Richemont und Signet verhandeln über Einstieg bei De-Beers-Konsortium
Der Luxuskonzern und der US-Juwelier stehen kurz vor einem Einstieg in das von Gareth Penny geführte Global Diamond Consortium.

Der Schweizer Luxuskonzern Richemont und der US-Juwelier Signet Jewelers befinden sich in fortgeschrittenen Verhandlungen über einen Einstieg in das Global Diamond Consortium (GDC). Das von dem ehemaligen De-Beers-Chef Gareth Penny geführte Konsortium gilt als bevorzugter Bieter für den traditionsreichen Diamantenkonzern De Beers, den der Bergbaukonzern Anglo American derzeit veräußert. Marktanalysten werten die mögliche Beteiligung der beiden Luxusunternehmen als deutliches Signal des Vertrauens in die langfristige Zukunft natürlicher Diamanten.
Die Branche befindet sich seit Jahren in einer schweren Krise. Sinkende Nachfrage in China, geopolitische Unsicherheiten und der wachsende Marktanteil von Labor-Diamanten setzen die gesamte Wertschöpfungskette unter Druck. Vor diesem Hintergrund kommt der mögliche Einstieg von Richemont und Signet einer strategischen Absicherung gleich.
Strategische Motive der Luxuskonzerne
Für Richemont, das vom südafrikanischen Milliardär Johann Rupert kontrolliert wird, hat das Geschäft mit Schmuck besonderes Gewicht. Die Sparte mit Marken wie Cartier und Van Cleef & Arpels macht rund drei Viertel des Gesamtgeschäfts aus. Ein Investment in De Beers würde dem Konzern helfen, seine Lieferkette langfristig zu sichern. Signet Jewelers wiederum betreibt große Einzelhandelsketten wie Zales, Jared und Kay und würde mit einer Beteiligung erstmals im vorgelagerten Diamantengeschäft Fuß fassen.
Analysten der Bank RBC weisen darauf hin, dass der finanzielle Effekt einer solchen Beteiligung begrenzt sein dürfte. Aus strategischer Sicht sei der Schritt jedoch hochbedeutsam. Durch die stärkere Integration in die Lieferkette wollen die Luxusriesen den Sektor stabilisieren und die Vermarktung natürlicher Steine gegenüber synthetischer Konkurrenz stärken.
Der Verkaufsprozess und das Konsortium
Anglo American sucht die Abspaltung von De Beers im Rahmen einer umfassenden Konzernrestrukturierung. Auslöser war ein gescheiterter Übernahmeversuch des Bergbaukonzerns BHP Group im Volumen von 50 Milliarden US-Dollar Anfang 2024. Der Verkaufsprozess gestaltet sich schwierig: In den vergangenen drei Jahren musste Anglo American drei separate Wertminderungen auf das De-Beers-Geschäft vornehmen. Der Buchwert der Einheit wurde zum Februar 2026 auf 2,3 Milliarden US-Dollar gesenkt.
Das Global Diamond Consortium umfasst bereits die Regierungen von Namibia und Angola sowie mehrere bedeutende Diamantenhersteller. Ein entscheidender Punkt der laufenden Verhandlungen betrifft die Regierung von Botswana. Das Land produziert rund 70 Prozent der De-Beers-Diamanten und hält derzeit einen Anteil von 15 Prozent. Zudem besitzt Botswana ein Vorkaufsrecht auf den Verkauf. Das GDC verhandelt derzeit mit der Regierung, um den Anteil des Landes auf etwa 25 Prozent zu erhöhen.
Obwohl die Gespräche als fortgeschritten gelten, betonen mit der Sache vertraute Personen, dass noch keine endgültige Einigung erzielt wurde. Angesichts der Vielzahl beteiligter Akteure – darunter mehrere souveräne Staaten und private Investoren – wird erwartet, dass die individuellen Anteile von Richemont und Signet relativ gering ausfallen.
Marktausblick und Zeitplan
Der Diamantenmarkt bleibt in Bewegung. Trotz der aktuellen Gegenwinde hält der unabhängige Analyst Paul Zimnisky De Beers für ein "Deep-Value"-Investment. Während viele unabhängige Minenbetreiber kämpfen und russische Diamanten internationalen Sanktionen unterliegen, verfügt De Beers aus Angebotssicht über eine starke Position. Befürworter des Deals argumentieren, dass das Unternehmen mit ausreichend Kapital und guter operativer Umsetzung gut aufgestellt ist, um nach einer Markterholung zu florieren.
Der Weg zum Abschluss bleibt jedoch komplex. Die Transaktion wird voraussichtlich erst im vierten Quartal 2026 abgeschlossen. Anglo American und die potenziellen Investoren halten sich zu den Details der Verhandlungen weitgehend bedeckt; die meisten Beteiligten lehnen eine Stellungnahme zu den vertraulichen Gesprächen ab. Die Regierung von Botswana verhält sich zurückhaltend und will erst nach einem formell unterzeichneten Abschluss offiziell Stellung nehmen.
Fazit
Der mögliche Einstieg von Richemont und Signet in das GDC-Gebot markiert einen Wendepunkt für die Diamantenindustrie. Indem das Konsortium Luxus-Einzelhandelsmacht mit souveränen Diamantenproduzenten verbindet, will es eine widerstandsfähigere Struktur für De Beers schaffen. Die finanziellen Konditionen bleiben unbekannt, und der Deal steht unter dem Vorbehalt der endgültigen Zustimmung der Regierung von Botswana. Dennoch unterstreicht der Schritt die gemeinsamen Bemühungen, das Vertrauen in den Markt für natürliche Diamanten in einer Phase des intensiven strukturellen Wandels wiederherzustellen.
