Fitnesskette Common Bond schließt alle Studios – Barrecore und Boom Cycle betroffen
Die Premium-Fitnessmarken Barrecore, Boom Cycle und Kobox sind bis auf Weiteres geschlossen – das Unternehmen nennt keine Gründe.

Das Fitnessunternehmen Common Bond hat sämtliche seiner Studios geschlossen. Die Nachricht erreichte die Kunden per E-Mail, die der BBC vorliegt und am Mittwoch verschickt wurde. Betroffen sind die Premium-Kursangebote Barrecore, Boom Cycle und Kobox. Alle Standorte des Unternehmens befinden sich derzeit ausschließlich in London.
In der E-Mail heißt es laut BBC: "Wir bedauern sehr, Ihnen mitteilen zu müssen, dass alle Common-Bond-Studios bis auf Weiteres geschlossen sind." Das Unternehmen ergänzte: "Wir entschuldigen uns aufrichtig für die Unannehmlichkeiten und Störungen, die dies verursachen kann. Wir verstehen, dass dies frustrierend ist, und danken Ihnen für Ihre Geduld, während wir diese Angelegenheit klären."
Eine Begründung für den Schritt nennt Common Bond nicht. Auch die Website des Unternehmens ist nicht mehr öffentlich zugänglich. Die BBC hat Common Bond um eine Stellungnahme gebeten. Für Kunden und Beschäftigte bleibt die Lage damit vorerst unklar.
Die Details
Common Bond bezeichnet sich selbst als Wellness-Kollektiv. Für zwölf Monate unbegrenzter Kursbesuche verlangt das Unternehmen 2.400 Pfund – ein Preisniveau, das den Anspruch als Premium-Anbieter unterstreicht. Neben Barrecore, Boom Cycle und Kobox gehören auch die Marken Reformcore und Triyoga zum Portfolio. Im August vergangenen Jahres gab Common Bond an, über zehn Standorte zu verfügen.
Für das Personal kam die Schließung offenbar ohne Vorwarnung. Mehrere Instruktorinnen erklärten gegenüber der BBC, sie seien in der vergangenen Woche darüber informiert worden, dass ihre Vergütung nicht pünktlich ausgezahlt werde. Erst durch die E-Mail vom Mittwoch erfuhren die Beschäftigten von der Schließung der Studios.
Eine Instruktorin schilderte, ihr und ihren Kolleginnen sei am Fälligkeitstag ihrer Gehälter, dem 14. August, mitgeteilt worden, dass sich die Auszahlung verzögere. Sie sagte: "In gutem Glauben habe ich meine Kurse weiter unterrichtet, ohne jegliche Informationen darüber zu erhalten, wann oder ob überhaupt eine Zahlung erfolgen würde. Seitdem habe ich absolut nichts mehr gehört."
Wie viele Instruktorinnen und Kunden von der plötzlichen Entscheidung betroffen sind, ist unklar. Auch zur finanziellen Lage des Unternehmens gibt es bislang keine öffentlichen Angaben. Die Formulierung "bis auf Weiteres" bedeutet dabei, dass die Schließung ohne festes Enddatum gilt – ein Wiedereröffnungstermin wird nicht genannt.
Einen gewissen Einblick erlaubt das britische Handelsregister Companies House. Dort zeigt sich, dass Common Bond im Juni vergangenen Jahres gegründet wurde und deshalb noch keine Geschäftsberichte veröffentlicht hat. Die neuesten Einreichungen zeigen zudem, dass ein Direktor, Ben Allen, die Rolle im vergangenen Monat verlassen hat. Gaspar Lipszyc, der als belgischer Staatsbürger mit Wohnsitz in Spanien geführt wird, ist der derzeit einzige angegebene Direktor des Unternehmens.
