Fed-Zinserhöhung: UBS sieht Schwellenländer besser gewappnet als früher
UBS-Analysten halten Schwellenmarktwerte für robuster gegenüber einer restriktiveren US-Geldpolitik als in früheren Zinszyklen.

Schwellenmarktwerte können einer restriktiveren US-Notenbank Fed standhalten. Zu dieser Einschätzung kommen UBS-Analysten in einem aktuellen Forschungsbericht. Als Begründung verweisen sie auf stärkere wirtschaftliche Fundamentaldaten und ein widerstandsfähiges globales Wachstum, das die Anfälligkeit der Emerging Markets für eine engere US-Geldpolitik verringert habe.
Hintergrund ist die jüngste Entscheidung der Fed: Bei ihrer September-Sitzung hob die US-Notenbank die Zinsen um 25 Basispunkte an. Es war der erste Anstieg seit 2023. Gleichzeitig signalisierte die Fed, dass die Zinssätze bis 2027 über 4% bleiben könnten. Die Märkte hätten bereits etwa drei weitere Anstiege bis Mitte 2027 eingepreist, so UBS. Dadurch steigt die Hürde für die Zentralbank, mit einem noch restriktiveren Schritt zu überraschen. UBS selbst erwartet lediglich einen zusätzlichen Anstieg um 25 Basispunkte.
Warum Schwellenländer diesmal robuster wirken
„Während eine restriktivere Fed typischerweise als Gegenwind für Schwellenmarktwerte wirkt, sind wir der Ansicht, dass diese besser positioniert sind, um eine engere US-Geldpolitik zu absorbieren als in früheren Zinserhöhungszyklen“, schrieben die Analysten. Als Gründe nennt das Bankhaus stabilere Außenbilanzen, eine verbesserte Kreditqualität der Staatsanleihen und größere Spielräume für die Zentralbanken der Schwellenmärkte, ihre Politik unabhängig von der Fed festzulegen.
Zudem habe die Rolle des US-Dollars als Schockverstärker für Schwellenmärkte abgenommen. UBS verweist darauf, dass fiskalische Bedenken gegen die traditionelle Nachfrage nach sicheren Häfen sprechen, während höhere Energiepreise und eine restriktivere Fed-Politik den Dollar stützen. Für deutsche Anleger ist diese Einschätzung relevant, weil Emerging-Market-Fonds und Schwellenländer-Anleihen traditionell stark auf die US-Zinspolitik und die Dollar-Entwicklung reagieren.
Aktien: Gewinne und Bewertungen als Puffer
Für Aktien argumentieren die Strategen von UBS, dass widerstandsfähige Gewinne, relativ niedrige Bewertungen und die fortgesetzten Investitionen in künstliche Intelligenz dazu beitragen sollten, die durch die Fed verursachte Volatilität auszugleichen. Konkret rechnet UBS damit, dass der Gewinn je Aktie (EPS) in den Schwellenmärkten im Jahr 2026 um mehr als 60% und im Jahr 2027 um fast 20% steigen wird. Der MSCI Emerging Markets Index wird derzeit mit etwa dem Zehnfachen der erwarteten Gewinne gehandelt.
Bei Währungen erklärten die Analysten, die Zinsverschärfung durch die Fed sei „kein unüberwindbares Hindernis“ für positive Renditen hochverzinslicher Schwellenmarkt-Währungen. Einschränkend fügten sie hinzu, dass schrumpfende Zinsdifferenzen die Diversifizierung zunehmend wichtiger machen.
Risiken bleiben bestehen
Trotz der optimistischen Grundhaltung benennt UBS wesentliche Risiken für die Aussichten. Dazu zählen rasante Anstiege der Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen, schwächeres globales Wachstum und geopolitische Eskalationen. Diese Faktoren könnten die positive Bewertung der Schwellenmärkte belasten.
Für Privatanleger ergibt sich daraus ein differenziertes Bild: Die verbesserten Fundamentaldaten der Schwellenländer könnten die Widerstandskraft gegenüber der Fed erhöhen, doch die genannten Risiken mahnen zur Vorsicht. Eine breite Streuung und die Beachtung der Zinsdifferenzen bleiben zentrale Punkte bei der Anlage in Emerging Markets.
