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EZB im Umbruch: Capital Economics rechnet mit nur einer Zinserhöhung

Die EZB steht vor einem Führungswechsel, während Capital Economics nur eine letzte Zinserhöhung im Dezember 2026 erwartet.

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EZB im Umbruch: Capital Economics rechnet mit nur einer Zinserhöhung

Die Europäische Zentralbank (EZB) steht zum 28. September 2026 an einem kritischen Wendepunkt. Die Notenbank muss gleichzeitig einen tiefgreifenden Führungswechsel an der Spitze organisieren und eine komplexe Debatte über den künftigen Kurs ihrer Geldpolitik führen. Während sich das Institut auf einen Wechsel auf höchster Ebene vorbereitet, zweifeln Analysten zunehmend, ob die aktuellen Markterwartungen für Zinserhöhungen mit den wirtschaftlichen Realitäten der Eurozone übereinstimmen.

Im Mittelpunkt des personellen Umbruchs steht der Rücktritt von Isabel Schnabel aus dem Exekutivvorstand. Die EZB hat begonnen, Nachfolger für mehrere Schlüsselpositionen zu suchen. Im Gespräch sind dabei die Ämter von Präsidentin Christine Lagarde, Chefökonom Philip Lane sowie die Leitung der Marktoperationen, die zuvor Schnabel innehatte.

Parallel dazu ist eine grundlegende Debatte über den Zinspfad entbrannt. Die aktuelle Marktstimmung deutet auf eine aggressive Straffung hin. Die Research-Abteilung von Capital Economics vertritt dagegen eine konträre Position und argumentiert, dass Anleger die künftigen Zinserhöhungen der Bank überschätzen.

Die Details

Capital Economics prognostiziert einen deutlich moderateren Kurs. Das Unternehmen erwartet eine letzte Zinserhöhung im Dezember 2026, die den Einlagensatz von derzeit 2,5 Prozent auf 2,75 Prozent anheben würde. Nach diesem Schritt rechnet die Firma mit einer Pause bei der Straffung. Ihre Analyse legt nahe, dass der aktuelle Inflationsschub weitgehend auf temporäre Faktoren zurückzuführen ist – konkret auf höhere Energiepreise – und nicht auf strukturelle Probleme, die eine längere Phase hoher Zinsen erforderlich machen würden.

Laut Capital Economics sind die sogenannten Zweitrundeneffekte – bei denen temporäre Inflation zu anhaltenden Lohn- und Gewinnspiralen führt – unwahrscheinlich. Diese Einschätzung stützt sich auf die Beobachtung, dass der Arbeitsmarkt der Eurozone derzeit nicht angespannt ist und die Gesamtnachfrage das potenzielle Angebot nicht wesentlich übersteigt. In der Folge erwartet die Firma, dass Zinssenkungen in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 wieder auf die Agenda der EZB zurückkehren. Der Einlagensatz soll dann bis 2028 auf 2 Prozent sinken – eine Prognose, die unter den aktuellen Markterwartungen liegt.

Trotz der Debatte über die Zinsen herrscht weitgehend Konsens über die breitere wirtschaftliche Entwicklung der Eurozone. Capital Economics prognostiziert ein stabiles BIP-Wachstum von rund 1 Prozent jährlich bis 2028. Die Inflation soll im Dezember 2026 mit 4 Prozent ihren Höhepunkt erreichen und 2027 deutlich sinken. Die Kerninflation wird in der ersten Hälfte des Jahres 2027 voraussichtlich auf rund 3 Prozent steigen, da indirekte Energiekosten in die Wirtschaft durchsickern, bevor sie sich bis 2028 dem Zielwert von 2 Prozent nähert.

Dieser Ausblick ist jedoch nicht ohne Vorbehalt. Analysten haben die Straße von Hormus als kritischen geopolitischen Risikofaktor identifiziert. Eine länger anhaltende Störung der Energieversorgung durch diese Region könnte die Inflation stärker steigen lassen als derzeit erwartet und die EZB potenziell dazu zwingen, die Zinsen länger hoch zu halten als in der Basisprognose vorgesehen. Selbst in einem solchen Szenario hält Capital Economics jedoch daran fest, dass die fehlende Anspannung am Arbeitsmarkt die Schwere der Zweitrundeneffekte begrenzen würde – und damit die Notwendigkeit einer aggressiven, anhaltenden Straffung verringern würde.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 05.06.2026 berichtete aktien.news, dass die EZB voraussichtlich die Zinsen anheben würde. Damit wäre sie die erste der großen Zentralbanken, die diesen Schritt vollzog, seit der Iran-Krieg eine Energiekrise ausgelöst und den Inflationsdruck in der Eurozone deutlich verstärkt hatte. Die Wirtschaft des 21 Länder umfassenden Blocks sei schwächer als während der vorangegangenen europäischen Energiekrise im Jahr 2022, hieß es damals.

