EnergyPathways will Wasserstoff und Graphit schon 2029 vermarkten
Das AIM-notierte Unternehmen beschleunigt sein MESH-Projekt in Barrow-in-Furness und peilt erste Umsätze bis 2029 an.

EnergyPathways, ein an der AIM notiertes britisches Unternehmen für den Energiewandel, beschleunigt die Entwicklung seiner Anlage zur Produktion von kohlenstoffarmem Wasserstoff und Graphit in Barrow-in-Furness in der Grafschaft Cumbria. Das erklärte Ziel: bereits bis 2029 umsatzgenerierend zu sein. Je nach weiterer Optimierung des Designs und des Supply-Chain-Managements könnte der Projektstart sogar noch früher erfolgen.
Hinter dem Vorhaben steht das integrierte Projekt „Marram Energy Storage Hub" (MESH). Es umfasst eine Langzeitspeicheranlage für Energie, die Erdgas und Wasserstoff einschließt, sowie Produktionsanlagen für Graphit und Ammoniak. Damit verbindet das Unternehmen Speicherung und Produktion in einem einzigen Standortkonzept.
Bemerkenswert ist die Aussage des Unternehmens, dass die Kommerzialisierung des Geschäftsfelds Wasserstoff nicht von staatlicher kommerzieller Unterstützung abhängt und nur geringe regulatorische Verfahren erfordert. Das unterscheidet MESH von vielen anderen Wasserstoffvorhaben, die auf Förderzusagen angewiesen sind.
Die Details
In Barrow hat EnergyPathways nach eigenen Angaben bereits eine Standortsituation identifiziert, die Platz für eine Anlage mit einer Kapazität von 20.000 Tonnen pro Jahr bietet. Anschlüsse an das Gas- und das Stromnetz bestehen bereits. Die Ingenieurarbeiten laufen in Zusammenarbeit mit den Technologiepartnern Hazer Group und Hycamite TCD Technologies voran.
Technologisch setzt die Anlage auf Methanspaltung. Dabei wird Erdgas in kohlenstoffarmen Wasserstoff und festen graphitischen Kohlenstoff aufgespalten. Der Kohlenstoff wird als Graphit gebunden und nicht als Kohlendioxid freigesetzt. Auf diese Weise entsteht eine neue inländische Quelle für ein strategisch wichtiges Material.
Die britische Regierung stuft Graphit als kritisches Mineral ein, das für die nationale Sicherheit, die industrielle Strategie und den Energiewandel unerlässlich ist. Großbritannien importiert derzeit seinen gesamten Graphitbedarf. Der wachsende Bedarf an lokal produziertem Graphit soll helfen, sich gegen geopolitische Schocks abzusichern.
Als initiale Absatzmärkte nennt EnergyPathways den Reifenbau, metallurgische Industrien sowie die Beimischung von Graphit in Beton und Asphalt. Diese Branchen verwenden Kohlenstoff in großem Maßstab; der Graphit des Unternehmens würde ihnen einen Weg zur Dekarbonisierung bieten. Langfristig plant EnergyPathways, graphitischen Kohlenstoff in hochreinen Graphit umzuwandeln – einschließlich Graphit, der für Batterien von Elektrofahrzeugen und andere anspruchsvolle Anwendungen geeignet ist.
In der Mitteilung heißt es: „Wir haben eine echte Chance, dieses Projekt zu beschleunigen und bereits bis 2029 oder sogar früher umsatzgenerierend zu werden, was das Unternehmen durch starke Cashflows bei attraktiven Gewinnmargen untermauert. Wir beschleunigen aktiv diesen Aspekt von MESH, wobei mehrere Arbeitsstränge parallel laufen, darunter der Erwerb oder die Anmietung geeigneter Flächen in Barrow sowie Verhandlungen über die Anschlüsse an die Gas- und Stromnetze."
CEO Ben Clube ergänzt: „Die Wirtschaftlichkeit des Wasserstoff-Bestandteils von MESH ist auch isoliert betrachtet überzeugend. Wir arbeiten intensiv an der Einbindung von Abnehmern, um die Wirtschaftlichkeit zu sichern, sowie an der Gewinnung strategischer Investoren und privaten Kapitals, um die beschleunigte Finanzierung zu gewährleisten." Der Fokus liege nun darauf, Abnahmeverträge festzuschreiben, die Ingenieurleistungen abzuschließen und die Finanzierung zu sichern, um frühe Cashflows für MESH und langfristige Investitionen in Barrow zu realisieren.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 24.04.2026 berichtete aktien.news, dass die an der Nasdaq gelistete Frontier Nuclear über ihre Portfoliogesellschaft Kadmos Energy Services den Startschuss für ein duales experimentelles Validierungsprogramm an ihrem Standort in Idaho Falls gegeben hat. Kadmos sollte die Designs für kleine modulare Reaktoren in Richtung Lizenzierung, kommerzieller Einführung und nachgelagerter Wertschöpfung vorantreiben.
