44.000 Dollar Jahresprämie: Kaliforniens Wohnversicherungskrise eskaliert
Ein Hausbesitzerpaar in Los Angeles zahlt jetzt mehr als das Siebenfache seiner früheren Versicherungsprämie – und hat kaum Alternativen.

Glenn und Lorraine Crawford erwarben ihr Haus in Agoura Hills nordwestlich von Los Angeles im Jahr 2012 und zahlten damals rund 500 Dollar im Monat für ihre Wohngebäudeversicherung. Heute verlangt State Farm von ihnen mehr als das Siebenfache dieses Betrags – für einen Schutz, der nicht einmal die vollständigen Wiederaufbaukosten des Hauses abdecken würde. Die monatliche Versicherungsrechnung nähert sich damit der Höhe ihrer Hypothekenrate.
Die jüngste Jahresrechnung der Crawfords beläuft sich auf mehr als 44.000 Dollar – und das Ehepaar hat nach eigenen Angaben kaum eine andere Wahl, als zu zahlen. Der einzige alternative Anbieter, der bereit war, das Haus zu versichern, war Lloyd's of London – zu einem Preis von 80.000 Dollar pro Jahr. Damit ist die Geschichte der Crawfords kein Einzelfall, sondern symptomatisch für eine systemische Krise.
Millionen Kalifornier betroffen
Mehr als ein Jahr nach den verheerenden Bränden im Bezirk Los Angeles leiden Millionen von Kaliforniern unter einer seit Jahren andauernden Versicherungskrise. Drastische Prämienerhöhungen, gekündigte Policen und abgelehnte Schadensansprüche prägen den Markt. Besonders in brandgefährdeten Gebieten ist bezahlbarer Versicherungsschutz kaum noch zu finden.
Der Bundesstaat Kalifornien hat versucht, mit Genehmigungen massiver Tariferhöhungen den Wettbewerb unter den Versicherern anzukurbeln. Doch die Strategie zeigt bislang kaum Wirkung. Zwei der größten Anbieter – State Farm und Allstate – nehmen trotz genehmigter zweistelliger Prämienerhöhungen für Bestandskunden keine Neukunden mehr im Bundesstaat an.
Rückzug der Versicherer verschärft die Lage
Ein dritter großer Anbieter, Farmers Insurance, hat sich zwar verpflichtet, mehr Häuser in brandgefährdeten Gebieten zu versichern. Doch die Zahl der neu abgeschlossenen Policen entspricht nur einem Bruchteil des Rückgangs, den das Unternehmen seit Beginn der Krise verzeichnet hat. Der Markt bleibt damit strukturell unterversorgt.
Für deutsche Privatanleger und Beobachter verdeutlicht die kalifornische Situation ein globales Phänomen: Der Klimawandel und zunehmende Naturkatastrophen setzen Versicherungsmärkte weltweit unter Druck. Steigende Prämien, Marktaustritte großer Anbieter und staatliche Regulierungsversuche ohne durchschlagenden Erfolg sind Entwicklungen, die auch in Europa zunehmend diskutiert werden.
