EZB genehmigt UniCredit die Kontrolle über die Commerzbank
Die Europäische Zentralbank hat Italiens zweitgrößter Bank grünes Licht für die Übernahme der Kontrolle beim Frankfurter Konkurrenten gegeben.

Mailand – Die italienische Großbank UniCredit hat am Donnerstag mitgeteilt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihr die Kontrolle über die Commerzbank übertragen hat. Damit ist der Weg frei für die Übernahme des Frankfurter Instituts durch das zweitgrößte Kreditinstitut Italiens. Zuvor hatte UniCredit im Juli ein feindseliges Übernahmeangebot vorgelegt und damit den eigenen Anteil an dem deutschen Konkurrenten auf 48 Prozent erhöht.
Die Zustimmung der EZB war zwingend erforderlich, um die im Rahmen des 45 Milliarden Euro schweren Angebots angebotenen Commerzbank-Aktien übernehmen zu dürfen. Ohne diese Genehmigung hätte UniCredit die Papiere nicht in die eigenen Bücher nehmen können. Für die europäische Bankenlandschaft geht es um nicht weniger als das größte grenzüberschreitende Banken-Deal-Geschäft in Europa seit der globalen Finanzkrise.
UniCredit erklärte, die EZB habe ihr gestattet, die festgelegte Anteilsschwelle bei der Commerzbank zu überschreiten und „ihren Anteil ohne Obergrenze weiter zu erhöhen“. Das Unternehmen rechnet damit, bis Ende des Jahres die Kontrolle über die Commerzbank zu erlangen. Zu diesem Zeitpunkt werde UniCredit über rund 50 Prozent der Stimmrechte verfügen, sofern die „verbleibenden regulatorischen Verfahren und Bedingungen“ im Zusammenhang mit dem Übernahmeangebot abgeschlossen sind.
Die Details
Das Mailänder Institut, das seit 2005 den bayerischen Kreditgeber HVB in Deutschland betreibt, begann vor mehr als zwei Jahren, in die Commerzbank zu investieren. Eingeleitet wurde der Übernahmeprozess von UniCredit-CEO Andrea Orcel – ein Vorhaben, das nach Angaben des Unternehmens bereits mehrere seiner Vorgänger untersucht hatten.
Trotz heftiger Opposition von Seiten der Commerzbank und trotz Kritik der deutschen Regierung sicherte sich UniCredit genügend Aktien, um die gewöhnlichen Aktionärsbeschlüsse zu kontrollieren. Dabei blieb das Institut nach eigener Darstellung bislang unterhalb einer Schwelle, die es gezwungen hätte, die Minderheitsinvestoren in der polnischen Einheit mBank des deutschen Kreditinstituts abzufinden. Mit der nun erteilten EZB-Genehmigung darf UniCredit seine Beteiligung ohne Obergrenze ausbauen.
Orcel hat die Commerzbank angewiesen, die von ihm skizzierte Strategie zu übernehmen, um die Gewinne der Frankfurter Bank ab Januar zu steigern. Eine vollständige Fusion der beiden Häuser wurde dagegen auf den Zeitraum 2029 bis 2030 verschoben. Der erfahrene Deal-Macher hat zudem Gespräche mit Vertretern der deutschen Regierung geführt. Diese drängen darauf, dass die Commerzbank ihren Hauptsitz in Frankfurt behält, um Arbeitsplätze zu schützen und Geschäfte in Deutschland weiter mit Krediten zu versorgen.
Sobald er im Besitz der Aktien ist, hat Orcel nach Angaben aus dem Umfeld des Deals gedroht, eine Aktionärsabstimmung einzuberufen und einen neuen Aufsichtsrat sowie eine neue Geschäftsleitung bei der Commerzbank einzusetzen – ohne die nächste Hauptversammlung im kommenden Jahr abzuwarten.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 17.06.2026 berichtete aktien.news, dass UniCredit einer angestrebten Übernahme der Commerzbank einen entscheidenden Schritt näher gekommen war. Damals hieß es, das Mailänder Institut habe eine kontrollierte Beteiligung von rund 42 Prozent der Commerzbank-Aktien sowie ein wirtschaftliches Interesse an weiteren 13 Prozent aufgebaut. Das reine Aktientauschangebot bewertete die Commerzbank seinerzeit mit rund 50 Milliarden US-Dollar. Sollte der Deal zustande kommen, hieß es weiter, wäre es die größte Bankenübernahme in Europa seit der Finanzkrise 2008/09.
