Fed hebt Zinsen an: Dollar steigt, Aktien unter Druck
Fed hebt Zinsen an – Dollar steigt, Aktien geben nach

Die US-Notenbank Federal Reserve hat am Mittwoch zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren die Leitzinsen angehoben und damit eine geldpolitische Wende eingeleitet. Die Entscheidung fiel einstimmig, wobei der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh bereits weitere Verschärfungen in den kommenden Monaten signalisierte. Die Märkte reagierten prompt: Der Dollar legte kräftig zu, während die Indizes Dow Jones und S&P 500 nachgaben. Besonders auffällig war die deutliche Abflachung der Renditekurve für US-Staatsanleihen.
Die Zinswende erfolgt vor dem Hintergrund einer hartnäckig hohen Inflation, die die Trump-Administration bisher nicht in den Griff bekommen hat. Warsh betonte auf der Pressekonferenz, dass die Entscheidung nicht allein an den Inflationsbericht vom August gekoppelt sei. „Trends sind wichtig, Datenpunkte sind verrauscht“, sagte er und stellte klar, dass er „nicht im Geschäft der Vorwärtssteuerung“ sei. Dennoch lenken die medianen Prognosen des 19-köpfigen Offenmarktausschusses (FOMC) die Märkte in Richtung weiterer Zinserhöhungen.
Wachsende Kluft zwischen Weißem Haus und Fed
Präsident Donald Trump hatte zuvor vehement Zinssenkungen gefordert. Die nächste Sitzung der Fed findet nur fünf Tage vor den Midterm-Wahlen am 28. Oktober statt. Analysten sehen die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Erhöhung zu diesem Zeitpunkt als Münzwurf. Die Kluft zwischen Trumps wirtschaftspolitischen Äußerungen – darunter das Versprechen von 5.000-Dollar-Schecks für jeden Amerikaner – und den monetaristischen Grundsätzen von Kevin Warsh ist nach Einschätzung von Beobachtern so groß, dass das Schicksal der weiteren Geldpolitik bereits besiegelt sein könnte.
Die US-Einzelhandelsumsätze erholten sich im August deutlich. Haushalte erhöhten ihre Käufe einer breiten Palette von Gütern und gaben zudem mehr in Restaurants und Bars aus. Dies unterstreicht die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft, auch wenn die Verbraucher angesichts der hohen Inflation zunehmend besorgt sind.
Dieselpreise auf Rekordhoch – Belastung für Wirtschaft
Ein besonderer Problemfall entwickelt sich am Rohstoffmarkt. Der durchschnittliche US-Dieselpreis erreichte ein neues Rekordhoch von 6,31 Dollar pro Gallone. Innerhalb eines Monats stieg der Preis um 15 Prozent, im Jahresvergleich sogar um 70 Prozent. Auch die europäischen Diesel-Futures markierten mit 210 Dollar pro Barrel ein Rekordniveau.
Die steigenden Dieselpreise haben erhebliche Auswirkungen auf Transport-, Liefer- und Produktionskosten, die sich letztlich in teureren Konsumgütern und Dienstleistungen niederschlagen. Schätzungen zufolge macht Diesel rund 70 Prozent des Zwischenkraftstoffverbrauchs in den USA aus. Der Mehrheitsführer im Senat, John Thune, erklärte am Dienstag, er könnte offen für ein Verbot von Diesel-Exporten sein, um die Preise zu senken.
Marktbewegungen im Überblick
Die Aktienmärkte zeigten ein gemischtes Bild. Der MSCI World fiel um 0,7 Prozent auf ein Sechs-Wochen-Tief. Während die asiatischen Märkte im Plus lagen, gaben die US-Börsen nach. Der S&P 500 verlor 0,4 Prozent, der Dow Jones fiel um 1,2 Prozent auf ein Drei-Monate-Tief. Der Technologiesektor zeigte sich mit plus 0,1 Prozent weitgehend stabil, während der Energiesektor um drei Prozent nachgab.
Am Devisenmarkt stieg der Dollar den sechsten Tag in Folge auf das höchste Niveau seit Ende Juli. Der Dollar-Index kletterte über die Marke von 100 Punkten, das Währungspaar Dollar/Yen notierte über 156. Am Anleihemarkt kam es zu einer dramatischen Abflachung der Renditekurve. Die Differenz zwischen zweijährigen und dreißigjährigen Staatsanleihen sank auf 61 Basispunkte – das flachste Niveau seit März des Vorjahres.
Krypto-Gesetz im Senat gescheitert
Der US-Senat hat der Krypto-Branche einen Rückschlag versetzt, indem er ein Gesetz zur Schaffung eines regulatorischen Rahmens für digitale Vermögenswerte blockierte. Der sogenannte Clarity Act hätte klarere Regeln für Börsen, Token-Klassifizierungen und die Verwahrung digitaler Vermögenswerte vorgesehen. Die gut ausgestattete Branche hatte Hunderte Millionen Dollar in Kampagnen investiert, um das Gesetz voranzubringen. Angesichts der tiefen Skepsis der Demokraten im Kongress und des vollen legislativen Kalenders erscheint eine kurzfristige Lösung jedoch unwahrscheinlich.
Ausblick auf die kommenden Handelstage
Die Anleger richten ihren Blick nun auf die anstehenden Konjunkturdaten. Am Donnerstag stehen die finalen Inflationsdaten für den Euro-Raum im August sowie der Philly-Fed-Geschäftsklima-Index für September auf dem Programm. Zudem versteigert das US-Schatzamt 19 Milliarden Dollar an zehnjährigen TIPS. Die Frage, ob Bitcoin in absehbarer Zeit wieder nachhaltig über 80.000 Dollar stabilisieren kann, bleibt angesichts der regulatorischen Unsicherheit offen.
