Trump: Südkorea investiert 200 Milliarden Dollar in US-Energie
US-Präsident Donald Trump kündigt ein 200-Milliarden-Paket an: LNG in Alaska, acht Kernkraftwerke und ein Gaskraftwerk in Texas.

US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch Pläne vorgestellt, wonach Südkorea 200 Milliarden US-Dollar in US-Energieinitiativen investieren soll. Zu den Vorhaben zählen ein seit langem verzögertes Flüssigerdgasprojekt (LNG) in Alaska, acht Kernkraftwerke sowie ein sechs Gigawatt starkes Kraftwerk in Texas. Die Investitionszusagen sind Teil eines strategischen Investitionspakets im Wert von 350 Milliarden US-Dollar, das Seoul im vergangenen Jahr im Rahmen eines Handelsabkommens vereinbart hatte, das im Austausch gegen reduzierte US-Zölle geschlossen wurde.
Trump bezeichnete die Maßnahmen als „einen wichtigen Schritt zur Sicherung unserer kritischen Energieversorgungskette, zur Gewährleistung der amerikanischen Energiehoheit und zur Stärkung unserer Partnerschaft mit Südkorea sowie der gesamten Pazifikregion über alle bisherigen Maßstäbe hinaus“. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er später: „Dies sind die Art von Projekten, die Amerika für Generationen transformieren können – MEHR STROM, MEHR BAU, MEHR HERSTELLUNG, MEHR ENERGIESICHERHEIT und große neue Chancen für amerikanische Arbeiter.“
Der Zeitpunkt der Ankündigung ist politisch brisant: Sie erfolgt nur fünf Wochen vor den Halbzeitwahlen in den USA und umfasst milliardenschwere Initiativen in Alaska und Texas – zwei Bundesstaaten, in denen republikanische Kandidaten auf harte Wahlschlachten vorbereitet sein müssen. Südkorea stand laut dem Bericht in Washington unter Druck, ein Investitionsprojekt bekanntzugeben – ein Jahr nach Vereinbarung des Deals und nachdem Japan ähnliche Energiepläne vorgestellt hatte.
Die Details
Trump gab an, Südkorea werde 54 Milliarden US-Dollar in das Alaska-LNG-Projekt investieren, einen vorgeschlagenen Pipeline- und Verflüssigungsanlagenkomplex. Nach seinen Angaben soll das Vorhaben 12.000 Baujobs schaffen und die Energiekosten für Haushalte in Alaska senken. Das Projekt, das von der Glenfarne Group unterstützt wird, wird seit Jahrzehnten als Möglichkeit vorgeschlagen, um Gemeinden an der Westküste Alaskas, die unter Energieknappheit leiden, mit Gas zu versorgen und den Staat zu einem wichtigen Lieferanten von Brennstoffen nach Asien zu machen.
Brendan Duval, Chief Executive der Glenfarne Group, sagte, die Pipeline werde drei Jahre bis zum Bau benötigen und fünf Jahre, bis die Ausfuhr des LNG beginne. Der Senator für Alaska, Dan Sullivan, der sich für den LNG-Plan eingesetzt hat, war bei der Ankündigung im Oval Office am Mittwoch anwesend. Er befindet sich in einem engen Wahlkampf gegen die ehemalige demokratische Abgeordnete Mary Peltola.
US-Handelsminister Howard Lutnick sagte, „ganz Südostasien“ werde vom Alaska-Plan profitieren. Lutnick zufolge würde Seoul zudem den Bau eines „22 Milliarden US-Dollar teuren gasbefeuerten Kraftwerks“ in Texas unterstützen und den Bau von acht Kernkraftwerken in Ohio, Tennessee, South Carolina und Kentucky. Trump sagte, sechs der Reaktoren würden von der US-Kernenergiegruppe Westinghouse gebaut, zwei von einem südkoreanischen Unternehmen.
Doch die Begeisterung wird von erheblicher Skepsis begleitet. Mehrere große Energiekonzerne, die in der Region tätig sind, darunter ExxonMobil, hatten erwogen, das Alaska-Projekt zu unterstützen, sich jedoch später aufgrund der hohen Kosten und Risiken eines Betriebs in diesem Bundesstaat dagegen entschieden. Bisher hatte lediglich ein einziges asiatisches Unternehmen, die südkoreanische Posco Group, eine Eigenkapitalbeteiligung an dem Projekt getätigt.
Es bleibt unklar, wie schnell Südkorea die Finanzierung der am Mittwoch angekündigten Projekte genehmigen würde. Eine gemeinsame Erklärung des südkoreanischen Handelsministeriums war zurückhaltender formuliert und besagte, dass die Länder vereinbart hätten, „mit dem Alaska-LNG-Projekt zu arbeiten, vorbehaltlich der Erfüllung kommerzieller Zumutbarkeit gemäß dem Memorandum of Understanding (MOU) über strategische Investitionen und aller geltenden innerstaatlichen Rechtsvorschriften“. Das Botschaftsbüro Südkoreas in Washington antwortete nicht umgehend auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme.