Barrecore ist eine Marke, die sich auf Barre spezialisiert hat. Diese Fitnessdisziplin kombiniert Elemente aus Pilates, Ballett und Yoga und gilt als schonende Übungsform. Ihre Popularität ist in den letzten Jahren stark gestiegen, da auch bekannte Persönlichkeiten wie Pippa Middleton ihre Vorteile gelobt haben. Boom Cycle und Kobox stehen dagegen für andere Kursformate innerhalb desselben Portfolios – das Unternehmen bündelt damit mehrere Marken unter einem Dach.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 20.07.2026 berichtete aktien.news, dass die britische Mittelschicht zunehmend unter finanziellen Druck gerät. Laut einer Analyse offizieller Daten hatte sich der Anteil der Bezieher mittlerer Einkommen, die ihre Lastschriften nicht mehr begleichen können, seit 2021 verdoppelt. Besonders auffällig war damals, dass immer häufiger Zahlungen für Fitnessstudio-Mitgliedschaften ausblieben – Ausgaben, die traditionell als Zeichen eines gesicherten Lebensstandards gelten. Der Befund zeigte, dass die Lebenshaltungskostenkrise in Großbritannien längst nicht mehr nur einkommensschwache Haushalte trifft.
Auch innerhalb der Fitnessbranche mehrten sich die Warnsignale. Am 31.01.2026 berichtete aktien.news, dass der US-Hersteller von Fitnessgeräten Peloton Interactive ankündigte, 11 Prozent seiner Belegschaft zu entlassen. Betroffen waren rund 286 der insgesamt mehr als 2.600 Mitarbeiter, die das Unternehmen laut Geschäftsbericht zum 30. Juni beschäftigte. Die Maßnahme war Teil umfassender Sanierungsbemühungen, mit denen CEO Peter Stern das angeschlagene Unternehmen wieder auf Kurs bringen wollte. Beide Berichte zeigen, dass der Druck auf Fitnessanbieter und ihre Kunden nicht neu ist.
Was das für Anleger bedeutet
Common Bond ist ein privates Unternehmen und nicht börsennotiert. Eine direkt handelbare Aktie gibt es für deutsche Privatanleger daher nicht. Belastbare Kennzahlen zu Umsatz, Verschuldung oder Investoren von Common Bond sind öffentlich nicht verfügbar; die Bewertung des Falls bleibt damit auf die berichteten Fakten beschränkt.
Bedeutsam ist der Vorgang dennoch als Signal. Er reiht sich in eine Serie von Berichten über Zahlungsausfälle und Konsumzurückhaltung im britischen Freizeit- und Wellnessmarkt ein, über die aktien.news zuletzt mehrfach berichtet hat. Wer in konsumnahen Werten oder im Fitness- und Freizeitsektor engagiert ist, sollte die Entwicklung des britischen Premium-Segments im Blick behalten. Auffällig ist, dass ein Anbieter mit einem Preismodell im oberen Segment und nach eigener Darstellung mehr als zehn Standorten seine Studios innerhalb kürzester Zeit schließt – und dass die Vergütung von Personal offenbar bereits vorher ins Stocken geriet.
Hinweis: Dieser Artikel ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Ausblick
Das Unternehmen hat die Schließung "bis auf Weiteres" angekündigt. Ein Datum für eine mögliche Wiedereröffnung nennt Common Bond nicht. Auch zu einer Rückkehr des Kursbetriebs oder zu offenen Forderungen von Instruktorinnen liegen keine Angaben vor. Die BBC hat das Unternehmen um eine Stellungnahme gebeten.
Neue Geschäftszahlen wird Common Bond erst mit seinen ersten veröffentlichten Abschlüssen vorlegen – bislang hat das im Juni vergangenen Jahres gegründete Unternehmen keine Geschäftsberichte eingereicht. Solange keine Abschlüsse und keine Stellungnahme vorliegen, bleibt offen, wie sich die Schließung für Kunden, Personal und die beteiligten Marken Barrecore, Boom Cycle, Kobox, Reformcore und Triyoga weiter entwickelt.
Kurz erklärt
- Barre: Fitnessdisziplin, die Elemente aus Pilates, Ballett und Yoga verbindet und als gelenkschonend gilt.
- Companies House: britisches Handelsregister, in dem Unternehmen Gründung, Direktoren und Jahresabschlüsse offenlegen.
- Bis auf Weiteres: Formulierung für eine Maßnahme ohne festes Enddatum.
