Tankrabatt auf Sprit: 16,7 Cent Entlastung und ihre Tücken
Seit Mitternacht gilt der neue Steuerrabatt auf Kraftstoffe. Autofahrer sollen 16,7 Cent pro Liter sparen – doch die Weitergabe ist umstritten.

Autofahrer in Deutschland können seit Mitternacht beim Tanken sparen: Bis zum 31. Dezember gilt ein Rabatt auf Kraftstoffe. Der Staat verzichtet dabei auf 14,04 Cent Energiesteuer pro Liter. Weil dadurch auch die Mehrwertsteuer sinkt, ergibt sich ein Steuerrabatt von insgesamt 16,7 Cent pro Liter.
Ein wichtiges Detail steckt im Kleingedruckten: Der Rabatt greift bereits bei der Lieferung des Sprits an die Tankstellen – nicht erst am Verkaufsstand. Ob die Entlastung tatsächlich an der Zapfsäule ankommt, hängt deshalb von den Mineralölkonzernen und den Betreibern ab. Tankstellen sind nicht zur Weitergabe verpflichtet.
Genau darum ist die Weitergabe des Rabatts heftig umstritten. Bei früheren Tankrabatten im Mai und Juni war der Nachlass nach Einschätzung von Beobachtern nicht vollständig weitergegeben worden. Die Mineralölwirtschaft bestreitet das entschieden. Die Preise waren wenige Tage nach dem Start der damaligen Entlastung sogar gestiegen. Die tatsächliche Weitergabe ist schwer messbar, weil die Spritpreise ohnehin stark schwanken.
Der Verband rechnet mit sofortiger Entlastung
In die Debatte um die Weitergabe schaltet sich auch en2x ein, der Wirtschaftsverband Fuels und Energie. Er erwartet, dass der Rabatt sofort und vollständig an die Kunden weitergegeben wird. Beobachten lassen sich die Preise unter anderem über Portale wie Tankerkönig. Zugleich hatten sich in der Vergangenheit das Ifo-Institut, die Monopolkommission und das Bundeskartellamt mit der Frage befasst, wie vollständig solche Entlastungen beim Verbraucher ankommen.
Vormittags sinkende Preise dank 12-Uhr-Regel
Für Autofahrer lohnt ein Blick auf die Uhr. Die sogenannte 12-Uhr-Regel sorgt dafür, dass die Preise am Vormittag nur sinken dürfen. Der niedrigste Preis des Tages liegt deshalb meist kurz vor 12 Uhr – dann kann es allerdings zu Schlangen an den Zapfsäulen kommen. Nach 12 Uhr ist der Sprit vielerorts oft etwa 20 Cent pro Liter teurer. Wer flexibel ist, kann die Differenz nutzen, indem er vor dem Mittag tankt statt danach.
Hinzu kommen erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Tankstellen. In Großstädten liegen die Preisunterschiede im zweistelligen Centbereich. Ein Vergleich mehrerer Stationen kann sich also auszahlen – ein genauer Blick auf die Preise vor der Abfahrt spart bares Geld.
Was die Entlastung konkret bringt
Zwei Rechenbeispiele zeigen, wie viel unter dem Strich übrig bleibt. Ein Diesel-Fahrer, der 15.000 Kilometer im Jahr fährt und 7 Liter auf 100 Kilometern verbraucht, tankt in drei Monaten rund 262,5 Liter. Bei 16,7 Cent pro Liter summiert sich das auf knapp 44 Euro Ersparnis.
Bei einem Benziner mit 9.000 Kilometern Jahresfahrleistung und 8 Litern Verbrauch auf 100 Kilometern sind es 180 Liter in drei Monaten. Das entspricht einer Ersparnis von rund 30 Euro. Die Entlastung fällt damit spürbar, aber überschaubar aus – und sie steht und fällt mit der Frage, ob die Konzerne den Rabatt tatsächlich weiterreichen.
Warum die Spritpreise so hoch bleiben
Der Tankrabatt trifft auf ein ohnehin angespanntes Marktumfeld. Vor dem Iran-Krieg kostete Super E10 Ende Februar 1,78 Euro pro Liter, Diesel 1,75 Euro. Am vergangenen Sonntag lagen die Preise bereits bei 2,28 Euro für Super E10 und 2,43 Euro für Diesel.
Der Iran-Krieg schränkt die Öl- und Treibstoffexporte aus der Golf-Region ein. Hinzu kommen fehlende Raffineriekapazitäten und logistische Probleme durch Niedrigwasser. Diese Faktoren treiben die Preise unabhängig vom Steuerrabatt nach oben und überlagern dessen Wirkung.
2,485 Milliarden Euro weniger Steuern
Für den Staat ist der Rabatt teuer: Die Bundesregierung erwartet Mindereinnahmen von 2,485 Milliarden Euro. Diesmal tragen die Länder die Hälfte der Kosten. Der Bund tritt den Ländern dafür weniger Umsatzsteuereinnahmen ab. Dass sich die Länder an den Kosten einer Bundesentscheidung beteiligen, ist ungewöhnlich und unterstreicht die politische Tragweite des Rabatts.
