Eli Lilly: 700.000 Senioren starten GLP-1-Therapie durch Medicare
700.000 neue Senioren starteten GLP-1-Therapie, 70 Prozent nutzen Lilly-Präparate.

Eli Lillys CEO Dave Ricks hat am Montag in einem exklusiven CNBC-Interview neue Zahlen zur Einführung der Medicare-Abdeckung für Adipositas-Medikamente vorgelegt. Seit dem Start des Programms im Juli haben 700.000 neue Senioren mit GLP-1-Therapien begonnen. 70 Prozent dieser Patienten greifen dabei auf Medikamente von Eli Lilly zurück.
Ricks bezeichnete den Start der Abdeckung als „sehr ermutigend“. Die Erweiterung des breiteren GLP-1-Marktes sei genau das, „was wir uns erhofft hatten“. Die Kommentare liefern die bislang konkretesten Metriken darüber, wie stark die neue Kostenübernahme den Zugang zu diesen Medikamenten erweitert und wer zwischen Lilly und dem Hauptkonkurrenten Novo Nordisk bei neuen Patienten mehr Dynamik gewinnt.
Die Abdeckung erfolgt über ein temporäres Programm namens „Bridge“. Berechtigte Versicherte können Gewichtsabnahme-Medikamente gegen eine monatliche Zuzahlung von 50 Dollar erhalten. Das bundesstaatliche Medicare-Programm richtet sich an Menschen ab 65 Jahren oder mit Behinderungen und deckt etwa 66 Millionen Personen ab.
Die Details
Lillys Blockbuster-Injektion Zepbound zur Behandlung von Adipositas scheint bisher der größte Gewinner der Medicare-Abdeckung zu sein. Über das Programm können Senioren auf Zepbound sowie auf Lillys neu eingeführte Adipositas-Pille Foundayo zugreifen. Novo Nordisk bietet sein konkurrierendes Medikament Wegovy und die gleichnamige Blockbuster-Injektion an.
Lillys Foundayo spiele eine größere Rolle für Patienten, die nach einer bequemen Behandlungsoption suchten und „vielleicht nur 25 bis 30 Pfund verlieren müssten“, fügte Ricks hinzu. Die Pille wurde im April eingeführt, einige Monate nach der Pille von Novo. Ricks sagte gegenüber CNBC, dass ein Drittel der neuen Patienten, die orale GLP-1-Medikamente einnehmen, Foundayo nutzen.
Der CEO gab an, keine größeren logistischen Probleme im Zusammenhang mit der Einführung gehört zu haben. Er lobte die Centers for Medicare and Medicaid Services (CMS) dafür, dass sie „die Einführung gut gemeistert“ hätten, indem sie Ärzte schulten und sowohl mit den Unternehmen als auch mit dem Versicherungssystem zusammenarbeiteten.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 31. Januar 2026 berichtete aktien.news, dass Eli Lilly mit einem Durchbruch bei der Vermarktung seiner neuen Adipositas-Pille rechnete. CEO David Ricks kündigte damals an, dass Medicare die Behandlung unmittelbar nach der Markteinführung im zweiten Quartal übernehmen werde. Die Kostenübernahme basierte auf Preisvereinbarungen, die Eli Lilly und Konkurrent Novo Nordisk im November 2025 mit US-Präsident Donald Trump getroffen hatten.
Am 23. April 2026 folgte die Bestätigung: Die US-Gesundheitsbehörde CMS vollzog eine bedeutende Kehrtwende. Ab dem 1. Juli 2026 bis Ende 2027 übernimmt Medicare die Kosten für Adipositas-Medikamente. Dies stellte einen erheblichen politischen Kurswechsel dar, da die Kostenübernahme für Medikamente zur Gewichtsreduktion durch Medicare bislang stark eingeschränkt war.
Am 1. Juli 2026 trat die Regelung in Kraft. Ab Mittwoch, dem 1. Juli, übernahm Medicare erstmals die Kosten für GLP-1-Medikamente, die speziell zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden. Bisher konnten ältere US-Bürger eine Erstattung ausschließlich dann erhalten, wenn sie an Diabetes oder einer Herz-Kreislauf-Erkrankung litten.
Bereits am 28. Juni 2026 hatte aktien.news berichtet, dass der wegweisende Wandel an einem Großteil der Berechtigten unbemerkt vorbeizugehen drohte. Laut einer Umfrage des Obesity Care wussten viele Senioren nichts von der neuen Möglichkeit. Über das Bridge-Demonstrationsprogramm können anspruchsberechtigte Versicherte Präparate wie Wegovy oder Zepbound für eine monatliche Zuzahlung von lediglich 50 US-Dollar erhalten.
Was das für Anleger bedeutet
Die aktuellen Zahlen von Eli Lilly zeigen, dass das Unternehmen vom Medicare-Start überproportional profitiert. Mit 70 Prozent der 700.000 neuen Patienten, die auf Lilly-Medikamente zurückgreifen, liegt der Pharmariese deutlich vor Konkurrent Novo Nordisk. Dies ist besonders bemerkenswert, da Novo mit Wegovy bereits länger am Markt etabliert ist.
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung relevant, da beide Unternehmen auch in Europa stark vertreten sind. Eli Lilly und Novo Nordisk zählen zu den wertvollsten Pharmakonzernen weltweit. Der Erfolg der Medicare-Abdeckung könnte die Umsätze der GLP-1-Sparten beider Unternehmen nachhaltig steigern.
Die neue orale Pille Foundayo scheint sich ebenfalls gut zu entwickeln. Dass ein Drittel der neuen Patienten, die orale GLP-1-Medikamente einnehmen, Foundayo nutzen, deutet auf eine starke Marktdurchdringung hin. Dies ist für Anleger interessant, da orale Medikamente als nächste Wachstumsstufe des GLP-1-Marktes gelten.
Ausblick
Das temporäre Bridge-Programm läuft bis Ende 2027. Bis dahin werden die Centers for Medicare and Medicaid Services (CMS) weiterhin Ärzte schulen und mit den Unternehmen sowie dem Versicherungssystem zusammenarbeiten. Eli Lilly und Novo Nordisk werden voraussichtlich weiterhin um Marktanteile bei den neu hinzukommenden Medicare-Patienten konkurrieren.
Ob das Programm über 2027 hinaus verlängert oder in eine dauerhafte Regelung überführt wird, ist aus dem vorliegenden Quelltext nicht ersichtlich. Die bisherige Dynamik spricht jedoch für eine hohe Nachfrage seitens der Versicherten.
Kurz erklärt
- GLP-1-Medikamente: Wirkstoffklasse, die ursprünglich zur Behandlung von Diabetes Typ 2 entwickelt wurde und durch Appetitzügelung auch zur Gewichtsreduktion eingesetzt wird.
- Medicare: Staatliches Krankenversicherungsprogramm der USA, das in erster Linie Personen ab 65 Jahren sowie bestimmte Menschen mit Behinderungen absichert.
- Bridge-Demonstrationsprogramm: Zeitlich befristetes Modellprojekt der US-Gesundheitsbehörde CMS, das die Kostenübernahme für Adipositas-Medikamente durch Medicare für einen begrenzten Zeitraum ermöglicht.
