Euronext und Deutsche Börse: Fusionsfantasie treibt Aktienkurse
CEO von Euronext zeigt sich offen für Zusammenschluss mit der Deutschen Börse.

Die Aktien der europäischen Börsengruppen Euronext und Deutsche Börse sind am Dienstag kräftig gestiegen. Auslöser ist ein Interview des Euronext-Chefs Stephane Boujnah mit der Financial Times, in dem er sich offen für eine Transaktion mit dem deutschen Konkurrenten zeigte.
Die Euronext-Aktie legte um 2,2 Prozent auf 161,70 Euro zu. Noch deutlicher fiel der Kursanstieg bei der Deutschen Börse aus: Das Papier des Frankfurter Marktbetreibers gewann im mittäglichen Handel in Europa 3,3 Prozent auf 285,30 Euro.
Boujnah sagte dem britischen Wirtschaftsblatt, dass sich ein Zusammenschluss der Börsengeschäfte beider Gruppen lohne. Dabei schloss er auch einen umfassenden Merger der beiden Konzerne nicht aus. Die Aussagen des Franzosen befeuern Spekulationen über eine mögliche Neuordnung der europäischen Börsenlandschaft.
Hintergrund: Europas Börsen unter Druck
Die Börsen auf dem Kontinent treiben ihre Konsolidierung voran, um ihre Wettbewerbsfähigkeit in einem zunehmend von den USA dominierten Markt zu steigern. Amerikanische Handelsplätze haben in den vergangenen Jahren massiv an Bedeutung gewonnen und ziehen immer mehr Kapital und Liquidität an.
Eine Kombination von Euronext und Deutscher Börse würde nach den Worten Boujnahs „eine paneuropäische Marktinfrastruktur mit planetarischer Skalierung“ schaffen. Euronext betreibt bereits die Börsen in Paris, Amsterdam, Brüssel, Lissabon, Dublin und Oslo. Die Deutsche Börse ist mit der Frankfurter Wertpapierbörse, der Derivatebörse Eurex und dem Abwickler Clearstream einer der größten Marktinfrastrukturbetreiber der Welt.
Historische Fusionsversuche
Bereits in der Vergangenheit gab es Annäherungsversuche zwischen den beiden Börsenbetreibern. 2016 scheiterte ein Übernahmeversuch der Deutschen Börse an der London Stock Exchange unter anderem am Widerstand der EU-Kommission. Auch ein Zusammenschluss mit Euronext stand damals im Raum, kam aber nicht zustande.
Sollte es nun tatsächlich zu einer Transaktion kommen, wäre dies einer der bedeutendsten Zusammenschlüsse in der europäischen Finanzinfrastruktur. Analysten sehen darin eine logische Reaktion auf die wachsende Dominanz der US-Märkte, die von einer deutlich höheren Bewertung und größeren Liquidität profitieren.
Die Marktteilnehmer reagierten am Dienstag positiv auf die Aussagen. Die Kursausschläge zeigen, dass Anleger durchaus Potenzial in einer solchen Transaktion sehen. Ob es tatsächlich zu einer Fusion kommt, bleibt abzuwarten. Boujnahs Äußerungen dürften jedoch für neue Dynamik in der seit Jahren schwelenden Konsolidierungsdebatte sorgen.