Am 29.06.2026 berichtete aktien.news, dass sich die Eurozone in einem wirtschaftlichen Spannungsfeld befinde: Anhaltende Inflationsdrücke trafen auf ein widerstandsfähiges, aber sich abschwächendes Wachstumsumfeld. EZB-Präsidentin Christine Lagarde beschrieb den Inflationsschock als bedeutend genug, um geldpolitische Anpassungen zu rechtfertigen – jedoch nicht stark genug, um gefährliche Zweitrundeneffekte oder eine Entankerung der langfristigen Inflationserwartungen auszulösen.

Am 14.09.2026 meldete aktien.news, dass sich die Regierungen der Eurozone auf einen der größten Führungswechsel in der 28-jährigen Geschichte der EZB vorbereiten. Ein „großes Paket" für die drei Spitzenpositionen sollte bis Ende Dezember vereinbart werden. Der Führungswechsel ist erforderlich, da EZB-Präsidentin Christine Lagarde voraussichtlich noch in diesem Jahr bekannt geben wird, dass sie die EZB bis Anfang 2027 verlassen wird – also vor der nächsten französischen Präsidentschaftswahl. Die achtjährigen Amtszeiten des Chefökonomen Philip Lane und des Vorstandsmitglieds Isabel Schnabel liefen ebenfalls im kommenden Jahr aus.

Am 26.09.2026 berichtete aktien.news, dass der vorzeitige Austritt von Isabel Schnabel aus dem Direktorium den Wettbewerb um die Spitzenpositionen der Institution verschärfen dürfte – einschließlich des Amtes von Christine Lagarde. Das deutsche Mitglied des Exekutivvorstands scheide bereits im Januar aus, ein Jahr vor dem regulären Ende ihrer Amtszeit. Die Ankündigung wurde am Donnerstag bekannt gegeben. Damit entstand innerhalb von weniger als drei Monaten eine Lücke in der Führungsspitze der Notenbank.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Divergenz zwischen Markterwartungen und Analystenprognosen von erheblicher Bedeutung. Capital Economics rechnet mit nur einer letzten Zinserhöhung im Dezember 2026 und anschließenden Senkungen ab der zweiten Hälfte des Jahres 2027. Sollte sich diese Prognose bewahrheiten, könnte sich die Zinslandschaft in der Eurozone anders entwickeln als derzeit an den Märkten eingepreist.

Gleichzeitig schafft der Führungswechsel an der EZB-Spitze Unsicherheit. Der Zeitplan für die Neubesetzung der drei Spitzenpositionen ist bislang nicht öffentlich. Beobachter weisen darauf hin, dass die Nachfolgeplanung derzeit undurchsichtig ist und verschiedene Szenarien durchgespielt werden, um Stabilität während einer erwarteten mehrjährigen Übergangsphase zu gewährleisten. Die personelle Kontinuität rückt damit stärker in den Fokus, da die Notenbank ihre Glaubwürdigkeit und ihren politischen Fokus während des Personalwechsels wahren will.

Ausblick

Der Ausgang der Debatte hängt von mehreren Faktoren ab. Capital Economics erwartet, dass Zinssenkungen in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 auf die Agenda zurückkehren und der Einlagensatz bis 2028 auf 2 Prozent sinkt. Die Inflation soll im Dezember 2026 mit 4 Prozent ihren Höhepunkt erreichen und 2027 deutlich zurückgehen. Die Kerninflation wird in der ersten Hälfte des Jahres 2027 voraussichtlich auf rund 3 Prozent steigen, bevor sie sich bis 2028 dem Zielwert von 2 Prozent nähert.

Ein wesentliches Risiko bleibt die geopolitische Lage. Eine länger anhaltende Störung der Energieversorgung durch die Straße von Hormus könnte die Inflation höher treiben als derzeit erwartet. Die EZB könnte dann gezwungen sein, die Zinsen länger hoch zu halten als in der Basisprognose vorgesehen. Für die Märkte dürfte das Zusammenspiel zwischen dem sich wandelnden Führungsteam der EZB und ihrer Reaktion auf die Inflation im Fokus stehen, während sich die Notenbank dem Ende des Jahres 2026 nähert.

Kurz erklärt

  • Einlagensatz: Der Zinssatz, den Geschäftsbanken erhalten, wenn sie überschüssige Gelder bei der Zentralbank parken.
  • Zweitrundeneffekte: Folgeerscheinungen, bei denen temporäre Preisschübe zu dauerhaften Lohn- und Preissteigerungen führen.
  • Kerninflation: Inflationsmaß, das volatile Komponenten wie Energie- und Lebensmittelpreise ausklammert.
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