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Europa 2026: Wachstumsprognosen unter strukturellem Druck

Die Wirtschaftsaussichten für Europa und Großbritannien im Jahr 2026 zeigen ein gespaltenes Bild: Während die Konjunktur kurzfristig resilient bleibt, belasten strukturelle Probleme die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents.

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Europa 2026: Wachstumsprognosen unter strukturellem Druck

Die wirtschaftlichen Perspektiven für Europa und Großbritannien im Jahr 2026 werden von gegensätzlichen Kräften bestimmt. Analysten sehen zwar zyklische Widerstandsfähigkeit, warnen jedoch vor tief verwurzelten strukturellen Problemen, die das Wachstumspotenzial erheblich einschränken könnten.

Europas Wachstum verlangsamt sich – Momentum steigt

Die Deutsche Bank diagnostiziert Europa ein "Zwei-Wirtschaften-Problem": Das jährliche BIP-Wachstum wird voraussichtlich von 1,4 Prozent im Jahr 2025 auf 1,1 Prozent im Jahr 2026 zurückgehen. Gleichzeitig deutet das Quartalswachstum, das als besserer Indikator für das wirtschaftliche Momentum gilt, auf eine Beschleunigung von 1,0 auf 1,5 Prozent hin.

Chefökonomin Mark Wall sieht Deutschlands expansive Fiskalpolitik als wichtigen Stützpfeiler für das europäische Wachstum 2026. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird voraussichtlich die Leitzinsen das gesamte Jahr über bei 2,0 Prozent belassen. Erste Zinserhöhungen werden nicht vor Mitte 2027 erwartet, da fiskalische Lockerungen und angespannte Arbeitsmärkte Aufwärtsrisiken für die mittelfristige Inflation darstellen.

Wettbewerbsfähigkeit unter Druck

Die strukturellen Herausforderungen Europas wiegen schwer: Die Energiepreise liegen weiterhin etwa dreimal so hoch wie in den USA. Hinzu kommen anfällige Lieferketten, belastende Regulierungen und Engpässe beim Arbeitsmarktzugang. Die Deutsche Bank warnt, dass sich die Welt zunehmend geopolitisch und reibungsbehafteter gestalte – ein Trend, der der Gründungsphilosophie der EU auf Offenheit und regelbasiertem Multilateralismus widerspreche.

Daten der Europäischen Kommission zeigen, dass Unternehmen seit der russischen Invasion der Ukraine im Jahr 2022 einen ungewöhnlich anhaltenden Wettbewerbsfähigkeitsschock erleben. Die Umsetzung von Wettbewerbsreformen, die in Berichten von Mario Draghi und Enrico Letta 2024 vorgeschlagen wurden, verläuft schleppend.

KI-Hoffnungen mit Fragezeichen

Obwohl es Anzeichen gibt, dass Europa sich dem Technologieausgabenboom anschließt – EZB-Präsidentin Christine Lagarde verwies auf schnellere IT-Ausgaben und KI-Vorbereitungen –, bleiben Zweifel. Analysten fragen sich, ob KI-Ausgaben das BIP-Wachstum substanziell ankurbeln werden, insbesondere angesichts von Technologieimporten und der Gefahr, dass Europas wirtschaftliche Rigiditäten die KI-Verbreitung und Produktivitätsgewinne bremsen.

Ein wichtiges positives Signal wäre der Fortschritt beim Aufbau einer Kapitalmarktunion zur Vertiefung der Finanzmärkte. Potenzielle Unterstützung könnte auch von einer möglichen Entspannung der Deflationsimporte aus China sowie stärkerer US-Nachfrage vor den Midterm-Wahlen kommen.

Großbritannien: Überraschungen bei Inflation und Zinsen erwartet

Für Großbritannien prognostiziert Capital Economics eine Verlangsamung des Wachstums von 1,4 Prozent (2025) auf 1,0 Prozent (2026), bevor es 2027 auf 1,2 Prozent ansteigt. Die Verlangsamung wird auf nachwirkende Effekte früherer Zinserhöhungen, straffere Fiskalpolitik und schwache Auslandsnachfrage zurückgeführt.

Capital Economics weicht in vier wesentlichen Punkten vom Konsens ab: Das Analysehaus erwartet schwächeres Konsumwachstum (0,7 Prozent in 2026 statt 0,9 Prozent Konsens) und einen Anstieg der Arbeitslosenquote von 4,7 auf 5,1 Prozent. Die CPI-Inflation soll bereits im April 2026 das Zwei-Prozent-Ziel erreichen und bis Dezember auf 1,8 Prozent fallen – schneller als der Konsens (2,2 Prozent im vierten Quartal).

Beim Bank Rate prognostiziert Capital Economics eine Senkung auf 3,0 Prozent statt der von Investoren erwarteten 3,5 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Gilt-Anleihen wird voraussichtlich von 4,40 auf 4,25 Prozent bis Ende 2026 sinken. Politische Führungswechsel nach den Kommunalwahlen am 7. Mai könnten jedoch zu einer Lockerung der Fiskalpolitik führen.

Langfristiger Ausblick

Capital Economics zeigt sich für die längerfristige Entwicklung Großbritanniens optimistisch: Das BIP-Wachstum soll sich in den 2030er Jahren auf durchschnittlich zwei Prozent beschleunigen, wobei das Land stärker als andere von KI-bedingten Produktivitätsgewinnen profitieren wird. Für Europa bleibt die zentrale Frage, ob der Kontinent seine strukturellen Rigiditäten überwinden kann, um die kurzfristige Resilienz in nachhaltiges Wachstum zu überführen.

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