Fed-Bilanz: Warsh-Nominierung sorgt für Unsicherheit über künftige Geldpolitik
Kevin Warsh kritisiert umfangreiche Anleihebestände der US-Notenbank – Experten zweifeln an radikalen Änderungen

Kevin Warsh, der von US-Präsident Donald Trump als nächster Fed-Vorsitzender nominierte Kandidat, steht seit langem kritisch zu den umfangreichen Anleihebeständen der amerikanischen Notenbank. Er fordert eine deutliche Reduzierung der Fed-Bilanz und argumentiert, dass übermäßige Bestände die finanzielle Gesamtlage der US-Wirtschaft verzerren könnten. Doch Analysten bezweifeln, dass Warsh seine Kritik in konkrete Maßnahmen umsetzen wird.
Die Federal Reserve hatte ihre Bilanz während der globalen Finanzkrise und der COVID-19-Pandemie massiv ausgeweitet, um die Wirtschaft zu stützen. Von einem Höchststand von 9 Billionen US-Dollar im Jahr 2022 sank sie auf 6,6 Billionen Dollar Ende vergangenen Jahres. Im Dezember begann die Fed jedoch erneut mit einer Ausweitung, um ausreichend Liquidität im Finanzsystem sicherzustellen und die Zinssätze im gewünschten Zielbereich zu halten.
Kritiker oder Gestalter?
Analysten der Bank of America, darunter Mark Cabana und Katie Craig, vermuten, dass es für Warsh "einfacher wäre", ein Kritiker zu bleiben als ein "Akteur des Wandels" zu werden. Eine Verkleinerung der Bilanz würde nicht nur den Abbau von Vermögenswerten erfordern, sondern auch eine Reduzierung der Verbindlichkeiten – möglicherweise durch Änderungen bei Liquiditätsvorgaben und Bankregulierungen.
Die BofA-Experten warnen vor erheblichen Risiken: "Wenn Warsh die Reduzierung der Fed-Bilanz zu stark vorantreibt, könnte dies das Risiko von Refinanzierungsvolatilität, breiterer Marktvolatilität und strafferen Finanzierungsbedingungen bergen." Sie gehen davon aus, dass Warsh lockere Finanzierungsbedingungen einer kleineren Fed-Bilanz vorziehen wird, zumal es schwierig ist, die Verbindlichkeiten der Fed zu reduzieren.
Trump-Faktor spielt entscheidende Rolle
Für Präsident Trump dürften lockere Finanzierungsbedingungen wichtiger sein als die Größe der Fed-Bilanz. Die BofA-Analysten erwarten daher, dass sich Warsh "wahrscheinlich auf die Seite von Trump schlagen wird". Dies könnte bedeuten, dass radikale Änderungen an der Bilanzpolitik ausbleiben.
Ökonomen von Morgan Stanley betonen die Komplexität eines Bilanzabbaus. "Die Mechanismen sind tückisch, und Veränderungen werden wahrscheinlich langsam erfolgen", erklären sie. Die Fed könnte ihre Bestände entweder durch Auslaufenlassen von Wertpapieren ohne Reinvestition oder durch aktiven Verkauf am Sekundärmarkt reduzieren. Die erste Taktik habe bisher den Großteil der Arbeit geleistet und könnte dies auch künftig tun.
Warsh selbst hat eingeräumt, dass eine Verkleinerung der Bilanz schwer umzusetzen sei – insbesondere weil sie zur Steuerung des Zinszielkorridors der Fed eingesetzt wird. Diese Einschätzung deutet darauf hin, dass trotz seiner kritischen Haltung keine schnellen oder drastischen Änderungen zu erwarten sind.