Am 09.07.2026 berichtete aktien.news, dass UniCredit-Chef Orcel einen der spektakulärsten Banken-Coups der jüngeren europäischen Geschichte vollzogen hat. Der italienische Banker habe für sein Institut eine Beteiligung von knapp unter 50 Prozent an der Commerzbank eingefädelt – und damit die Stimmrechtskontrolle über das deutsche Geldhaus erlangt. Dies sei trotz lautstarken Widerstands der Bundesregierung und des Commerzbank-Vorstands selbst geschehen. Ein weiterer Bericht desselben Tages fasste zusammen, dass UniCredit sich die Beteiligung im Rahmen eines öffentlichen Übernahmeangebots gesichert habe und damit die Stimmrechtskontrolle über die entsprechenden Commerzbank-Aktien wahrscheinlich erlangt habe.
Am 10.07.2026 meldete aktien.news, dass Orcel mit der Beinahe-Mehrheitsbeteiligung einem vollständigen Zusammenschluss der beiden Banken näher rückte als je zuvor. Für die europäische Finanzwelt sei dieser Schritt ein Lackmustest dafür, ob Europa in der Lage ist, seine Wirtschaft enger zu verzahnen.
Was das für Anleger bedeutet
Für Aktionäre der Commerzbank verändert sich die Ausgangslage grundlegend. Mit der EZB-Genehmigung und den erwarteten rund 50 Prozent der Stimmrechte bis Ende des Jahres geht die Kontrolle über gewöhnliche Aktionärsbeschlüsse an UniCredit über. Anleger sollten im Blick behalten, dass UniCredit bislang bewusst eine Anteilsschwelle unterschritten hat, die eine Abfindung der Minderheitsinvestoren in der polnischen Tochter mBank ausgelöst hätte. Diese Konstellation ist im Quelltext ausdrücklich als Grund für den bisherigen Verzicht auf einen noch höheren Anteil genannt.
Für Anteilseigner von UniCredit steht demgegenüber die Frage im Vordergrund, wie sich die Integration auf die Erträge auswirkt. UniCredit betreibt mit der HVB seit 2005 ein etabliertes Deutschlandgeschäft, in das die Commerzbank künftig eingebunden werden soll. Eine vollständige Fusion ist erst für 2029 bis 2030 vorgesehen, die operative Steuerung soll jedoch bereits ab Januar über die von Orcel vorgegebene Strategie erfolgen.
Wichtig für die Einordnung: Aus dem Quelltext ergeben sich keine Angaben zu einem möglichen Umtauschverhältnis für verbleibende freie Aktionäre oder zu konkreten Bewertungsannahmen für die Zukunft. Der Artikel stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar.
Ausblick
UniCredit erwartet, bis Ende des Jahres rund 50 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank zu halten. Voraussetzung dafür ist der Abschluss der noch offenen regulatorischen Verfahren und Bedingungen im Zusammenhang mit dem Übernahmeangebot. Die vollständige Fusion der beiden Institute ist auf 2029 bis 2030 terminiert.
Kurzfristig steht die Umsetzung der von Orcel skizzierten Strategie ab Januar im Mittelpunkt, mit der die Gewinne der Frankfurter Bank gesteigert werden sollen. Offen bleibt, ob Orcel seine angekündigte Drohung wahrmacht und vor der nächsten Hauptversammlung im kommenden Jahr eine Aktionärsabstimmung zur Neubesetzung von Aufsichtsrat und Geschäftsleitung einberuft. Zudem laufen die Gespräche mit Vertretern der deutschen Regierung weiter, die auf den Erhalt des Frankfurter Hauptsitzes und des Deutschland-Kreditgeschäfts dringen.
Kurz erklärt
- Feindseliges Übernahmeangebot: Ein öffentliches Kaufangebot an die Aktionäre eines Unternehmens, das gegen den Willen der dortigen Unternehmensführung vorgebracht wird.
- Stimmrechtskontrolle: Die Möglichkeit, mit der Mehrheit der abgegebenen Stimmen auf der Hauptversammlung Beschlüsse durchzusetzen.
- Aufsichtsrat: Das Kontrollgremium einer deutschen Aktiengesellschaft, das die Geschäftsleitung bestellt und überwacht.
