EU und Philippinen einigen sich auf Freihandelsabkommen
EU und Philippinen einigen sich auf Freihandelsabkommen – Zölle sollen fallen

Die Europäische Union und die Philippinen stehen kurz vor dem Abschluss eines lang erwarteten Freihalsabkommens. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bestätigte die Einigung, die nun in die juristische Detailarbeit geht. Die formelle Unterzeichnung soll "in den kommenden Monaten" erfolgen, wie die EU-Kommission mitteilte.
Das Abkommen zielt darauf ab, Zölle auf beiden Seiten abzubauen und den Marktzugang für Unternehmen deutlich zu verbessern. Für europäische Exporteure ist der südostasiatische Inselstaat mit seinen rund 113 Millionen Einwohnern ein strategisch wichtiger Markt.
Ein Markt mit Potenzial für die deutsche Wirtschaft
Besonders Maschinen, Transportmittel, Arzneimittel und medizinische Geräte aus der EU sollen künftig leichter auf den philippinischen Markt gelangen. Auch für Schweinefleisch aus der EU sind Zollerleichterungen vorgesehen. EU-Handelskommissar Maros Sefcovic spricht von einem "riesigen Wachstumspotenzial". Gemeinsam mit der philippinischen Handelsministerin Cristina Roque bezeichnete er die Einigung als "wichtigen Meilenstein für beide Seiten".
Das geplante Abkommen umfasst mehr als 97 Prozent des aktuellen bilateralen Handelsvolumens. Derzeit beläuft sich der Warenaustausch auf rund 18 Milliarden Euro pro Jahr, hinzu kommen etwa zehn Milliarden Euro an Dienstleistungen. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) sieht ebenfalls ein "enormes Marktpotenzial". DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier fordert jedoch "vollständige Zollsenkungen in allen Industriebereichen sowie die Öffnung der öffentlichen Beschaffungsmärkte". Die deutsche Wirtschaft erhofft sich zudem besseren Zugang zu Rohstoffen von den Philippinen.
Handelszahlen und strategischer Hintergrund
Im Jahr 2025 war die EU mit ihren 450 Millionen Einwohnern der viertgrößte Handelspartner der Philippinen und machte 8,3 Prozent des gesamten philippinischen Warenhandels aus. Der bilaterale Warenhandel lag im vergangenen Jahr bei 17,6 Milliarden Euro, der Dienstleistungshandel erreichte 2024 sogar 10,3 Milliarden Euro.
Die Verhandlungen zwischen der EU und den Philippinen hatten bereits 2016 begonnen, wurden aber ein Jahr später auf Eis gelegt. Erst im März 2024 nahm man die Gespräche wieder auf. Der erneute Vorstoß ist auch vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Lage zu sehen. Die EU bemüht sich angesichts der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump und der angespannten Beziehungen zu China verstärkt um alternative Handelspartner.
In den vergangenen Monaten hat die EU bereits einen erweiterten Handelsvertrag mit Mexiko unterzeichnet und die Verhandlungen mit Indien abgeschlossen. Ein Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten ist seit Mai vorläufig in Kraft. Für Anleger bedeutet dies: Die EU forciert ihre Handelsstrategie in alle Richtungen, um Abhängigkeiten zu reduzieren und neue Absatzmärkte zu erschließen. Die Philippinen könnten dabei vor allem für Unternehmen aus den Bereichen Maschinenbau, Pharmazie und Agrarwirtschaft zu einem interessanten Wachstumsmarkt werden.