Am 10.06.2026 meldete aktien.news, dass die kanadische Charbone Corporation einen langfristigen Wasserstoff-Liefervertrag mit Hone Inc. abgeschlossen hat. Der Vertrag hat eine Laufzeit von zwei Jahren und formalisiert eine Geschäftsbeziehung, die bereits im Januar 2026 mit ersten Wasserstoffverkäufen in Ontario begonnen hatte.
Am 25.06.2026 folgte der Bericht über eine Reihe bedeutender Entwicklungen im globalen Rohstoffsektor, darunter neue Vereinbarungen, Explorationsergebnisse und strategische Partnerschaften aus den Bereichen Graphit, Lithium, Kupfer und Kernenergie. Damals zählte International Graphite zu den aktivsten Akteuren: Das Unternehmen meldete eine erfolgreiche Platzierung zur Beschleunigung des Geschäftsbetriebs, unmittelbar bevorstehende Erdarbeiten und Tiefbaumaßnahmen am Standort Collie sowie ein verbindliches Joint Venture zum Bau einer europäischen Anlage.
Am 15.09.2026 berichtete aktien.news schließlich über Südafrikas Ambitionen als grüner Wasserstoff-Hub. Im Zentrum steht das 5,8 Milliarden US-Dollar schwere Projekt von Hive Hydrogen South Africa in Coega, für das der Auftrag für das Front-End Engineering Design an das spanische Unternehmen Técnicas Reunidas vergeben wurde.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist EnergyPathways vor allem wegen der Kombination aus Wasserstoff und einem kritischen Rohstoff interessant. Das Unternehmen adressiert mit Graphit einen Markt, in dem Großbritannien nach eigener Darstellung vollständig von Importen abhängig ist. Gleichzeitig betont es, dass die Wasserstoff-Kommerzialisierung nicht von staatlicher kommerzieller Unterstützung abhängt – ein Punkt, der die Planbarkeit des Vorhabens erhöht.
Allerdings steht das Projekt noch am Anfang der Umsetzung. Abnahmeverträge müssen festgeschrieben, Ingenieurleistungen abgeschlossen und die Finanzierung gesichert werden. Der Zeitplan bis 2029 hängt damit von mehreren Faktoren ab, die das Unternehmen selbst als parallel laufende Arbeitsstränge beschreibt. Als Zielmarke für erste Umsätze aus dem Projekt nennt EnergyPathways das Jahr 2029.
Einzuordnen ist das Vorhaben auch vor dem Hintergrund der zuletzt von aktien.news berichteten Aktivitäten im Rohstoff- und Wasserstoffsektor: Von Graphitprojekten in Australien über Wasserstofflieferverträge in Kanada bis zu Großprojekten in Südafrika zeigt sich, dass entlang der Wertschöpfungskette derzeit viel Kapital in neue Kapazitäten fließt. EnergyPathways positioniert sich mit MESH in diesem Umfeld als integrierter Anbieter von Speicherung und Produktion.
Ausblick
EnergyPathways will den Markt regelmäßig aktualisieren, sobald die verschiedenen Meilensteine auf dem Weg zur Kommerzialisierung erreicht sind. Dazu zählen der Erwerb oder die Anmietung geeigneter Flächen in Barrow, Verhandlungen über die Anschlüsse an das Gas- und Stromnetz, die Einbindung von Abnehmern sowie die Gewinnung strategischer Investoren und privaten Kapitals. Als Zielmarke für erste Umsätze nennt das Unternehmen 2029, wobei ein früherer Start möglich bleibt.
Kurz erklärt
- Methanspaltung: Verfahren, bei dem Erdgas in Wasserstoff und festen Kohlenstoff zerlegt wird, statt Kohlendioxid freizusetzen.
- Kritisches Mineral: Rohstoff, den eine Regierung als unverzichtbar für nationale Sicherheit, Industrie und Energiewende einstuft.
- AIM: Handelssegment der Londoner Börse, das speziell auf kleinere Wachstumsunternehmen ausgerichtet ist.
