ANZEIGE

US-Staatsanleihen: Rendite fällt unter 5% vor Fed-Aussagen

Rendite der 10-jährigen Treasury fällt auf 4,951% – Händler warten auf Fed-Kommentare.

4 Min
US-Staatsanleihen: Rendite fällt unter 5% vor Fed-Aussagen

Die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen sind am Dienstag gesunken. Investoren warten auf weitere Hinweise zur Lage der US-Wirtschaft und auf Aussagen von Vertretern der Federal Reserve. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Treasury-Note lag um mehr als einen Basispunkt niedriger bei 4,951 Prozent.

Damit entfernt sich die Rendite wieder etwas von der psychologisch wichtigen Marke von fünf Prozent, die in den vergangenen Tagen mehrfach getestet wurde. Die Renditen der zweijährigen Anleihe sanken um mehr als einen Basispunkt auf 4,741 Prozent, während die Rendite der 30-jährigen Treasury-Note um weniger als einen Basispunkt auf 5,288 Prozent fiel. Ein Basispunkt entspricht 0,01 Prozent, wobei Renditen und Kurse sich in entgegengesetzte Richtungen bewegen.

Die Details

Im Mittelpunkt des Handelstages stehen mehrere Reden von Fed-Vertretern. Der Vizevorsitzende der Federal Reserve, Philip N. Jefferson, wird am Dienstag auf der Treasury Market Conference der Federal Reserve Bank of New York sprechen. Am Mittwoch hält Michael S. Barr, Mitglied des Board of Governors der Zentralbank, einen Vortrag auf einem Gipfeltreffen zur Wohnungsbezahlbarkeit in Chicago.

Bereits am Montag hatte sich Austan Goolsbee, Präsident der Federal Reserve Bank of Chicago, vor einem Publikum in London geäußert. Er erklärte, er sei "besonders aufmerksam bezüglich der erhöhten Inflation in den Dienstleistungsbranchen sowie jeglicher Anzeichen dafür, dass der Bau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz aus seiner eigenen Spur ausbricht und die aggregierte Produktion über das hinaus steigert, was die Wirtschaft absorbieren kann". Goolsbee fügte hinzu: "Wenn die Nachfrage überhitzt, gibt es keine Zweifel daran, wie die Fed reagieren muss."

Besonders bemerkenswert war Goolsbees Hinweis auf die sich ständig verschiebenden Inflationsprognosen. Prognostiker hätten seit mehr als einem Jahr das Datum, an dem die Inflation ihren Höhepunkt erreichen und zu sinken beginnen sollte, immer weiter nach hinten verschoben. "Ursprünglich sollte dies im vierten Quartal 2025 geschehen. Dann im ersten Quartal 2026. Dann im zweiten, dann im dritten, dann im vierten – und nun irgendwann im Jahr 2027", sagte er. "Das ist kein beruhigendes Muster."

Parallel dazu standen die Ölpreise am Dienstag weiter im Fokus. Die Preise fielen, nachdem Berichte gemeldet hatten, der Iran habe angeboten, die Straße von Hormus innerhalb von sieben Tagen wieder zu öffnen. Zudem beabsichtige Saudi-Arabien, seine Ost-West-Pipeline bereits diese Woche wieder in Betrieb zu nehmen. Dies geschieht vor dem Hintergrund zunehmenden Drucks aus Washington auf Teheran. Der US-Finanzminister Scott Bessent sagte, alle iranischen Fluggesellschaften seien ab Mittwoch stillgelegt.

Die Futures für den internationalen Benchmark Brent-Rohöl für November-Lieferung fielen zuletzt um ein Prozent auf 98,50 US-Dollar pro Barrel. Die Futures für US-amerikanisches West Texas Intermediate (WTI) sanken um zwei Prozent auf 93,50 US-Dollar pro Barrel. Präsident Donald Trump wird sich am Dienstag im Kontext des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten mit Weltführern bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen treffen.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 14. September 2026 berichtete aktien.news, dass sich die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen nahe der Fünf-Prozent-Marke bewege, während die Anleihemärkte den Verbraucherpreisbericht für August vor der Zinsentscheidung der Federal Reserve einpreisten. Damals lag die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um ein Viertelprozentpunkt bei 86,7 Prozent.

