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Frankreich und Italien deckeln Spritpreise – Deutschland bleibt beim Wettbewerb

TotalEnergies und Eni begrenzen Spritpreise freiwillig. In Deutschland setzt man auf Marktwettbewerb statt staatlicher Eingriffe.

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Frankreich und Italien deckeln Spritpreise – Deutschland bleibt beim Wettbewerb

TotalEnergies begrenzt in Frankreich den Preis für Benzin auf 1,99 Euro pro Liter und für Diesel auf 2,25 Euro. In Italien setzt Eni die Obergrenze für Benzin bei 1,99 Euro und für Diesel bei 2,19 Euro an. Die Eni-Maßnahme gilt ab dem 28. September und ist zunächst auf 30 Tage angelegt. Es handelt sich damit um keine staatlich verordneten Preisvorgaben, sondern um freiwillige Deckel der Konzerne selbst.

Hinter diesen Schritten steht allerdings staatlicher Druck. Beide Unternehmen sind nicht nur an Tankstellen, sondern auch in der Raffinerie und im Großhandel aktiv. Genau dort fallen derzeit hohe Margen an, während die Margen an der Zapfsäule vergleichsweise klein bleiben. Der DIW-Ökonom Tomaso Duso erklärt: "Die Konzerne wie Eni verdienen im Moment sehr viel an der Raffinerie, da sind die Margen relativ hoch."

Für die Konzerne ist der Deckel teuer, aber verkraftbar. TotalEnergies beziffert die Kosten auf 250 bis 300 Millionen Euro. Eni rechnet mit schätzungsweise 100 Millionen Euro pro Monat. Gemessen an den Gewinnen relativiert sich der Aufwand: TotalEnergies erzielte im ersten Halbjahr 2026 einen Gewinn von 11,2 Milliarden Euro. Eni steigerte seinen bereinigten Nettogewinn im ersten Halbjahr um 43 Prozent auf über 3,6 Milliarden Euro. Dazu kommt eine politische Komponente: Der italienische Staat hält über das Ministerium und die Cassa Depositi e Prestiti gut 33 Prozent an Eni.

Frankreich und Italien: Deckel als Deal mit der Regierung

In beiden Ländern ist der Preisdeckel auch eine Antwort auf die politische Debatte. In Italien wird über eine Übergewinnsteuer für Energieunternehmen diskutiert. Der Deckel von Eni lässt sich deshalb als Versuch lesen, das Risiko einer solchen Steuer zu senken. Duso beschreibt die Logik so: "In Italien und Frankreich steht hinter dem Deckel ein Deal mit der Regierung sozusagen. Also keine Übergewinnsteuer, keine anderen Preiseingriffe."

Diese Konstellation ist im Nachbarland Frankreich besonders ausgeprägt. TotalEnergies kommt dort auf einen Marktanteil von etwa 30 Prozent. Ein einzelner großer Anbieter mit einer solchen Stellung kann einen Preisdeckel vergleichsweise wirksam umsetzen, weil er einen erheblichen Teil des Marktes abdeckt.

In Deutschland fehlt eine vergleichbare Struktur. Der hiesige Markt ist mit rund 14.000 Tankstellen stark zersplittert und kennt keinen nationalen Champion. Aral liegt laut Alexander von Gersdorff bei einem Marktanteil von rund 15 Prozent. Nach Tankstellenanteilen folgen Shell mit mehr als 13 Prozent, Circle K/TotalEnergies und Esso mit jeweils rund 8 Prozent, Avia und Jet mit rund 6 Prozent, Raiffeisen mit 5 Prozent sowie Orlen/Star mit 4 Prozent. Die acht größten Betreiber kommen zusammen auf etwa zwei Drittel des Netzes.

Ein weiterer Unterschied: Die Mineralölkonzerne in Deutschland sind unabhängiger vom Staat als in Frankreich und Italien. Ein freiwilliger Preisdeckel eines einzelnen Anbieters könnte hierzulande den Preisdruck auf Wettbewerber erhöhen – kartellrechtlich spricht nach derzeitigem Stand nichts gegen einen eigenständigen Deckel. Besonders kleinere Tankstellen geraten dabei unter Druck, weil sie über keine eigenen Raffinerien verfügen.

Das eigentliche Problem ist die weltweite Knappheit

Der Bundeskartellamt beobachtet die Raffinerieebene bereits seit Mai im Rahmen laufender Verfahren. Denn der Hebel liegt nicht an der Zapfsäule, sondern in der Weiterverarbeitung und im Großhandel. Genau dort entstehen die hohen Margen, die den Preisdruck an den Tankstellen erklären.

Das Grundproblem lösen Preisdeckel jedoch nicht. Kraftstoff ist weltweit knapp, besonders Diesel. Ein Deckel senkt nur den Preis im eigenen Land, nicht die Knappheit. Er könnte sogar die Nachfrage erhöhen und damit den Druck auf andere Märkte verstärken. Aus Sicht der Fachleute sind die Deckel daher keine geeignete Antwort. Der IW-Ökonom Thomas Puls rechnet ohnehin nicht mit echten Verlusten der Konzerne: "Wenn überhaupt, kann man mit entgangenen Gewinnen rechnen, denke ich. Verluste werden die bestimmt nicht machen."

Statt Preisdeckeln plädieren die Experten für gezielte Unterstützung. Duso schlägt direkte Zahlungen an einkommensschwache Haushalte vor. Puls setzt darauf, betroffene Haushalte über Steuerunterlagen und die Pendlerpauschale zu identifizieren. Für Privatanleger bedeutet das: Die Debatte um Deckel und Übergewinnsteuern bleibt ein Risikofaktor für Energieaktien, während die weltweite Verknappung, insbesondere bei Diesel, den mittelfristigen Preistrend bestimmen dürfte.

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