Song Jae-bong, ein Mitglied der Nationalversammlung Südkoreas aus der regierenden Demokratischen Partei von Präsident Lee Jae Myung, äußerte ebenfalls Vorsicht: „Sie stellten Angelegenheiten dar, als wären sie vollständig vereinbart worden, obwohl in Wirklichkeit keine solche Vereinbarung bestand“, sagte er. „Die USA machten fortlaufend Forderungen, woraufhin als Antwort kam: ‚Lassen Sie uns darüber diskutieren; lassen Sie uns darüber sprechen.‘“
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 18.09.2026 berichtete aktien.news, dass Südkorea und die USA die Umsetzung eines milliardenschweren Investitionspakets vorantreiben, das im vergangenen Jahr im Rahmen eines Handelsabkommens vereinbart wurde. Seoul hatte demnach Investitionen in Höhe von 350 Milliarden US-Dollar zugesagt, im Gegenzug senkten die USA die Zölle auf südkoreanische Waren auf 15 Prozent. Während 150 Milliarden Dollar für den Schiffbau bereits fest eingeplant waren, wurden die Details für die verbleibenden 200 Milliarden Dollar an strategischen Investitionen noch ausgehandelt – im Fokus standen ein Gaskraftwerk in Texas, der Bau von Kernreaktoren und eine Beteiligung am US-Atomkonzern Westinghouse.
Am 22.09.2026 berichtete aktien.news erneut über das Paket und präzisierte die Aufteilung: Von den 350 Milliarden Dollar sind 150 Milliarden Dollar für den Schiffbau vorgesehen, während die Einzelheiten für die verbleibenden 200 Milliarden Dollar in strategischen Investitionen noch ausgearbeitet werden. Das südkoreanische Wirtschaftsministerium teilte Gesetzgebern demnach mit, dass Präsident Donald Trump voraussichtlich eine endgültige Ankündigung vornehmen werde.
Am 23.09.2026 meldete aktien.news, dass Seoul den Bau eines Gaskraftwerks im US-Bundesstaat Texas finanzieren wolle und das Weiße Haus das Projekt bereits am Mittwoch ankündigen könnte. Das Projekt wäre das erste konkrete Vorhaben im Rahmen des 350 Milliarden US-Dollar schweren Investitionsabkommens. Ebenfalls am 23.09.2026 hieß es, Trump und der südkoreanische Präsident Lee Jae-myung hätten die „erheblichen Fortschritte“ bei der Umsetzung des langjährig blockierten Investitionsabkommens hervorgehoben; aus Regierungskreisen in Seoul verlautete, das erste Projekt solle eine 22,3 Milliarden Dollar teure, gasbefeuerte Stromentwicklungsanlage im US-Bundesstaat Texas sein.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Ankündigung vor allem ein Signal zur Umsetzungskraft des 350-Milliarden-Dollar-Pakets, das seit Monaten als Absichtserklärung existierte. Nun liegen erstmals konkrete Projektzusagen auf dem Tisch – vom Texas-Kraftwerk über die acht Reaktoren bis zum Alaska-LNG-Komplex. Entscheidend ist allerdings, dass die Finanzierung ausdrücklich unter Vorbehalt steht: Das südkoreanische Handelsministerium verknüpft das Alaska-Projekt mit kommerzieller Zumutbarkeit und geltenden innerstaatlichen Rechtsvorschriften, die Genehmigungsgeschwindigkeit ist offen.
Analysten verweisen auf strukturelle Risiken. Alex Munton von der Rapidan Energy Group sagte, staatliche Unterstützung sei entscheidend für den Bau der Anlage: „Wenn dieses Projekt vorankommt, wird es staatliche Finanzmittel benötigen, da es allein kommerziell nicht tragfähig ist.“ Jennifer Lee, Partnerin der Washington-basierten The Asia Group, erwartet, dass die erste Auszahlung an das Texas-Projekt gebunden sein werde, da es „substanziell stärker geprüft“ worden sei; für das Alaska-LNG-Projekt werde sich Seoul wahrscheinlich Zeit für die Due Diligence nehmen.
Bei den Kernkraftwerken mahnen Analysten zur Geduld: Der Bau stelle eine langfristige Verpflichtung dar, die Jahrzehnte dauern könne und anfällig für Kostenüberschreitungen sei. Ein von der Trump-Administration mit Westinghouse bekannt gegebenes Abkommen zur Finanzierung des Baus von zehn Reaktoren mit Geldern der japanischen Regierung hat bislang wenig Fortschritte verzeichnet. Anleger sollten diese Vorbehalte bei der Bewertung von Unternehmen aus den Bereichen Energieanlagenbau, LNG und Nukleartechnik berücksichtigen – dies ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Ausblick
Offen bleibt, wie schnell Südkorea die Finanzierung genehmigt und wann die erste Auszahlung fließt. Duval zufolge benötigt die Pipeline drei Jahre Bauzeit, bis zum Beginn der LNG-Ausfuhr vergehen fünf Jahre. Die Projekte in Alaska und Texas dürften im Umfeld der US-Halbzeitwahlen in fünf Wochen politisch weiter eine Rolle spielen. Ob das bereits angekündigte Westinghouse-Abkommen zur Finanzierung von zehn Reaktoren Fortschritte macht, ist ebenfalls nicht absehbar.
Kurz erklärt
- LNG: Flüssigerdgas, das stark abgekühlt und dadurch per Schiff über weite Strecken transportierbar wird.
- MOU: Ein Memorandum of Understanding ist eine unverbindliche Absichtserklärung zwischen zwei Partnern.
- Due Diligence: Die sorgfältige Prüfung eines Projekts oder Unternehmens vor einer Investitionsentscheidung.