Am 12. August 2026 hatten die Kurse von US-Staatsanleihen zugelegt, ausgelöst durch Berichte über ein potenzielles Abkommen zwischen den USA und dem Iran. Die richtungsweisende Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel damals um 1,4 Basispunkte auf 4,684 Prozent. Der Mechanismus dahinter: Sinkende Ölpreise dämpfen Inflationserwartungen, was Anleihen attraktiver macht.

Bereits am 15. Juni 2026 waren die Renditen von US-Staatsanleihen spürbar gesunken, nachdem ein vorläufiges Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran angekündigt worden war. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe fiel damals um mehr als zwei Basispunkte auf 4,459 Prozent.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger bleibt der US-Anleihemarkt ein wichtiger Gradmesser für die globale Zinsentwicklung. Die aktuelle Bewegung unter die Fünf-Prozent-Marke bei der zehnjährigen Rendite signalisiert, dass die Märkte weiterhin mit einer straffen Geldpolitik der Fed rechnen, aber auch auf jede Entspannungssignale reagieren.

Die enge Kopplung zwischen Ölpreisen und Anleiherenditen ist ein zentraler Mechanismus: Fallende Ölpreise dämpfen die Inflationserwartungen und machen Anleihen attraktiver. Die aktuellen Berichte über eine mögliche Wiedereröffnung der Straße von Hormus und die Wiederinbetriebnahme der saudischen Ost-West-Pipeline könnten hier für weitere Entlastung sorgen.

Gleichzeitig zeigen die Aussagen von Fed-Vertreter Goolsbee, dass die Zentralbank die Inflation weiterhin genau beobachtet. Die immer wieder verschobenen Inflationsprognosen – nun erst für 2027 erwartet – deuten auf eine anhaltende Unsicherheit hin. Anleger sollten die anstehenden Reden von Jefferson und Barr genau verfolgen, da sie Hinweise auf den weiteren Zinskurs geben könnten.

Ausblick

In den kommenden Tagen stehen mehrere Termine im Fokus. Am Mittwoch spricht Michael S. Barr, Mitglied des Board of Governors der Federal Reserve, auf einem Gipfeltreffen zur Wohnungsbezahlbarkeit in Chicago. Zudem wird Präsident Donald Trump sich am Dienstag mit Weltführern bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen treffen, was im Kontext des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten von Bedeutung ist.

Die Entwicklung der Ölpreise bleibt ein entscheidender Faktor. Sollten die Berichte über die Wiedereröffnung der Straße von Hormus und die Wiederinbetriebnahme der saudischen Pipeline bestätigt werden, könnte dies die Inflationserwartungen weiter dämpfen und die Anleiherenditen zusätzlich belasten.

Kurz erklärt

  • Basispunkt: Ein Basispunkt entspricht 0,01 Prozent und wird im Finanzwesen verwendet, um kleine Veränderungen von Zinssätzen oder Renditen präzise anzugeben.
  • Treasury: US-Staatsanleihen, die vom US-Finanzministerium ausgegeben werden und als eine der sichersten Anlageformen weltweit gelten.
  • Rendite: Die Rendite einer Anleihe steht im umgekehrten Verhältnis zu ihrem Kurs. Steigt der Kurs, fällt die Rendite und umgekehrt.
Us-StaatsanleihenTreasury-RenditeFederal ReserveFed-ZinspolitikÖlpreiseIran-AbkommenAnleihemarkt

Meistgelesene News

  1. Volvo Cars kämpft mit EX60-Produktionsziel und Batterieplänen
  2. Jugendarbeitslosigkeit in China steigt im August auf 18,9 Prozent
  3. BlackRock-Strategin warnt: Fed-Zinsentscheidung ist nicht die entscheidende Frage
  4. Frankfurter Erbpacht-Schock: 1.900 Prozent mehr für Hausbesitzer
  5. Iran-Kriegsende droht: Insider kaufen trotz Ölpreis-Risiko Energieaktien

Disclaimer