Brasilien und USA gründen Arbeitsgruppe für mögliches Handelsabkommen
Nach einem Treffen am Rande der G20-Handelsministerkonferenz wollen Brasilien und die USA in einer Arbeitsgruppe über ein Handelsabkommen verhandeln.

Brasilien und die USA werden eine gemeinsame Arbeitsgruppe einrichten, um Fragen im Zusammenhang mit einem möglichen Handelsabkommen zu erörtern. Das teilte die brasilianische Regierung am Mittwoch in einer Erklärung nach einem Treffen von Beamten beider Länder mit. Demnach soll die Arbeitsgruppe als Plattform dienen, um die Bedingungen für ein bilaterales Abkommen auszuloten.
Konkret wird die USA in den kommenden Wochen einen Vorschlag vorlegen, der den Umfang der Verhandlungen festlegt. Dieser Vorschlag soll sowohl Zoll- als auch Nichtzollfragen umfassen. Beide Seiten streben nach Angaben aus Brasília danach, zügig zu einer gegenseitig akzeptablen Übereinkunft zu gelangen. Damit setzen die beiden größten Volkswirtschaften des amerikanischen Doppelkontinents ein klares Signal für eine Entspannung im zuletzt angespannten Handelsverhältnis.
Treffen am Rande der G20
Zusammengekommen waren Brasiliens Außenminister Mauro Vieira und Handelsminister Marcio Elias Rosa mit dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer. Das Treffen fand am Rande der G20-Beratungen der Handelsminister statt. Es knüpft an bilaterale Engagements an, die auf ein Telefonat im August zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem brasilianischen Amtskollegen Luiz Inacio Lula da Silva folgten. Schon damals hatten beide Regierungschefs den Willen bekundet, den Handelsstreit zu entschärfen.
Der Hintergrund der Gespräche ist ein handfester Zollkonflikt. Washington hatte im Juli Zölle in Höhe von 25 Prozent auf einige brasilianische Waren angekündigt und dies mit dem Vorwurf unfairen Handelspraktiken begründet. Hinzu kamen Zölle in Höhe von 12,5 Prozent, die mit Vorwürfen einer laxen Durchsetzung von Verboten für Zwangsarbeit verknüpft waren. Für Brasilien, einen der wichtigsten Exporteure von Rohstoffen und Agrarprodukten, sind solche Abgaben eine erhebliche Belastung.
Brasilien hält Reziprozitätsgesetz zurück
Bemerkenswert ist die zurückhaltende Haltung Brasiliens in dem Konflikt. Präsident Lula sagte gegenüber CNN International Anfang dieses Monats, sein Land beabsichtige nicht, sein sogenanntes Reziprozitätsgesetz bezüglich Zöllen gegen die USA einzusetzen, solange die Handelsgespräche andauern. Dieses Gesetz würde Brasilien grundsätzlich erlauben, auf einseitig verhängte US-Abgaben mit eigenen Vergeltungszöllen zu reagieren. Brasília verzichtet damit vorerst bewusst auf eine Eskalation, um den Verhandlungsspielraum nicht zu gefährden.
Für deutsche Anleger und Unternehmen ist die Entwicklung von Bedeutung, weil Brasilien ein wichtiger Handelspartner für Rohstoffe, Agrarerzeugnisse und Industriegüter ist. Eine Entspannung im US-brasilianischen Verhältnis könnte indirekt auch die globalen Lieferketten stabilisieren, während eine Eskalation neue Unsicherheiten für exportorientierte Branchen mit sich brächte.
Ob aus der Arbeitsgruppe tatsächlich ein Handelsabkommen entsteht, ist offen. Klar ist bislang nur: Die USA wollen in den kommenden Wochen ihren Vorschlag vorlegen, und beide Seiten haben erklärt, zügig zu einer Lösung kommen zu wollen. Der weitere Fahrplan hängt maßgeblich davon ab, wie sich die Gespräche über Zoll- und Nichtzollfragen gestalten.
