über First Lady Melania Trump. Für die Rechte an dem Film soll Bezos laut Berichten 40 Millionen Dollar gezahlt haben. Darüber hinaus investierte der Unternehmer 25 Millionen Dollar zur Beilegung eines Rechtsstreits mit Trump und nahm an dessen Amtseinführung teil.
