Epstein-Akten treffen US-Schulfotograf Lifetouch mit Boykottwelle
Ein Social-Media-Boykott gegen Lifetouch basiert auf einer vagen Verbindung zu Apollo Global Management und Leon Black.

Die Veröffentlichung der Epstein-Akten zieht immer weitere Kreise. Nun gerät mit Lifetouch ein Unternehmen ins Visier, das seit 90 Jahren Schülerporträts für tausende US-Schulen erstellt. Online-Ermittler haben eine indirekte Verbindung zum Epstein-Netzwerk konstruiert – mit weitreichenden Folgen.
Der Ausgangspunkt der Kontroverse ist Leon Black, ehemaliger CEO von Apollo Global Management, dem Private-Equity-Eigentümer von Shutterfly, der Muttergesellschaft von Lifetouch. Black hatte bekanntermaßen Verbindungen zu Jeffrey Epstein. Über soziale Medien organisierten Nutzer daraufhin einen Boykott gegen Lifetouch – mit konkreten Konsequenzen: Mehrere Schulbezirke im ganzen Land kündigten ihre Verträge mit dem Fotounternehmen.
Was die Epstein-Akten tatsächlich enthalten
Bei näherer Betrachtung erweist sich die Verbindung als äußerst dünn. In den veröffentlichten Epstein-Dokumenten finden sich keinerlei Korrespondenzen mit Lifetouch-Führungskräften – im Gegensatz zu den vertraulichen Nachrichten mit einigen Wirtschaftsführern oder Fotos lächelnder Milliardäre auf Epsteins Privatinsel.
Hinzu kommen weitere entlastende Faktoren: Shutterfly wurde von Apollo erst einen Monat nach Epsteins Tod im August 2019 übernommen. Zum Zeitpunkt der relevanten Ereignisse gehörte Lifetouch also noch gar nicht zum Apollo-Portfolio. Außerdem leitet Leon Black das Unternehmen seit fünf Jahren nicht mehr.
Lifetouch ist zudem lediglich eines von fast 200 Unternehmen im breit diversifizierten Portfolio von Apollo Global Management. Die direkte Verbindungslinie, die Boykott-Befürworter ziehen, umfasst damit mehrere Zwischenschritte: von Epstein über Black zu Apollo, von Apollo zu Shutterfly und schließlich zu Lifetouch.
Der Fall illustriert, wie die Veröffentlichung der Epstein-Akten gesellschaftliche und wirtschaftliche Dynamiken auslöst, die weit über die eigentlichen Inhalte der Dokumente hinausgehen. Für Lifetouch und seine Mitarbeiter hat die virale Empörung reale Konsequenzen – trotz fehlender direkter Belege für eine Verbindung zum Epstein-Skandal.
